# taz.de -- Nach vierjähriger Dopingsperre: Beim HSV kehrt der verlorene Sohn zurück
> Fußballer Mario Vušković hat beim Hamburger SV sein erstes Training
> absolviert, seit er wegen Dopings gesperrt wurde. Tausende Fans schauten
> zu.
(IMG) Bild: Stiller Genießer: Mario Vuskovic bei seinem ersten Mannschaftstraining seit fast vier Jahren
Es ist der letzte Sommertag in Hamburg. Im Volksparkstadion ist ein
Gemurmel wie im Theater, bevor sich der Vorhang hebt. Ab und zu sticht eine
helle Kinderstimme heraus. Jetzt ruft ein ganzer Kinderchor: „HSV, HSV“.
Von den leeren, quietschblauen Plastikschalensitzen auf den Tribünen hallt
es zurück.
Nur die Stehplatzränge auf der Nordtribüne sind an diesem frühen
Dienstagnachmittag gut gefüllt. An die sechstausend mögen es sein, viele
HSV-Trikots. Auffallend häufig steht auf dem Rücken der Name Vušković. Auch
auf Bannern am Zaun sind Slogans wie „Free Vušković“ zu sehen.
Um 15.17 Uhr brandet Applaus auf. Die Fußballprofis des HSV kommen aus dem
Spielertunnel, laufen auf die Fans zu. Abwehrspieler Jordan Torunarigha
schubst den Mann nach vorn, um den es geht: Mario Vušković. „Vušković,
Vušković!“, schallt es ihm entgegen. Ihm scheint der Rummel ein wenig
unangenehm zu sein, verhalten klatscht er ein paarmal und dreht dann ab. Es
ist doch nur ein ganz normales Fußballtraining.
Dass daran überhaupt nichts normal ist, zeigt schon, dass der Hamburger SV
es ins Stadion verlegt hat. 46 Monate ist es her, dass dieser Mario
Vušković zuletzt für den HSV gespielt hat. Ein gutes Jahr lang hatte der
Kroate zuvor die chronische Problemzone der Hamburger, die
Innenverteidigung, stabilisiert mit gerade mal 20 Jahren. Dann musste er
zur Dopingprobe. Das Ergebnis: positiv, das Blutdoping-Mittel EPO, sonst
vor allem im Radsport verbreitet. Von einem Tag auf den anderen war er
gesperrt.
## Unschuld beteuert
Vušković hat seither immer seine Unschuld beteuert, hat sich durchs
Dickicht der internationalen Sportgerichtsbarkeit prozessiert,
Gegengutachten beauftragt, sich sogar an einen Lügendetektor anschließen
lassen. Am Ende war alles vergebens, auch wenn das Nachweisverfahren für
EPO-Doping umstritten ist.
Er hätte [1][mit zwei Jahren Sperre davonkommen] können, wenn er die Strafe
akzeptiert hätte. Aber das wollte er nicht. So verdoppelte der
Internationale Sportgerichtshof CAS das Strafmaß auf vier Jahre.
Vier Jahre, in denen Vušković sich vom ganzen Fußballbetrieb weiträumig
fernhalten musste. In denen er sich allein mit einem privat bezahlten
Athletik-Trainer fit gehalten hat.
Der HSV hat in all den Jahren den Spagat hingelegt, einerseits die
rechtlich erforderliche Distanz zu dem Verurteilten zu wahren und
andererseits stets [2][fest an seiner Seite zu stehen]. Der Verein hat
immer klargemacht, dass Vušković nach Ablauf seiner Sperre wieder
willkommen wäre. Und nicht zuletzt die Fans haben ihn zu einer Art Märtyrer
stilisiert.
Da war es schon fast zu kitschig, dass in der vergangenen Saison sein
jüngerer Bruder Luka für die Hamburger spielte, auf derselben Position, und
mit 19 ein [3][Schlüsselspieler im Kampf gegen den sofortigen
Wiederabstieg] wurde. Ein ums andere Mal hat der jüngere Vušković betont,
dass das für ihn eine Familienangelegenheit war und wie gern er noch mit
seinem Bruder zusammen gespielt hätte, nach dessen Rückkehr.
Die kann nun ab dem 16. November steigen, wenn die Sperre abläuft. Aber bis
dahin ist es noch ein langer Weg, auch wenn im ersten Training vieles schon
verblüffend gut aussieht. Mario Vušković ist gleich mittendrin, seine
Mitspieler herzen und knuffen ihn.
Auf den ersten Blick scheint er nichts verlernt zu haben. Bei einer
gelungenen Körpertäuschung gibt es Szenenapplaus, bei einem strammen Schuss
in den Torwinkel bricht Jubel aus, als wäre es ein Tor in einem Ligaspiel.
Aber niemand kann derzeit sagen, ob der heute 24-Jährige nach vier Jahren
wieder die Spritzigkeit, die Motorik, das Raumgefühl von einst
zurückgewinnen kann.
„Wenn’s einer schafft, hat er den Namen Vušković“, sagt HSV-Vorstand Eric
Huwer nach dem Training. Die größte Gefahr scheint derzeit, dass sie beim
HSV den verlorenen Sohn zu schnell wieder spielen lassen, denn in der
Innenverteidigung herrscht mal wieder Notstand: Aus den ersten drei
Bundesligaspielen der Saison setzte es für 0:12 Tore – und den letzten
Tabellenplatz.
16 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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