# taz.de -- Migrationspolitik in Spanien: Rechte Katholiken laufen Sturm gegen den Papst
       
       > Schon vor dem Besuch des Pontifex in Spanien legt sich die rechtsextreme
       > Vox-Partei mit ihm an. Kern des Streits: die Migrationspolitik.
       
 (IMG) Bild: MIgranten stehen vor dem Rathaus in Barcelona Schlange, um Aufenthaltspapiere zu erhalten
       
       Spaniens rechtsextreme Vox läuft Sturm gegen die spanische
       Bischofskonferenz und gegen Papst Leo XIV. Ähnlich wie dem US-Präsidenten
       Trump gilt den Neo-Franquisten und Erben des National-Katholizismus [1][der
       Heilige Vater, der Anfang Juni Spanien besuchen wird, als links und
       gefährlich]. Der Grund: Die Einwanderungspolitik.
       
       „Einige Bischöfe, die Geschäfte dank der illegalen Einwanderung machen,
       sollten einmal aus dem Palast heraus, und hinunter gehen, um zu sehen, was
       für Folgen das für die Spanier hat“, schimpft der VOX-Vorsitzende Santiago
       Abascal. Er wettert seit Monaten gegen die Regularisierung von Aufenthalten
       von Migranten seitens der fortschrittlichen Koalitionsregierung unter dem
       Sozialisten Pedro Sánchez.
       
       [2][Über eine halbe Million irregulär in Spanien lebende und arbeitende
       Ausländer sollen in den kommenden Monaten Papiere erhalten.] Ein Großteil
       der Bischöfe unterstützt dies, ebenso wie die katholische Hilfsorganisation
       Caritas. Diese berät die Immigranten und macht deshalb für VOX Geschäfte
       mit dem behaupteten „Bevölkerungsaustausch“ – Einwanderer ersetzen Spanier.
       
       Angesichts dieser Angriffe durch Rechtsextreme empfiehlt der Bischof der
       Kanarischen Inseln diesen ebenfalls den Weg hinaus aus Parlament und
       Parteibüro. „So mancher müsste in ein kleines Fischerboot gesetzt werden
       und fünf Tage lang, ohne Essen, auf dem Atlantik verbringen“, erklärt José
       Mazuelos und bekräftigt, dass sie „natürlich aufgenommen werden“ müssen.
       
       ## Modell der „nationalen Priorität“
       
       VOX hat allerdings ganz andere Vorstellungen. Der Partei schwebt das Modell
       der „nationalen Priorität“ vor. Spanier sollen demnach bei allen
       staatlichen Leistungen bevorzugt behandelt werden. Wer nicht beide
       Elternteile mit spanischen Pass hat, solle, so VOX, von Sozialleistungen
       wie der universellen Krankenversicherung ausgeschlossen werden. In drei
       Regionen ist es der rechtsextremen Partei gelungen, dies zum Programm ihrer
       Rechts-Rechtsaußen-Koalition zu machen (Partido Popular (PP) mit Vox) – in
       Estremadura, Aragón und Castilla y León. Durchgesetzt ist es allerdings
       noch nicht.
       
       Der Streit um Regularisierung und „nationale Priorität“ entzweit die
       Amtskirche auf der einen Seite und Ultrakatholiken von VOX und ihr
       nahestehende Organisationen wie „Haz te oir“ (Verschaff dir Gehör) auf der
       anderen. Letztere machen, insbesondere jetzt im Vorfeld des Papstbesuches,
       immer wieder Front gegen gleichgeschlechtliche Ehe, Abtreibung und Rechte
       für Frauen und sexuelle Minderheiten. Anfang Juni wird Papst Leo XIV die
       Iberische Halbinsel bereisen und dabei unter anderem in Madrid und
       Barcelona Messen lesen und vor dem spanischen Parlament eine Rede halten.
       
       VOX befürchtet wohl nicht zu Unrecht, dass der Papst dort zum Einen gegen
       die Kriege von US-Präsident Donald Trump und des israelischen Premiers
       Benjamin Netanjahu sprechen wird. Er wird sich zum Anderen wohl auch für
       Nächstenliebe und ganz konkret, für einen solidarischen Umgang mit
       Immigranten aussprechen. „Wenn ein religiöser Führer uns sagt, dass wir die
       massive Einwanderung und die Islamisierung der Gesellschaft akzeptieren
       müssen, sagen wir ‚Nein‘“, erklärt Abascal bereits im Vorfeld.
       
       Der Vox-Chef weiß, dass Papst Leo der spanischen Linksregierung mit ihrem
       klaren Nein zum Irankrieg, ihrer Definition des Gaza-Feldzuges als
       Völkermord und ihrer immigrationsfreundlichen Politik näher steht als der
       spanischen extremen Rechten. Die Auseinandersetzung Trumps mit dem Papst
       hat dies deutlich gemacht.
       
       ## Streit auch schon mit Papst Franziskus
       
       Spaniens Rechte und Ultrarechte, aber auch Teile der konservativen PP,
       hatten sich bereits zu Zeiten des Vorgängers von Leo XIV, dem
       argentinischen Papst Franziskus, immer wieder über die Politik des Vatikans
       beschwert. Franziskus ließ sich nicht beirren und baute die spanische
       Amtskirche um. Sie ist heute wesentlich fortschrittlicher, als sie seit den
       1930er Jahren je war – auch wenn es noch immer einige ultrakonservative
       Bischöfe gibt.
       
       Das Symbol für diese Entwicklung schlechthin ist das „Tal der Gefallenen“
       in den Bergen nördlich von Madrid. Dieses faschistische Monument – eine in
       den Felsen gehauenen Basilika, [3][in der Diktator Franco bestattet war] –
       unterstand den Benediktinern. Die Regierung ließ den Diktator vor sechs
       Jahren auf einen normalen Friedhof umbetten. Die Linkskoalition und der
       Vatikan einigten sich darauf, dass aus dem Ort eine nationale Gedenkstätte
       für alle Opfer des Bürgerkrieges wird. Vox und andere Nostalgiker verlieren
       damit den wichtigsten Ort ihrer Verehrung der Diktatur.
       
       4 May 2026
       
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