# taz.de -- Sorge um Kirchenoberhaupt: Papst Leo an Lungenkrebs erkrankt
       
       > Das Oberhaupt der katholischen Kirche machte am Sonntag einen Knoten in
       > der Lunge öffentlich. Nach der Operation bestätigen sich die
       > Befürchtungen.
       
 (IMG) Bild: Ein Gruß aus dem Auto, bevor der Papst sich einer dreistündigen OP unterziehen musste
       
       dpa | Große Sorge um den Papst: Nur anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist
       Leo XIV. an Lungenkrebs erkrankt. Dies gaben die Ärzte des 71-Jährigen am
       Abend nach einer Operation in der Gemelli-Klinik von Rom bekannt, dem
       Krankenhaus der Päpste. Demnach musste dem Oberhaupt von weltweit 1,4
       Milliarden Katholiken der untere Lappen der rechten Lunge entfernt werden,
       weil sich dort ein Knoten befand. Dabei stellte sich heraus, dass es sich
       um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom handelt.
       
       Erst am Sonntag hatte der gebürtige US-Amerikaner öffentlich gemacht, dass
       bei einer Routinekontrolle in seiner Lunge ein solcher Knoten gefunden
       worden war. Nur zwei Tage später wurde Leo bereits operiert – was bereits
       darauf hindeutete, dass Grund zu Sorge bestand. Bei dem Eingriff
       bestätigten sich nun die Befürchtungen, wie das Ärzteteam um die beiden
       Italiener Luigi Carbone und Stefano Margaritora mitteilte.
       
       ## Drei Stunden im OP-Saal
       
       Der rechte untere Lungenlappen wurde nun vollständig entfernt. Auf diese
       Weise sollte sichergestellt werden, dass von dem Tumor nichts mehr übrig
       ist. Die Operation an sich verlief nach Angaben der Ärzte „erfolgreich“ und
       ohne Komplikationen. Der Eingriff sei mit „video-assistierter Technik“
       erfolgt. Dabei werden in der Regel mehrere kleine Schnitte in den Brustkorb
       gemacht, durch die dann eine Mini-Kamera und chirurgische Instrumente
       eingeführt werden. So muss nicht der gesamte Brustkorb geöffnet werden.
       
       Insgesamt habe sich [1][der Papst] etwa drei Stunden im OP-Saal befunden,
       so die Ärzte. Nach dem Aufwachen durfte er in sein Zimmer im zehnten Stock
       zurück, wo es einen eigenen Trakt für Päpste gibt. Dort soll sich Leo jetzt
       etwa eine Woche erholen. Offen blieb, wie es mit seiner Therapie
       weitergeht. Das hängt entscheidend davon ab, ob noch Krebszellen im Körper
       vorhanden sind. Auch wenn die OP erfolgreich war, besteht das Risiko eines
       Rückfalls.
       
       ## Wichtig: Regelmäßige Nachkontrollen
       
       Der Papst äußerte sich am Abend nicht. Zur allgemeinen Überraschung hatte
       er am Sonntag seine Erkrankung selbst bekanntgegeben, vor Zehntausenden
       Gläubigen auf dem Petersplatz. Er sprach von einem Knoten in einem „sehr
       frühen Stadium“. In der Regel sind die Aussichten auf Heilung dann deutlich
       besser, als wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Bei einem
       vollständig entfernten Tumor im frühen Stadium ist meist keine
       Chemotherapie erforderlich. Wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen.
       
       Bis zu der überraschenden Mitteilung waren keinerlei gesundheitliche
       Probleme des 267. Papstes in der Kirchengeschichte bekannt. Leo hält sich
       mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. Mit seinen 71 Jahren
       ist er immer noch ein verhältnismäßig junger Pontifex. [2][Bei seiner Wahl
       im Mai] vergangenen Jahres wurde gemutmaßt, dass er ein langes Pontifikat
       vor sich haben werde, möglicherweise mehrere Jahrzehnte lang.
       
       Im Gemelli-Krankenhaus wurden auch schon andere Päpste behandelt wie
       Johannes Paul II. aus Polen oder Leos unmittelbarer Vorgänger Franziskus.
       Die Pontifexe haben dort einen eigenen Trakt, in dem sie rund um die Uhr
       versorgt werden. Franziskus lag dort bis kurz vor seinem Tod mit 88 Jahren
       im April 2025. Dem Argentinier fehlte bereits seit jungen Jahren ein Teil
       seiner Lunge.
       
       ## Beten für den Papst – wie im vergangenen Jahr
       
       Leo erschien zu dem Eingriff in einem schwarzen Auto mit Polizeieskorte.
       Vor dem Krankenhaus wurde er von einem Ärzteteam und auch zahlreichen
       Schaulustigen in Empfang genommen. Drinnen hießen ihn auch andere Patienten
       willkommen. Er winkte und lächelte zuversichtlich. Viele beteten auch für
       ihn – so wie dort erst vergangenes Jahr Menschen für Franziskus gebetet
       hatten.
       
       Wegen des Krankenhausaufenthaltes wurden alle Audienzen bis Mitte nächster
       Woche abgesagt, auch eine Begegnung mit der saarländischen
       Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Auch die Teilnahme am
       Abschlussgottesdienst eines internationalen Bischofstreffens zu Ehe und
       Familie an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz wurde gestrichen. Ungewiss
       ist, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.
       
       ## Südamerika-Reise für November geplant
       
       Im November steht für den Papst eigentlich eine fast zweiwöchige [3][Reise]
       nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der
       frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und
       Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise
       gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen
       Menschen führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit.
       
       Mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung zeigte Leo eine Offenheit im Umgang
       mit gesundheitlichen Problemen, die für Päpste längst nicht
       selbstverständlich ist. Der Vatikan hielt früher den Gesundheitszustand der
       Kirchenoberhäupter streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht
       offensichtlich waren – und manchmal auch noch dann.
       
       14 Oct 2026
       
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