# taz.de -- Synchron-Eiskunstlauf bei Olympia 2030: Populärer Haufen
       
       > Für die neue olympische Eiskunstlaufdisziplin Synchro 9 wird noch am
       > Regelwerk gefeilt. Fest steht: Männer sind unerwünscht.
       
 (IMG) Bild: Hier trainiert die internationale Konkurrenz aus China in Peking
       
       In diesem Monat zeigen Eiskunstläufer bei Wettkämpfen erstmals ihre
       Programme für die neue Saison. Eine Disziplin fehlt noch: das
       Synchroneiskunstlaufen. Die jüngste Disziplin im Eiskunstlaufen, die seit
       1994 anerkannt ist, [1][soll 2030 in Frankreich] erstmals ins Programm der
       Olympischen Spiele aufgenommen werden. So hat es das IOC im Juni
       entschieden. In der kommenden Saison feiert Synchroneiskunstlaufen bei den
       Olympischen Jugendspielen bereits die Olympische Feuertaufe. „Dieser Sport
       erhält durch die olympische Bühne, die Aufmerksamkeit, die er verdient“,
       sagt die Geschäftsführerin [2][der Deutschen Eislaufunion (DEU)] Tatjana
       Wagner. Für die Sportlerinnen sei die Aussicht auf Olympia eine riesige
       Motivation.
       
       „Haufenlaufen“ wurde Synchroneiskunstlaufen von einigen anderen
       Eissportlern gelegentlich verächtlich genannt. Die reinen Amateurteams, in
       denen oft Sportlerinnen landen, die in anderen Eiskunstlaufdisziplinen
       aussortiert wurden, laufen synchron Küren mit Elementen wie Kreis, Block,
       Rad, Durchkreuzen von Linien, die synchron ausgeführt werden. Dabei zeigen
       sie auch Hebungen und Sprünge, wie man sie vom Einzel- und Paarlaufen
       kennt. Und: Diese Disziplin hat sich als sehr populär erwiesen und könnte
       dazu beitragen, wieder mehr Zuschauer in Eishallen und an die
       Fernsehbildschirme zu locken. Junge Zuschauer vor allem, so die Hoffnung
       des Weltverbandes.
       
       Traditionell gehören zu einem Synchronteam 16 Männer und Frauen. Und diese
       große Zahl war ein Hindernis für die Teilnahme der Sportart an Olympischen
       Spielen. Die Kapazitäten im Olympischen Dorf hätte das gesprengt, erklärte
       die Finnin Ida Hellström gegenüber Medien, die das Synchroneislaufen in der
       Internationalen Eislaufunion vertritt. So wurde letzten Herbst die Idee
       geboren, mit nur neun Teammitgliedern anzutreten.
       
       Um die Zahl war zwischen IOC und den technischen Spezialisten um Hellström
       hart gerungen worden. Alle Elemente, die mit 16 Teammitgliedern gelaufen
       werden, sind nicht mehr möglich. Dafür kann es neue geben, beispielsweise
       Twizzles, wie man sie vom Eistanz kennt.
       
       ## „Sport lebt von Schnelligkeit“
       
       Und die neue Sportart, die bald olympisch werden soll, obwohl es noch nie
       einen Wettkampf gab, hat einen Namen: Synchro9. „Der Sport lebt von
       Schnelligkeit und möglichst klaren Bildern auf dem Eis“, prophezeit Tatjana
       Wagner von der DEU. Diesen Monat fand in Berlin ein Seminar des
       Weltverbandes ISU mit über 50 Trainern und technischen Spezialisten statt,
       das an den Regeln und Wertungen für Synchro9 feilte.
       
       Fest steht: Es wird reine Frauenteams geben. [3][Das geht auf den Wunsch
       des IOC zurück, mehr Frauen die Teilnahme an Olympischen Spielen zu
       ermöglichen.] Die DEU hat das nach eigenen Angaben überrascht, sind doch in
       den bisherigen 16er Teams durchaus einzelne Männer dabei. Die Frauen und
       Mädchen laufen drei verschiedene Programme in vier Wettbewerbsteilen.
       
       Das erste Programm hat ein vorgeschriebenes Thema, das zweite einen
       vorgeschriebenen Takt und das dritte ist eine Kür. Um das Ziel zu
       erreichen, für ein junges Publikum attraktiv zu sein, wird das Thema dieses
       Jahr Street Dance sein. Die definierten Wertungskriterien zeigen, so
       Tatjana Wagner von der DEU, welche Eigenschaften Sportlerinnen für Synchro9
       brauchen. Für sie sind das „extrem gute eisläuferische Fähigkeiten und ein
       starker Ausdruck“. Wichtig seien weiter Schnelligkeit, Choreografie und
       Synchronizität.
       
       Demoteams bei dem Internationalen Seminar waren die beiden in Deutschland
       bereits aufgebauten Synchro9-Juniorinnenteams aus Berlin und Chemnitz. Die
       Berliner Trainerin Vanessa Henke-Hahn sagt, ihr Team sei stolz, „ein
       bisschen Geschichte mitschreiben zu können.“ Die Motivation im Team ist
       sehr hoch, die Programme seien gut angekommen. Es hatte Szenenapplaus
       gegeben. Seniorinnenteams gibt es in Deutschland noch keine. Die ersten
       internationalen Wettkämpfe in Synchro9 werden im November in den USA und
       Finnland voraussichtlich als reine Juniorinnenwettkämpfe ausgetragen
       werden. Saisonhöhepunkt sind im März die Weltmeisterschaften in Nottingham
       (Großbritannien) mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen.
       
       Tatjana Wagner zeigt sich optimistisch, dass die neue Disziplin in die
       Förderung der Bundesregierung aufgenommen wird, wenn die Verhandlungen dazu
       auch noch laufen. Ziel sei es, dass Deutschland sich in der neuen Disziplin
       in der Weltspitze etablieren kann. Im Synchroneislaufen mit 16er-Teams ist
       Deutschland hinter den USA, Kanada und Finnland die viertbeste Nation. Die
       16er Teams sollen übrigens fortbestehen und zu internationalen Wettkämpfen
       wie den Weltmeisterschaften weiterhin antreten. Wagner zufolge gäbe es in
       Deutschland – bisher – keine Abmeldungen aus den 16er-Teams. Allerdings
       gibt es ja auch noch kein 9er-Team für Seniorinnen. Wenn beides
       nebeneinander trainiert wird, ist das eine riesige Herausforderung für die
       Eishallen in Berlin, Chemnitz, Stuttgart oder Mannheim, die ohnehin stark
       ausgelastet sind.
       
       21 Sep 2026
       
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