# taz.de -- „Privilegierter Dialog“
       
       > Das IOC vergibt die Winterspiele 2030 in die französischen Alpen. Vier
       > Jahre später werden siein Salt Lake City stattfinden. Chancenlos sind
       > Schweden – und wieder einmal die Deutschen
       
       Emmanuel Macron freute sich über die nächsten Olympischen Spiele für
       Frankreich, Verständnislosigkeit herrschte dagegen in Schweden – und
       aufgeschobene Hoffnung in der Schweiz: Die Vorentscheidung des
       Internationalen Olympischen Komitees (IOC), mit den französischen Alpen für
       die Winterspiele 2030 und Salt Lake City in den USA für 2034 als
       designierte Gastgeber in den sogenannten „gezielten Dialog“ zu gehen, hat
       für eine enorme Bandbreite an Reaktionen gesorgt.
       
       „Innovative, nachhaltige und integrative Spiele, die Frankreich und seine
       Berge zum Strahlen bringen werden. Welch ein Stolz“, kommentierte
       Frankreichs Staatspräsident Macron, dessen Land mit der Hauptstadt Paris in
       einem guten halben Jahr bereits die nächsten Sommerspiele ausrichtet. Bei
       der nächsten IOC-Session im Juli soll die Kür für 2030 und 2034 dann auch
       formal beschlossen werden.
       
       „2034 ist perfekt für uns“, sagte Fraser Bullock, Präsident des Komitees
       für die Spiele in Salt Lake City und Utah, kurz nach der Bekanntgabe am
       Mittwochabend: „Wir sind bereit. Wir können morgen den Sendeknopf drücken.“
       Salt Lake City war bereits 2002 Gastgeber der Winterspiele. Die Bewerbung
       der Schweiz, die mit Wettkampfstätten im ganzen Land einen Ansatz
       verfolgte, der dem einer möglichen deutschen Bewerbung für die späten
       2030er- und frühen 2040er-Jahre nicht unähnlich ist, wurde vom IOC hingegen
       vertröstet auf 2038. Es wurde das Novum eines „privilegierten Dialogs“ für
       die Winterspiele 2038 vereinbart. Die Schweiz habe „großes Potenzial“,
       sagte der Österreicher Karl Stoss, Vorsitzender der IOC-Kommission für die
       Vergabe künftiger Winterspiele.
       
       Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl gab sich kämpferisch und verpackte die
       IOC-Lösung als Teilerfolg: „Wir hatten zwar 2030 oder 2034 im Fokus. Gerade
       im Sport heißt es aber, flexibel zu sein.“ Swiss-Ski-Boss Urs Lehmann
       räumte in der Boulevardzeitung Blick ein, „im ersten Moment enttäuscht“
       gewesen zu sein, er sehe aber „den heutigen Tag als Chance“. Ein Traum sei
       „geplatzt“, erklärte indes Sportministerin Viola Amherd, aber „der nächste
       ist umso größer“.
       
       Für den Deutschen Olympischen Sportbund scheint damit die Chance auf eine
       Ausrichterrolle dahin, 2038 wurde ja für eine mögliche Bewerbung ebenso ins
       Auge gefasst wie die Winterspiele vier Jahre später sowie Sommerspiele 2036
       und 2040. Großer Verlierer ist Schweden, das für 2030 auf eine Bewerbung
       mit der Hauptstadt Stockholm und den etablierten Wintersportstandorten
       Falun, Are und Östersund gesetzt hatte. „Es ist klar, dass man enttäuscht
       ist. Es wird sehr lange dauern, bis das wieder aktuell sein könnte“, sagte
       der für den Sport zuständige schwedische Sozialminister Jakob Forssmed der
       Zeitung Expressen.
       
       Die schwedische Bewerbung sei zwar „technisch exzellent“, befand das IOC.
       Schweden und der Schweiz fehle aber die öffentliche und politische
       Unterstützung. „Mir fällt es schwer, das zu verstehen“, ärgerte sich
       Forssmed. (dpa, taz)
       
       1 Dec 2023
       
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