# taz.de -- HSV holt gegen Köln ersten Sieg: Warten auf den Heilsbringer
> Der HSV holt gegen den 1. FC Köln die ersten Bundesligapunkte. Die Abwehr
> braucht Mario Vušković, der nach Dopingsperre bald zurückkehren könnte.
(IMG) Bild: Hinten mit Glück, vorn mit Torriecher: HSV-Verteidigre Nicolás Capaldo
Der HSV hatte einiges für die Stimmung getan während der Woche: Am Dienstag
hatte er das Mannschaftstraining seiner Fußball-Männer ins Volksparkstadion
verlegt, an dem erstmals nach fast vierjähriger Dopingsperre auch
Verteidiger [1][Mario Vušković wieder teilnehmen durfte]. An die 6.000 Fans
feierten den Kroaten wie einen Heilsbringer. Am Freitag dann, einen Tag vor
dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln, wurde der Vertrag von Trainer Merlin
Polzin und seinem Team verlängert – bis 2029.
Das ist ein bemerkenswertes Signal, weil die Hamburger zu diesem Zeitpunkt
punktloser Tabellenletzter waren und aus den ersten drei Bundesligaspielen
der Saison 12 Gegentore kassiert, aber selbst kein einziges geschossen
hatten. Es gab Zeiten, da wären sie am Volkspark in so einer Situation
nervös geworden und hätten mit einer solchen Festlegung für die Zukunft
zumindest gezögert.
Doch inzwischen herrscht große Ruhe in dem Verein, der einst eine Art
Synonym für „hire and fire“ war. Und das Vertrauen in den 35 Jahre jungen
Coach ist riesig, denn er hat nicht nur den ersehnten Wiederaufstieg in die
erste Bundesliga im siebten Anlauf geschafft, sondern auch mit einem
weitgehend neu formierten Team letztlich souverän die Klasse gehalten. Und
er identifiziert sich über alle Maßen mit seinem Herzensverein HSV.
Mit großer Ruhe hat der HSV auch auf dem Transfermarkt gehandelt. Der erste
Spieltag war schon absolviert, als am letzten Tag der Transferperiode
Schlüsselspieler dazustießen: Es kamen der Norweger David Møller Wolfe und
der Marokkaner Zakaria El Ouahdi, die seitdem auf den beiden Schienen in
der Startelf stehen. Sein Meisterstück gelang Sportdirektor Claus Costa
aber mit einem, der schon im Vorjahr auf den letzten Drücker leihweise
dazugestoßen war: Den offensiven Unterschiedsspieler Fábio Viera schickte
er nach der Saison demonstrativ zurück zu seinem Stammverein Arsenal
London, um zu demonstrieren, dass er nicht bereit wäre, die
festgeschriebene Ablösesumme von 20 Millionen Euro zu zahlen. Nur um ihn
dann am „Deadline Day“ für weniger als die Hälfe zu bekommen.
## Respektsbekundungen für die Transfers des HSV
Aus der Branche regnete es Respektsbekundungen und es schien ausgemachte
Sache, dass der HSV in dieser Saison weiter oben in der Tabelle angreifen
würde. Doch dann setzte es zum Auftakt drei Niederlagen. In Dortmund und
Leipzig kann man schon mal verlieren – aber 0:5 zu Hause gegen Mainz 05?
Lag es daran, dass das Team noch nicht eingespielt war? Hatte man sich zu
sehr darauf verlassen, dass die Neuverpflichtungen vom ersten Tag an
performen würden, weil das im Vorjahr schließlich auch geklappt hatte?
Zweimal fünf Gegentore sprechen dafür, dass auch die Innenverteidigung
Sorgen bereitet, die traditionelle Problemzone der Hamburger. Und just die
ist nicht verstärkt worden, im Gegenteil: In der Vorsaison war es der
[2][18-jährige Luka Vušković], der sich, quasi in Vertretung seines großen
Bruders Mario, innerhalb von ein paar Tagen zum Abwehrchef aufgeschwungen
hatte und fortan den Laden zusammenhielt. Doch auch der war von Tottenham
Hotspur nur ausgeliehen und eine feste Verpflichtung weit außerhalb der
HSV‑Möglichkeiten. Ohne ihn ist der HSV defensiv deutlich anfälliger.
Auch gegen zunächst überlegene Kölner brauchten die Hamburger
Innenverteidiger ein paar Mal Glück, ehe einer von ihnen, Nicolás Capaldo,
den HSV kurz vor der Pause in Führung köpfte. Erst als Teilzeitstürmer
Yussuf Poulsen kurz nach Wiederanpfiff das 2:0 erzielte, befreite sich der
HSV immer häufiger vom Druck der Kölner und verdiente sich den Sieg, auch
wenn der nach Ragnar Aches Anschlusstreffer für die Kölner in der
Nachspielzeit noch mal in Gefahr geriet.
Beim HSV werden sie nun die Rückkehr von Mario Vušković in den Kader
herbeisehnen. Die Versuchung muss riesig sein, den hochveranlagten
Innenverteidiger bald nach Ablauf seiner Sperre Mitte November wieder
einzusetzen. Und Trainer Polzin hatte nach den ersten Trainingseinheiten
gesagt, er habe ihn in gutem Zustand gesehen. Ob Vušković nach vier Jahren
ohne Teamtraining oder Wettkampferfahrung wieder zu alter Stärke
zurückfinden wird, vermag indes noch niemand seriös zu sagen. Vielleicht
bringt der HSV ja auch in dieser Frage die nötige Ruhe auf.
19 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-vierjaehriger-Dopingsperre/!6208313
(DIR) [2] /Abstiegskampf-in-der-Fussball-Bundesliga/!6174001
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
## TAGS
(DIR) Hamburger SV
(DIR) Fußball-Bundesliga
(DIR) Fußball
(DIR) Doping im Spitzensport
(DIR) Doping
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach vierjähriger Dopingsperre: Beim HSV kehrt der verlorene Sohn zurück
Fußballer Mario Vušković hat beim Hamburger SV sein erstes Training
absolviert, seit er wegen Dopings gesperrt wurde. Tausende Fans schauten
zu.
(DIR) Klaus-Michael Kühne ist tot: In Hamburg hatte er fast überall seine Finger im Spiel
In seiner Geburtsstadt zeigte sich der Milliardär Klaus-Michael Kühne gern
als Stifter und Mäzen. Seine Steuern aber zahlte er er doch lieber
anderswo.
(DIR) Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga: Der Nachbar als Retter
Der Hamburger SV schwächelt zu Saisonende, auch weil er zu abhängig von
einem 19-Jährigen ist. Absteigen wird er wohl nicht – St. Pauli sei Dank.