# taz.de -- Spendengala für das BKA-Theater: Volles Haus, leere Kasse
       
       > Das private BKA-Theater bekommt keine Subventionen. Doch die Kosten
       > steigen – eine Spendengala am 25. Oktober soll die Kassen wieder füllen.
       
 (IMG) Bild: Prost auf viele Spenden: Hier wirbt die Ades Zabel Company für ihre Silvestershow, die ab 27. 12. 26 im BKA-Theater zu sehen ist
       
       Wer ins BKA-Theater am Mehringdamm will, hat zwei Optionen. Entweder auf
       den recht langsamen und kleinen Fahrstuhl warten. Oder die Treppen nehmen
       bis in den 5. Stock. Das zieht sich wegen der hohen Decken und geht in die
       Beine … geschafft. An diesem Donnerstagnachmittag ist der Zuschauerraum
       leer. Ein seltsames Bild. Ist das unterm Dach liegende [1][BKA-Theater]
       doch in der Regel ausverkauft.
       
       Auf der Bühne steht einsam eine Requisite, ein Imbisswagen aus Holz. Es
       handelt sich um „Ediths Grill-Treff“ – Ades Zabel (Alter Ego: Edith
       Schröder) und seine Company standen hier wochenlang auf der Bühne. Der
       Imbisswagen wurde extra für die Show von einem „befreundeten Tischler“
       gebaut, hat aber immer noch rund 10.000 Euro gekostet, die ganze Produktion
       zwischen 30. und 40.000 Euro. „Eine aufwändige, gut gemachte Produktion“,
       sagt Geschäftsführer Sven Ihlenfeld der taz, „die viele Leute erreicht
       hat.“
       
       Wer die „Drei Drachen vom Grill“ verpasst hat, muss nun bis nächsten Sommer
       warten. Das sogenannte Neuköllnical – eine Wortschöpfung aus Neukölln und
       Musical – ging am Wochenende zum letzten Mal über die Bühne. Es gab 35
       Vorstellungen, es wurde immer en bloc gespielt, das Bühnenbild ist zu
       aufwändig, um es täglich auf- und abzubauen.
       
       [2][Ades Zabel und seine Company] haben mit ihrer Persiflage auf die
       ähnlich klingende [3][SFB-Serie „Drei Damen vom Grill“] (1977–91) rund
       8.000 Leute erreicht, ein Mitarbeiter hat eben mal schnell in die Statistik
       geschaut. „Ein Überraschungserfolg“, sagt Ihlenfeld.
       
       ## Stark gestiegene Kosten
       
       Doch das ist tiefgestapelt, weil der Erfolg vorprogrammiert war, wie bei
       jeder anderen Show der queeren Ades-Zabel-Truppe. Revuen wie „Wenn Ediths
       Glocken läuten“ sind neben aller professionellen Machart, die
       unprofessionell wirken soll, vor allem einem eins: superlustig. Der Trash
       ist Kult. „Wenn Ediths Glocken läuten“ läuft ab Ende November übrigens in
       der 23. Auflage und beschert dem BKA-Theater sicher erneut ein volles Haus.
       Mit Ades Zabel lässt sich dort auch ins neue Jahr rutschen: „Hallo 2027 –
       mit Edith ins neue Jahr!“, heißt die Show.
       
       Bisschen viel Werbung? Nun, die hat das BKA-Theater gar nicht nötig.
       Einerseits. Anderseits laufen dem kleinen privaten Theater die Kosten
       davon. Alles wird immer teurer. Und ein Ende der Preissteigerungen ist
       nicht in Sicht. Immerhin, so Ihlenfeld, ist die Miete derzeit weiter
       stabil. „Die stark gestiegenen Kosten in allen anderen Bereichen stellen
       uns vor große finanzielle Herausforderungen“, sagt Ihlenfeld. Deshalb
       findet [4][eine große Spendengala am 25. Oktober] ab 19 Uhr statt.
       
       Das Problem: Das BKA-Theater bekommt „keinerlei Subventionen“ vom Land
       Berlin oder dem Bund, erklärt Ihlenfeld bei einem türkisch aufgebrühten
       Kaffee. Er sitzt in einem großen Raum hinter der Bühne mit vielen bunten
       Kostümen, Theaterutensilien und Getränkekisten. „Wir wollten nicht einfach
       die Ticketpreise erhöhen“, so der Geschäftsführer, und so ist das Team auf
       die Idee mit der Spendengala gekommen, wie schon einmal, um Geld zu
       einzusammeln, damit „wir weiterhin ein unangepasstes Programm bieten können
       – ohne die Ticketpreise durch die Decke gehen zu lassen“. Davon wären die
       rund 50.000 Menschen, die pro Jahr ins BKA-Theater gehen betroffen.
       
       Zu dem „unangepassten Programm“ gehören schwerpunktmäßig queere
       Produktionen. Außerdem baut das kleine private Theater gezielt junge
       Talente auf. Und bietet zwei Projekten eine Heimat: Dem englischsprachigen
       „Platypus Theater“ für Kinder, das mit seinen bis 100 Vorstellungen, die
       tagsüber laufen, im Jahr bis zu 20.000 Kinder erreicht. Und die
       wöchentliche Konzertreihe für Neue Musik „Unerhörte Musik“, die
       dienstagabends stattfindet.
       
       ## Es droht keine Pleite
       
       Das BKA-Theater beschäftigt 30 Mitarbeiter:innen – „Ich würde ihnen
       gerne mehr zahlen“, räumt Ihlenfeld ein. Denn das Team leistet viel: So gut
       wie jeden Tag gibt es eine Vorstellung. Theaterferien – so wie bei den
       subventionierten Theatern – sind nicht drin. Rücklagen schon gar nicht. Und
       wo es geht, wird an einer Optimierung gearbeitet.
       
       Ein Beispiel ist die Neuerung, Getränke und Speisen direkt am Tisch via
       QR-Code nicht nur zu bestellen, sondern auch gleich zu bezahlen.
       Crowdfunding, wie gerade für die Produktion der „Drei Drachen von Grill“
       erprobt, wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, sagt Ihlenfeld. Und
       fügt hinzu, weil es bereits entsprechende hämische Kommentare gab: „Von
       einer Pleite sind wir nicht bedroht, nur weil wir eine Spendengala
       veranstalten.“
       
       Aber wer weiß, wie es um das BKA-Theater stehen würde, gäbe es die
       Lotto-Stiftung nicht. Projektbezogen half diese immer mal mit Geld aus. Zum
       Beispiel für die Lichtumstellung auf LED. Für ein Theater unter dem Dach,
       das mit vielen Scheinwerfern arbeitet, eine erhebliche Verbesserung. „Wir
       sind dank Lotto-Stiftung ein technisch gut ausgestattetes Theater“, sagt
       Ihlenfeld. Die Klimaanlage hat sich diesen Sommer sehr bewährt.
       
       Für die Spendengala am 25. Oktober stehen 15 Künstler:innen auf der
       Bühne, sie alle fühlen sich dem BKA-Theater verbunden und treten ohne Gage
       auf. Zum Beispiel macht Horst Evers mit, Benedikt Eichhorn & Thomas Pigor
       ebenso, natürlich auch Sigrid Grajek und Ades Zabel & Co. und viele andere.
       Noch gibt es Karten, die zwischen 40 und 80 Euro kosten.
       
       Natürlich wäre es schön, wenn es einer solchen Spendengala gar nicht
       bedürfte, sagt Sven Ihlenfeld zum Abschied. „Deshalb kämpfen wir für eine
       institutionelle Förderung, die muss auch gar nicht hoch sein, vielleicht 10
       Prozent unserer Jahresausgaben.“ Ein Wunsch, dem sich die für die Berliner
       Kultur so wichtigen wie innovativen, gut besuchten und privat geführten
       Häuser wie die [5][Bar jeder Vernunft] in Wilmersdorf oder das [6][Prime
       Theater] im Wedding sicher anschließen würden.
       
       29 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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