# taz.de -- Sedgewick „Männer, Väter, Patriarchen“: Charles Darwin war ein lieber Papa
> Augustine Sedgewick erzählt anhand von acht historischen
> Einzelschicksalen von Aristoteles bis Sigmund Freud über Vaterschaft als
> Machtkonzept.
(IMG) Bild: Charles Darwin, 1809-1882
„Männer, die über Männer schreiben, haben die Geschichtsschreibung seit
ihren Anfängen vor Tausenden von Jahren bis heute beherrscht […] Doch
während immer mehr außergewöhnliche Bücher über Mutterschaft erscheinen,
ist das Thema Vaterschaft vergleichsweise vernachlässigt worden.“ Dem will
Augustine Sedgewick Abhilfe verschaffen.
Anhand von acht historischen Einzelschicksalen erzählt der
US-amerikanische, in [1][Harvard] promovierte Historiker seine „Geschichte
von Liebe und Macht“ – denn was eint Aristoteles, Augustinus, Heinrich
VIII., Thomas Jefferson, Emerson und Thoreau, [2][Charles Darwin], Sigmund
Freud und Bob Dylan? Sie alle waren „Männer, Väter, Patriarchen“.
Begonnen hatte Sedgewick seine Recherche nach der Geburt seines eigenen
ersten Kindes, inmitten der aufkommenden Me-too-Bewegung. Es gehe ihm
darum, eine neue Vorstellung davon zu finden, was es bedeute, Vater zu
sein, so der Autor in einem Statement zum Buch. Schließlich sei Vaterschaft
eines der am weitesten verbreiteten und beständigsten Machtkonzepte in
menschlichen Gesellschaften.
In von Holger Hanowell elegant übersetzten Worten folgt der Leser so den
Biografien großer Männer, die stellvertretend für angrenzende
kulturwissenschaftliche Themenfelder stehen: von Natur bis Zuhause, über
Gott, König, Nation, Geld, Familie und Krieg. Statt theorieüberladener
Familiengeschichte lesen sich die detailverliebten Essays so süffig, dass
man zuweilen über die anekdotische Erzählstruktur fast vergisst, warum man
eigentlich hier ist.
So lernt man beiläufig, dass es im England des 18. Jahrhunderts ein
Volumenmaß namens „hogshead“ (zu Deutsch: Schweinekopf) gab, oder dass
Sigmund Freud als Siebenjähriger einmal auf den Schlafzimmerboden seiner
Eltern pullerte.
Dass die Geschichte der Vaterschaft hier ausschließlich anhand
[3][historischer westlicher Patriarchen] verhandelt wird, bleibt dabei eine
Leerstelle, die man mit gutem Willen vielleicht mit dem eigenen
autobiografischen Interesse des Autors und dem auswahlbedingt willkürlichen
Konzept zugunsten der Unterhaltung erklären kann. Ein bisschen mehr Kontext
hätte dem Ganzen trotzdem gut getan. Zumindest um über den Verdacht erhaben
zu sein, dass hier am Ende vielleicht doch wieder einfach ein großer Mann
über große Männer schreibt.
6 Oct 2026
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