# taz.de -- Privatbibliothek von Marlene Dietrich: Die lesende Legende
> Marlene Dietrichs Privatbibliothek war drei Tage in Berlin zu
> besichtigen: Die Diva hat Bücher geliebt und Autoren und zeitlebens viel
> gelesen.
(IMG) Bild: Marlene Dietrich in ihrer New Yorker Wohnung: Sie hat Bücher geliebt und Autoren und zeitlebens viel gelesen
Ein gewaltiger Schrankkoffer weist im Foyer des vornehmen Kronprinzenpalais
Unter den Linden den Weg in die dritte Etage. Marlene Dietrich war dafür
bekannt, ihre Reisen mit großem Gepäck zu unternehmen. Und dann gibt es ja
noch das Lied mit dem Koffer, der in Berlin geblieben sei und nach dem die
Ausstellung benannt worden ist.
Dabei geht es hier weder um Reisen noch um Gepäck. Sondern um Bücher: Die
Dietrich war nicht nur Sängerin und Tänzerin, Schauspielerin und
Truppenunterhalterin, Deutsche und Amerikanerin. Sie besaß auch eine
kleine, aber feine Bibliothek.
Ihr in der Deutschen Kinemathek gehüteter Nachlass umfasst 1.800 Bände
ihrer Privatbibliothek. Am 27. Dezember jährt sich Dietrichs 125.
Geburtstag. Die Antiquariatsmesse „rare books“ nahm das am vergangenen
Wochenende zum Anlass, Beispiele ihrer Lektüre zu präsentieren, ausgewählt
von Buchhändlerin Sibylle Kaldewey. Vier Vitrinen gaben Einblick in das,
was der Weltstar gelesen hat.
Vieles von Dietrichs Lektüre gilt heute als Weltliteratur, etwa die Werke
von Rainer Maria Rilke, von denen sich mehrere Bände finden. Es ist
bekannt, dass Dietrich den Dichter liebte. Nicht nur eine Bücherliebe
verband sie mit einem anderen Autor: Erich Maria Remarque und Dietrich
waren von 1937 bis 40 ein Liebespaar, obwohl er im Schweizer Exil lebte und
sie in den USA. Von ihm finden sich fünf Werke in der kleinen Schau,
darunter sein berühmtestes, „Im Westen nichts Neues“ von 1928.
Ihr politischer Kampf galt den Nazis in Deutschland. Remarque tat dies
mittels seiner Schreibmaschine, Dietrich später im Krieg mit Auftritten zur
Truppenbetreuung amerikanischer Soldaten. Den Wunsch von
Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels, gegen hohe Gagen wieder in
Deutschland zu drehen, schlug die Dietrich aus.
## Diva, Stilikone, Sex-Symbol
Remarques Bücher sind nicht die einzigen, die auf ihren antifaschistischen
Kampf verweisen: Da steht der Exilant Egon Erwin Kisch neben Stefan Zweig,
[1][Ernst Toller] ist ebenso vertreten wie Alfred Döblin und [2][Erich
Kästner]. Der überwinterte die Nazi-Zeit zwar in Berlin. Seine Bücher aber
konnten nur in der Schweiz erscheinen. Nicht alle Literaten haben die
NS-Zeit überlebt. Noch weniger sind nach Deutschland zurückgekehrt, und
auch Marlene Dietrich hat es angesichts von Verratsvorwürfen in der alten
Heimat vorgezogen, sich eine neue zu suchen.
So unterstreicht diese kleine Bücherschau, dass sie eben nicht nur Diva,
Stilikone, Leinwandlegende, Sex-Symbol und Weiß-ich-noch-was war. Sondern
auch eine Frau im Widerstand. Ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod 1992
verbrachte Dietrich in ihrer Pariser Wohnung, einsam, aber nicht allein.
Sie ließ keine Besucher mehr zu, doch die Außenwelt kam über das Telefon zu
ihr. Die gebrechliche Frau hatte mit Geldsorgen zu kämpfen. „Für Geld gebe
ich meinen Namen für jedes Produkt, das man will. Außer für englische
Kapuzenmäntel selbstverständlich“, wird Dietrich zitiert.
## Ihr Stern strahlt weiter
Das war wohl auch der Grund dafür, dass sie auf Wunsch kleine
handschriftliche Rezensionen verfasste, die sie in das jeweilige Buch
schrieb. Einmal, so heißt es, zahlte ein weiblicher Fan 15.000 Dollar für
Im-Buch-Besprechungen von drei Romanen Ernest Hemingways.
Einige wenige der so veredelten Werke konnte, wer wollte, ganz unabhängig
von der Dietrich-Bücherschau erwerben. Schließlich war die ja Beiprogramm
zur Antiquariatsmesse. Und selbstverständlich strahlt Marlene Dietrichs
Stern weiterhin, auch 34 Jahre nach ihrem Tod: [3][Hemingways] „For Whom
the Bell Tolls“ mit einer Eintragung von Marlene Dietrich wurden beim
Antiquariat Elvira Tasbach für 1.500 Euro angeboten.
21 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
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