# taz.de -- Korruptionsvorwürfe in Spanien: Polizei durchsucht Zentrale von regierenden Sozialisten
> Die spanische Polizei stattet der Zentrale der Regierungspartei wegen
> Korruptionsvorwürfen einen Besuch ab. Die wittert Lawfare von rechts.
(IMG) Bild: Aufruhr in Spanien: Die Polizei besucht die Parteizentrale der PSOE
Es ist keine gute Woche für den spanischen Ministerpräsidenten Pedro
Sánchez. Während seiner [1][Papstaudienz in Rom] besuchte die Polizei am
Mittwochmorgen auf richterliche Anordnung die Zentrale seiner
sozialistischen PSOE in Madrid. Die Beamten verlangten Dokumente im
Zusammenhang mit Ermittlungen gegen das ehemalige Parteimitglied Leire
Díez.
Díez wird vorgeworfen, Polizisten und Richter ausspioniert zu haben, „um
Gerichtsverfahren gegen PSOE und Regierung zu destabilisieren“, so die
Justiz. Díez leugnet dies und behauptet, an einer journalistischen
Recherche gearbeitet zu haben. Der Besuch in der Parteizentrale kam
überraschend, da es bisher so aussah, als würde das Verfahren auf eine
Einstellung hinauslaufen.
Es ist der zweite schwere Schlag, den Sánchez und seine Sozialisten in nur
wenigen Tagen erleiden. Seit vergangener Woche hat ein anderes Gericht den
ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, ebenfalls
Sozialist, angeklagt. Er soll zugunsten eines während der Covid-Pandemie in
die Krise geratenen Flugunternehmens Einfluss auf die Regierung genommen
und dafür Geld kassiert haben.
Die Polizei durchsuchte vergangene Woche sein Büro und das Unternehmen
seiner beiden Töchter. Er selbst muss am 17. Juni zum richterlichen Verhör.
Zapatero bestreitet die Vorwürfe. Er habe lediglich für unterschiedliche
Beratungsunternehmen Analysen erstellt.
## Ermittlungen auch gegen Frau von Sánchez
Gleichzeitig laufen weitere Verfahren gegen zwei ehemalige hohe
Parteifunktionäre wegen Korruption. Außerdem ermittelt ein Richter in
Madrid gegen die Ehefrau von Sánchez, Begoña Gómez. Sie soll im Rahmen
eines Lehrauftrages an einer Universität in Madrid illegal auf einige
Unternehmen Einfluss genommen und sich bereichert haben.
Anfang der Woche kam ein polizeilicher Untersuchungsbericht zum Schluss,
dass alles mit rechten Dingen zuging. Die Staatsanwaltschaft verlangte
mehrmals eine Einstellung der Ermittlungen, doch der ermittelnde Richter,
der der konservativen Oppositionspartei [2][Partido Popular] nahesteht,
macht weiter und lädt Gómez für den 9. Juni.
Während Díez sowie die beiden hohen Parteifunktionäre unmittelbar aus der
PSOE ausgeschlossen wurden, stellt sich Sánchez hinter seine Frau. Die
Ermittlungen, die auf eine Anzeige rechtsextremer Organisationen wie etwa
die Pseudo-Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) zurückgehen, seien
eine Verleumdungskampagne, erklärte er immer wieder.
Sánchez und die PSOE stellen sich bislang auch hinter Zapatero. Zapatero
ist eine Instanz in der spanischen Linken. Er zog die Truppen aus dem Irak
ab, erließ Gesetze zur Aufarbeitung der franquistischen Vergangenheit und
gegen sexualisierte Gewalt und machte die Homoehe möglich. Außerdem
erreichte er, dass die baskische Separatistenorganisation ETA für immer die
Waffen niederlegte.
## Kampagne, um die Regierung zu stürzen?
Der parlamentarische Sprecher der Sozialisten sieht hinter den Ermittlungen
gegen Zapatero – wie so mancher in Spanien – eine Kampagne, um die
Regierung zu stürzen. „Seit jemand gesagt hat ‚Wer machen kann, soll
machen‘ wurde zu viel gegen die PSOE unternommen“, erklärte der Sprecher.
Er bezieht sich damit auf einen Satz von José María Aznar, den ehemaligen
spanischen Premier von der konservativen PP. Der hatte erst Anfang dieser
Woche erneut gesagt, dass für das Wohl Spaniens Sánchez nicht mehr regieren
dürfte.
In Spanien wird immer wieder der Vorwurf laut, die Richter, die
mehrheitlich der konservativen Richtervereinigung angehören, führten
Lawfare gegen die Regierung und die Linke. [3][Tatsächlich ist die Liste
von Gerichtsverfahren gegen linke Politiker lang. Ob gegen Podemos, andere
linksalternative Gruppierungen oder jetzt gegen die PSOE – immer wieder
werden Verfahren auf Antrag rechtsextremer Gruppierungen oder auf Grundlage
falscher Anschuldigungen eingeleitet.]
Die Mehrheit dieser Verfahren musste eingestellt werden. Allerdings führten
einige trotz mangelnder Beweise zu Verurteilungen. So wurde etwa der von
Sánchez eingesetzte Oberstaatsanwalt verurteilt, weil er Informationen an
die Presse weitergegeben habe. Die Journalisten erklärten alle samt und
sonders, die Quelle sei eine andere. Der Oberstaatsanwalt wurde dennoch
seines Amtes enthoben.
27 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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