# taz.de -- Klaus-Michael Kühne ist tot: In Hamburg hatte er fast überall seine Finger im Spiel
       
       > In seiner Geburtsstadt zeigte sich der Milliardär Klaus-Michael Kühne
       > gern als Stifter und Mäzen. Seine Steuern aber zahlte er er doch lieber
       > anderswo.
       
 (IMG) Bild: Der Unternehmer und Mäzen Klaus-Michael Kühne ist tot, in Hamburg sind Fahnen auf Halbmast gesetzt
       
       Ein Fußballbundesligist, ein Opernhaus, eine Privatuniversität. Ein
       Konzerthaus, eine Reederei, natürlich ein Luxushotel. Und den Wolkenkratzer
       nicht zu vergessen! Wobei der Elbtower seit bald drei Jahren nur halb
       fertig vor sich hin modert. Aber jedenfalls: Der Logistikmilliardär
       Klaus-Michael Kühne hatte in seiner Geburtsstadt Hamburg fast überall seine
       Finger im Spiel. Dass auf [1][Kühnes Tod am Montag] emotionale Reaktionen
       folgten, ist also gar nicht so verwunderlich.
       
       Da lud der Bürgermeister wenige Stunden nach dem Tod des 89-Jährigen die
       Presse zu einem Statement (ohne Nachfragen!) ins Rathaus, um den Verlust
       des „Unternehmers, Stifters und Mäzens“ zu beklagen; da würdigen sie vom
       Volksparkstadion am Rande der Stadt bis hinein ins wirtschaftliche,
       politische und kulturelle Machtzentrum zwischen der Hapag-Lloyd-Zentrale an
       der Binnenalster, dem Rathaus und dem Rand der Hafencity, wo die von ihm
       finanzierte neue Staatsoper entstehen soll, dessen „großes persönliches
       Engagement“.
       
       Verschwiegen wurden jene Aspekte, die zu einer Gesamtbetrachtung
       dazugehören, aber das schöne Bild trüben würden. Wo kam denn das Vermögen
       her, das Kühne nutzen konnte, um zum Wohltäter zu werden? Das
       Transportunternehmen, mit dem er zu einem geschätzten Vermögen von rund 40
       Milliarden Euro kam, hatte er vom Vater übernommen, der in der NS-Zeit erst
       den jüdischen Anteilseigner Adolf Maas herausdrängte und dann mit dem
       Auftrag zum Abtransport von „arisiertem“, also geraubtem jüdischen Eigentum
       expandierte. Diesen Aspekt der Unternehmens- und Familiengeschichte
       [2][wollte Kühne noch Jahrzehnte später abwehren, kleinhalten, wegwischen].
       
       Und ein stabiles Bewusstsein für die Bedeutung von Geschichte zeigte Kühne
       zusammen mit der rot-grünen Stadtspitze auch jüngst nicht, als sie die
       Pläne für eine neue Staatsoper präsentierten: Dieser tolle Mäzen schenkt
       der Stadt ein neues Opernhaus. Wie historisch belastet der Ort ist – ja
       und? Schnell wurden die Geheimverhandlungen dazu geführt und festgezurrt,
       dass bloß niemand für den sogenannten Baakenhöft direkt an der Elbe noch
       eine Erinnerung fordern kann an diese Drehscheibe des deutschen
       Kolonialismus mitsamt seinem Völkermord an den Herero und Nama in Namibia
       von 1904 bis 1908. Mit viel Geld – Stand jetzt: 340 Millionen Euro – wird
       da bald die Oper errichtet, die als großzügiges Geschenk ebenso gesehen
       wird wie als [3][wahnwitziges Denkmal, das ein Mann noch schnell im hohen
       Alter seiner Heimatstadt aufoktroyiert.]
       
       ## Ambivalente Reaktionen
       
       Aber auf solche ambivalenten Reaktionen stieß Kühne auch schon, als er noch
       so etwas Harmlosem wie einem Sportverein unter die Arme griff. Einen
       dreistelligen Millionenbetrag pumpte er in den Hamburger SV, doch die
       uneingeschränkte Liebe wollte ihm einfach nicht entgegengebracht werden.
       Wer bezahlt, der bestimmt, dachte sich Kühne und wunderte sich über das
       Kopfschütteln, das seine ständigen Einmischungen von der Seite auslösten.
       
       Ob Oper, HSV oder Elbphilharmonie, für die er im Zuge des
       Baukostendesasters noch Geld lockermachte – es war keine finanzielle
       Gewinnabsicht dabei zu erkennen. Vielmehr der Wille, dabei zu helfen, etwas
       besser zu machen.
       
       Genügt das nicht für eine halbwegs kritiklose Würdigung? So wie es die
       Stadtoberen taten? Nun, auch da gehört zur Gesamtbetrachtung: Schon 1969
       wanderte er mit seiner Firma Kühne + Nagel ins Schweizer Steuerparadies
       aus. Was hätte eines der großen Logistikunternehmen der Welt hier in
       Deutschland im Laufe der Jahrzehnte nur an Steuern gezahlt? [4][Dagegen
       sind 340 Millionen Euro für eine Oper sicher nur Peanuts.]
       
       28 Aug 2026
       
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