# taz.de -- Postpunk-Band Yard Act: Der Roadtrip endet im Silicon Valley
> Das Postpunkquartett Yard Act aus Leeds kommt erstmals auf Headlinertour
> nach Deutschland. Ihr Album „You’re Gonna Need a Little Music“ vibriert.
(IMG) Bild: Rüpel im Trenchcoat: Yard Act aus Leeds, vorne James Smith
Einen dritten Teil des britischen Kultfilms „Trainspotting“ hat Regisseur
Danny Boyle bisher noch nicht gedreht – den passenden Soundtrack gäbe es
allerdings schon mal: die Musik von Yard Act. Das Quartett aus Leeds hat
2022 mit seinem Debütalbum „The Overload“ bereits die musikalische
Schallmauer durchbrochen und erlebt seitdem viel kommerziellen Rückenwind.
Nun zieht es die vier Musiker mit ihrem neuen Album „You’re Gonna Need a
Little Music“ erstmals auf Headliner-Tour nach Deutschland.
Der Sound von Yard Act steht für sich und doch stellen sich beim Hören
ihrer Musik vage Erinnerungen an die 90er Jahre ein. Zwar hat
Yard-Act-Sänger James Smith seinen Parka längst gegen einen Trenchcoat
getauscht – trotzdem legt die Band in den Songs nach wie vor eine rüpelige
Working-Class-Manier an den Tag. Auch wenn der Spoken-Word-Stil von Smith
manchmal [1][an den Reimstil von The Streets] erinnert, die Fistelstimme in
manchen Liedern an einen zarten [2][Damon Albarn] im Jünglingsalter mit
wuscheligen Haaren denken lässt.
Hibbelige Synthie-Sounds lassen sich als Hommage an Orchestral Manoeuvres
in the Dark erkennen, erstaunlicherweise ist „You’re Gonna Need a Little
Music“ aber kein zusammengewürfeltes Referenz-Potpourri.
Denn die unterschiedlichsten Genreversatzstücke verwebt die Band zu einem
eigenen Stil, sodass sich der Sound von Yard Act seltsam vertraut anfühlt.
Wo es für Millennials früher galt, „ich gegen den Rest der Welt“, ist da
nun kindliche Freude über frischen Wind und einen Kommunitarismus, den die
Band aus Leeds in trauter Eintracht zelebriert.
## Dreckiger Slang von Insulanern
Da wäre zum Beispiel das Klavier, das sich überraschend gut in den
dreckigen Slang der Insulaner einfügt und in dieser Form bei Britpop und
Postpunk nie so prominent in Szene gesetzt wurde. Mal ist es monotones
Geklimper, das eher im Hintergrund für Songverdichtung sorgt, mal steht ein
jazzig klingendes Piano als Signaturinstrument – so etwa beim lässig
melancholischen Song „Janey Said“, der dabei an das [3][aus Manchester]
stammende Jazz-Fusion-Trio Gogo Penguin erinnert.
Auch in „You’re Gonna Need a Little Music“, dem Titelsong des Albums, steht
ein Klavier unaufdringlich und doch prägnant im Vordergrund. Repetitiv
wiederholen Yard Act die Hookline, die aus wenigen Tönen besteht, den
ganzen Song über. Das ist überraschenderweise überhaupt nicht langweilig
und außerdem eine Rezeptur, die sich bereits häufig bewährt hat.
Zum Beispiel bei Klassikern wie „Whole Lotta Love“ oder „Under Pressure“.
Das Piano wird begleitet von Smith’ nonchalanter Stimme, die den
klischeehaften Roadtrip von der fiktiven, aus einer Kinderserie stammenden
„Isle of Balamory“ zur San Francisco Bay besingt. Musikalisch gleitet der
Song wie bei einer Fahrt auf dem offenen Highway dahin und wirkt trotz
seiner Coolness wenig jovial. Der Roadtrip soll sinnbildlich für das
[4][Silicon Valley] stehen, Yard Act besingen hier den kalifornischen
Tech-Traum, der analog zum Niedergang des stereotypen US-Traums entstanden
ist.
## Wegen Egoismus kotzen
In ihren Songtexten widmen sich Yard Act der fortschreitenden
Verunsicherung von Individuen in der modernen Welt, einem durch rigorosen
Online-Konsum ausgelösten Verlust von gemeinsamer Realität. Bissig und
zynisch hinterfragen die Reime von James Smith Fakt und Fiktion und kotzen
sich über den Egoismus der Gesellschaft aus. Und in all der politischen
Großwetterlage wirkt die Musik von Yard Act wie ein Anker im Chaos.
Produziert hat das Album, wie schon die Vorgänger, Justin Meldad-Johnsen,
bekannt als Bassist und Produzent für Nine Inch Nails, St. Vincent und
Beck.
James Smith hat mal sinngemäß gesagt, die beste Musik von Bands würde beim
dritten Album entstehen. Bei seiner eigenen Band könnte er damit recht
behalten. Das dritte Studioalbum von Yard Act klingt ausgeschlafener,
runder und vielschichtiger als seine Vorgänger und gewinnt dabei an
Zugänglichkeit. Das mag vielleicht an den Umständen liegen, dass das Debüt
im Lockdown während der Pandemie 2020 entstand; das zweite wiederum wurde
im Tourbus unterwegs zusammengeschustert. Für „You’re Gonna Need a Little
Music“ haben die vier Bandmitglieder ihr eigenes Studio in Leeds gebaut und
dort in Ruhe eine lebendigere Atmosphäre kreiert.
Yard Act sind so pointiert und rotzig, dass sie zukünftig vielleicht doch
mal ins Visier des Mainstreams geraten. Das wäre jedenfalls als Kompliment
zu verstehen.
5 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Karoline Gebhardt
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