# taz.de -- Urteil gegen Ex-Milizenführer Said: Ein Schritt zur Aufarbeitung
> Mit Said Abdel Kani ist erstmals ein Mitglied der Seleka-Miliz verurteilt
> worden. Die hat in der Zentralafrikanischen Republik schwerste Verbrechen
> begangen.
(IMG) Bild: Verurteilt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Mahamat Said Abdel Kani, Ex-Milizenführer, am Mittwoch in Den Haag
Im schlichten blauen Sweatshirt, mit wirrem Haar und grau meliertem Bart
saß Mahamat Said Abdel Kani am Dienstag regungslos auf der Anklagebank, als
die Richter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStgH) im
niederländischen Den Haag ihr Urteil verlasen: In vier Fällen, darunter
Verfolgung und Folter, ist Said der Verbrechen gegen die Menschlichkeit für
schuldig erklärt worden.
Dem 56 Jahre alten ehemaligen Kommandeur der muslimisch geprägten
Seleka-Miliz war von der Vorsitzenden Richterin Miatta Maria Samba eine
Schlüsselrolle bei den von der Miliz verübten Verbrechen während des
Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik bescheinigt worden.
Gegenstand des Verfahrens war seine Rolle im „Zentralamt zur Bekämpfung des
Banditentums“ zwischen dem 12. April 2013 und dem 30. August 2013.
Den Staatsanwälten zufolge waren hier mutmaßliche Anhänger des damaligen
[1][Präsidenten François Bozizé geschlagen und gefoltert] worden. Als de
facto Gefängnisleiter soll Said dafür verantwortlich gewesen sein, noch
dazu in einer Zeit, als die Übergriffe der Seleka in Bangui ihren Höhepunkt
erreichten. Zeugenaussagen zufolge sollen Opfer unter unmenschlichen
Bedingungen in dem Gefängnis festgehalten worden sein. Außerdem soll Said
persönlich an den Misshandlungen teilgenommen haben. Es sind Vorwürfe, die
Said bestreitet.
## Karriere in der Seleka-Miliz
Ursprünglich aus Bria, einer Stadt im Osten der Zentralafrikanischen
Republik, hatte sich Said 2012 der Seleka-Miliz angeschlossen und war
innerhalb kürzester Zeit in deren Rängen aufgestiegen. Die Seleka, eine
überwiegend muslimische Miliz, hatte während des Bürgerkriegs in der
Zentralafrikanischen Republik brutal gewütet und häufig Angriffe auf
rivalisierende Gruppen mit christlicher Mehrheit verübt.
Im März 2013 eroberte die Rebellengruppe die Hauptstadt Bangui, plünderte
die Stadt, griff Zivilisten an und stürzte Präsident François Bozizé. Der
Machtwechsel ließ das Land endgültig in einem Konflikt versinken.
## 1,4 Millionen auf der Flucht
Ende 2013 begannen christliche und animistische Milizen, bekannt als
Anti-Balaka, Gegenangriffe gegen die Seleka zu organisieren, wobei
ebenfalls schwere Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt wurden. Nach
UN-Schätzungen wurden in dem Konflikt Tausende Menschen getötet und mehr
als 1,4 Millionen Personen zur Flucht gezwungen.
Im Januar 2021 war Said schließlich von den Behörden der
Zentralafrikanischen Republik an den IStGH überstellt worden, nachdem das
Gericht 2019 einen unter Verschluss gehaltenen Haftbefehl gegen ihn
erlassen hatte.
Rund 61 Zeugen hatten vor Gericht in dem aufwendigen Verfahren mit 130
Verhandlungstagen gegen Said ausgesagt und die zur Last gelegten Straftaten
bestätigt. Während der IStGH zwar bereits seit 2014 wegen des blutigen
Konflikts in der Zentralafrikanischen Republik ermittelt und auch schon
zwei Anführer der Anti-Balaka verurteilt hat, ist Said das erste Mitglied
der Seleka, das verurteilt wurde. Über das Strafmaß gegen ihn soll in einer
gesonderten Anhörung noch entschieden werden. Das Urteil gilt als
[2][bedeutender Schritt auf dem Weg zur Aufarbeitung der schweren
Verbrechen,] die von den beiden wichtigsten Konfliktparteien im Bürgerkrieg
des Landes begangen wurden.
23 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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