# taz.de -- Papstbesuch in Frankreich: Heiliger Vater ante portas
       
       > Papst Leo XIV. kommt am Freitag für vier Tage nach Frankreich. Auch viele
       > Nichtkatholiken wollen seine Botschaft zum Frieden und der KI-Debatte
       > hören.
       
 (IMG) Bild: Auch am Wallfahrtsort Lourdes bereiten sie sich auf den Besuch von Papst Leo vor
       
       Hoher Besuch: Vom 25. bis 28. September kommt Papst Leo XIV. nach
       Frankreich. Das Programm und die Stationen zeugen von Ehrgeiz. Nach der
       Begrüßung durch Staatspräsident Emmanuel Macron auf dem Flughafen
       Paris-Orly und einer Unterredung unter Staatschefs im Elysée-Palast will
       Leo XIV. die Unesco besuchen.
       
       Danach wird er von der Kirche Notre-Dame-des-Champs mit dem Papamobil und
       unter dem Applaus der Menge entlang der Boulevards zur Kathedrale
       Notre-Dame fahren. Noch am Abend ist eine „Begegnung“ mit 80.000
       Jugendlichen im Stade de France in Saint-Denis vorgesehen.
       
       Die katholische Kirche erlebt derzeit einen markanten Zuwachs. An Ostern
       ließen sich in diesem Jahr nach Angaben der Bischofskonferenz 21.300
       Erwachsene und Jugendliche taufen – dreimal so viel wie vor vier Jahren.
       Offensichtlich gibt es einen gesellschaftlichen Trend hin zur
       Spiritualität.
       
       Wie groß die Begeisterung der französischen Katholiken für den Papst ist,
       belegt allein die Tatsache, dass sich in den Tagen nach Bekanntgabe des
       Besuchsprogramms mehr als 600.000 Menschen für das Hauptereignis, die Messe
       auf dem Pariser La Concorde, eingeschrieben haben.
       
       ## Großes Interesse bei Nichtkatholiken
       
       Am Sonntag pilgert der Papst nach Lourdes, wo ihn 200.000 Gläubige
       erwarten. Die letzte Station ist Metz, wo er sich nach einem Treffen mit
       Vertretern anderer Religionen zur Bedeutung Europas für den Frieden äußern
       soll. Auch seine [1][Enzyklika „Magnifica Humanitas“] zur [2][KI-Debatte]
       stößt bei vielen Nichtkatholiken auf großes Interesse.
       
       „Eine Kathedrale von drei Kilometern Länge“, so beschreibt General Hervé
       Wattecamps das Bild bei der päpstlichen Messe auf der Concorde, die am
       Samstag zweifellos den Höhepunkt darstellen wird. Der ohnehin riesige Platz
       auf dem rechten Seine-Ufer gegenüber der Nationalversammlung muss auf der
       ganzen Länge der Avenue des Champs-Elysées bis zum Triumphbogen und darüber
       hinaus verlängert werden.
       
       Der General ist der Cheforganisator des viertägigen Papstbesuchs in
       Frankreich. Da sich bereits mehr als 600.000 Gläubige für die gigantische
       Open-Air-Messe eingeschrieben haben, darf er mit einem Massenansturm
       rechnen.
       
       Dieser Platz mit dem so versöhnlich klingenden Namen La Concorde hat bei
       der Kirche nicht nur gute Erinnerungen hinterlassen. An derselben Stelle,
       wo Papst Leo XIV. am Samstag den Anwesenden seinen Segen geben wird, stand
       von 1792 bis 1795 die Guillotine. Mit ihr wurden zuerst Ludwig XVI., später
       Marie-Antoinette sowie andere Repräsentanten des christlichen Ancien Régime
       im Namen einer antiklerikalen Revolution enthauptet.
       
       ## Zwei Lager
       
       Seit diesen Wirren blieb die „älteste Tochter der Kirche“, wie sich
       Frankreich seit der Taufe des Frankenkönigs Chlodwig stolz nannte, in zwei
       Lager gespalten. Heute scheint das weltliche Frankreich weitgehend versöhnt
       zu sein mit dem christlichen, das seine Traditionen in der Vergangenheit in
       zahlreichen Konflikten um Moral- und Gesellschaftsfragen ebenso vehement zu
       verteidigen wusste wie die Laizisten.
       
       Die Grundlage der Versöhnung ist der „Waffenstillstand“ von 1905. Nach
       langen Streitereien besiegelt er in der Verfassung eine strikte Trennung
       von Kirche und Staat, verpflichtet jedoch zugleich die konfessionell
       neutrale Republik zu einem Schutz der Glaubensfreiheit. Die Mairie de Paris
       sowie die Behörden der rot-grünen Hauptstadtregierung stellen den
       öffentlichen Platz für den Großanlass großherzig und kostenlos zur
       Verfügung.
       
       Der Staat kommt mit einem sehr kostspieligen Aufgebot von fast 15.000
       Polizeikräften für die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen auf. Die
       Gesamtkosten sollen sich auf 27 Millionen Euro belaufen. Das rief
       unweigerlich Kritiker aus dem antiklerikalen Lager auf den Plan. Macron
       erwiderte, er respektiere buchstabengetreu [3][die Laizität der Republik],
       indem er Leo XIV. zwar mit allen Ehren als Staatsoberhaupt empfange,
       persönlich aber an keiner Messe teilnehme.
       
       25 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erste-Enzyklika-von-Papst-Leo-XIV/!6181743
 (DIR) [2] /Welle-der-KI-Furcht/!6208375
 (DIR) [3] /!s=Frankreich+Laizismus/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Papst Leo XIV.
 (DIR) Katholizismus
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) GNS
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Papst auf Lampedusa: Maria am Tor Europas
       
       Papst Leo XIV. besucht Lampedusa, Symbol für Flucht und Hoffnung und
       erinnert daran, dass politische Entscheidungen hier über Leben und Tod
       bestimmen.
       
 (DIR) Migrationspolitik in Spanien: Rechte Katholiken laufen Sturm gegen den Papst
       
       Schon vor dem Besuch des Pontifex in Spanien legt sich die rechtsextreme
       Vox-Partei mit ihm an. Kern des Streits: die Migrationspolitik.
       
 (DIR) Päpstliche Afrika-Reise: Alles für die Kirche
       
       In Kamerun ist das Papst-Fieber ausgebrochen. Für den Besuch von Leo XIV.
       wurde Infrastruktur saniert, er soll in der Krisenregion im Westen
       vermitteln.