# taz.de -- Veruntreuungsprozess in Spanien: Ehefrau von Pedro Sánchez muss vor Gericht
> In Spanien muss Begoña Gómez wegen mutmaßlicher Veruntreuung vor Gericht.
> Der Ermittlungsrichter blieb Beweise schuldig – die Klage kam von rechts
> außen.
(IMG) Bild: In Madrid wird Stimmung gegen Begoña Gómez gemacht, die Frau von Pedro Sánchez. Das Schmähplakat mit ihrem Porträt hängt an einer Kirche
Begoña Gómez, die Ehefrau des spanischen Regierungschefs [1][Pedro
Sánchez], muss vor Gericht. Ermittlungsrichter Juan Carlos Peinado in der
Hauptstadt Madrid hat das Ergebnis seiner [2][Untersuchungen] an ein
Geschworenengericht überstellt und die Eröffnung des Hauptverfahrens
angeordnet.
Demnach soll sich Gómez bei ihrer Arbeit an der hauptstädtischen
Universität Complutense (UCM) der Veruntreuung und der illegalen
Einflussnahme schuldig gemacht haben. Peinado, der den Fall nur sechs Tage,
bevor er in Rente geht, überstellte, hält an den Anschuldigungen fest,
obwohl die Staatsanwaltschaft seit Langem eine Einstellung fordert.
Die Klage stammt von den rechtsextremen Organisationen Manos Limpias
(Saubere Hände) und Hazte Oir (Verschaff dir Gehör) und stützte sich
ursprünglich auf Veröffentlichungen rechtsgerichteter Internetseiten.
Richter Peinado wirft Gómez vor, dass sie sich das Amt ihres Mannes zunutze
gemacht habe.
Gómez habe „einen unmittelbaren und erheblichen Wandel in ihrem beruflichen
Werdegang“ erfahren, nachdem Sánchez 2018 ins Amt gekommen war. Nach
Auffassung des Richters nutzte die Beschuldigte ihre „privilegierte
Stellung als Ehefrau des Regierungschefs“, um die Leitung eines an der
Universität Complutense Madrid eingerichteten Sonderlehrstuhls zu
übernehmen.
## Welcher Betrag veruntreut worden sein soll, bleibt unklar
Gegen Gómez wird zudem der Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder
erhoben. Sie soll ihre Assistentin, die ihr als Gattin des Regierungschefs
zusteht, „für rein private oder persönliche Zwecke“ eingesetzt haben. Der
Richter geht davon aus, dass sie „fortwährend an Tätigkeiten mitgewirkt
hat, die außerhalb der eigentlichen Aufgaben ihres Postens lagen“.
Die Assistentin muss deshalb ebenfalls auf die Anklagebank. Angaben,
welcher Betrag dabei veruntreut worden sei, bleibt Peinado schuldig.
Darüber hinaus habe Gómez’ Lehrstuhl eine Software erstellt, die sie sich
angeeignet habe. Auch hier kann der Richter keine konkreten Beweise oder
Zahlen über den entstandenen Schaden liefern.
Peinado wartete mit der Bekanntgabe seines Beschlusses, bis Sánchez im
Flieger zur UN-Hauptversammlung in New York saß und nicht unmittelbar
reagieren konnte. Es war nicht das erste Mal, dass der Richter die
Abwesenheit des Regierungschefs für pressewirksame Beschlüsse nutzte.
Regierungskreise haben gegenüber der spanischen Presse die Entscheidung
Peinados scharf kritisiert. Es handle sich um „ein willkürliches und
ungerechtes Ermittlungsverfahren, das lediglich einer juristischen
Verfolgung von Begoña Gómez dient – einzig und allein deshalb, weil sie die
Ehefrau des Regierungschefs Pedro Sánchez“ sei.
## Hauptverfahren wohl erst Ende 2027
Die rechte [3][Partido Popular (PP)] kritisiert die Reaktion der Regierung.
„In einer voll funktionierenden Demokratie entscheiden die Gerichte über
Unschuld oder Schuld, nicht die Partei des Regierungschefs, dessen Ehefrau
Gegenstand von Ermittlungen ist“, erklärte eine PP-Sprecherin.
Jetzt müssen die elf Geschworenen ausgewählt werden. Das Hauptverfahren
wird vermutlich bis Ende 2027 auf sich warten lassen. Damit geht Sánchez
mit einer angeklagten Ehefrau in den kommenden Wahlkampf Ende
Frühjahr/Anfang Sommer 2027.
22 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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