# taz.de -- Gewaltgeschichte einer linken Stadt: Unter dem Pflaster die Sklaverei
       
       > Kaum jemand weiß, dass New York City einst ein Zentrum des
       > Sklavenhandels war. Nun fordern Schwarze und Indigene Menschen
       > Entschädigung.
       
 (IMG) Bild: In Lower Manhattan fand man in den 1990er Jahren ein Massengrab, seit 2007 markiert ein Denkmal den African Burial Ground
       
       Gehetzte Geschäftsleute eilen an dem unscheinbaren Schild an der [1][Wall
       Street] vorbei, das zwischen den Wolkenkratzern winzig wirkt. Tausende
       Tourist:innen passieren es, ohne ihm auch nur die geringste
       Aufmerksamkeit zu schenken.
       
       Die Tafel zeigt eine Zeichnung der Stadt New York, wie sie aussah, als die
       Wall Street noch direkt am Ufer des East Rivers lag: Hier wurde einst der
       frische Weizen von den Schiffen entladen und zum Meal Market geschleppt.
       Schon damals ging es hier an der Wall Street um den besten Deal.
       
       Fast in Vergessenheit geraten ist, dass neben den prall mit Getreide
       gefüllten Säcken hier auch Menschen feilgeboten wurden. Indigene und vor
       allem Schwarze Kinder, Frauen und Männer, die aus afrikanischen Ländern
       entführt worden waren. In Fesseln gelegt wurden sie wie Vieh verkauft. Denn
       der Meal Market – das war der offizielle Sklavenmarkt New York Citys.
       
       Es ist ein Ort des Schmerzes für die Nachfahren der Versklavten, ein Ort,
       der Fragen stellt nach der richtigen Form des Gedenkens und nach
       Entschädigungen. Und Antwort darauf geben muss nicht zuletzt der neue
       Bürgermeister New Yorks, der selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren
       wurde und die Hoffnung vieler Progressiven auf den Schultern trägt.
       
       ## Wo heute Brooklyn ist, rodeten Sklaven das Land
       
       Tyrik Washington ist ganz in Schwarz gekleidet, über seiner runden Brille
       sitzt eine Baseballkappe der New York Yankees, er sagt: „Das Erste, was an
       der Wall Street gehandelt wurde, waren nicht Aktien, sondern Schwarze
       Körper.“ Washington, Musiker und Aktivist, zeigt eine Granitskulptur, nicht
       weit von New Yorker Börse entfernt, am südlichen Ende des Broadways. „For
       all those who are lost“, ist darauf eingraviert, „für all jene, die geraubt
       wurden; für all jene, die zurückgelassen wurden; für all jene, die nicht
       vergessen wurden“.
       
       Hier, am African Burial Ground, dem afrikanischen Friedhof, stieß man in
       den 1990er Jahren auf die Gräber von hunderten freien und versklavten
       Schwarzen New Yorker:innen. Kein Wunder, denn nicht nur der Broadway
       selbst, sondern auch die Wall, die Stadtmauer, die New York im 18.
       Jahrhundert umgab, und die der Wall Street ihren Namen gab, haben Schwarzen
       Sklaven errichtet. Sie zogen sie entlang eines Pfads hoch, den Indigene vom
       Volk der Lenape einst angelegt hatten.
       
       Im Jahr 1711 öffnete der New Yorker Sklavenmarkt, und die Stadt wuchs
       rasant. Von den rund 6.400 Einwohner:innen New Yorks waren damals fast
       1.000 Schwarz. Fast alle von ihnen waren Sklaven, die wie Eigentum
       behandelt wurden. Sie kochten, wuschen, nähten, trugen Wasser, leerten
       Nachttöpfe, fegten Schornsteine und kümmerten sich um Kinder – alles ohne
       einen Dollar Lohn. Die meisten von ihnen arbeiteten in den Häusern der
       Weißen. Doch dort, wo heute Queens und Brooklyn sind, rodeten sie damals
       auch Land und pflanzten und beackerten die Felder, welche die Metropole,
       die sich gerade im Entstehen befand, ernähren sollten.
       
       Tyrik Washington ist deshalb überzeugt davon, dass Schwarze New
       Yorker:innen ein Recht auf Anerkennung und Wiedergutmachung haben. Schon
       seine Eltern waren Aktivist:innen und Anhänger:innen der Schwarzen
       Befreiungstheologie. „Meine Eltern haben dafür gekämpft, dass
       Erinnerungsorte wie der African Burial Ground entstehen.“ Außer der kleinen
       Infotafel an der Wallstreet und dem Grabmahl gäbe es kaum etwas im
       öffentlichen Raum, dass an die Geschichte der Sklaverei in New York
       erinnert. „Damals wollte die Stadt die Gräber einfach schnell
       einasphaltieren, aber Schwarze Menschen haben dafür gekämpft, dass wir
       diesen Ort errichten.“ Damit die New Yorker:innen sich erinnern an die
       Ursprünge ihrer Stadt.
       
       Geht es nach Tyrik Washington, muss aber noch viel mehr geschehen. Die
       Menschen müssten verstehen, sagt er, dass in New York extrem viele
       versklavte Afroamerikaner:innen gelebt haben. Die Stadt stand dabei
       nach Charleston in South Carolina an zweiter Stelle. „Die Superpower, die
       New York ist, gäbe es nicht ohne die Arbeit Schwarzer Menschen“, sagt
       Washington. Sie hätten die Stadt selbst und ihren Reichtum erschaffen, aber
       sie hätten bis heute keinen Anteil an diesem Reichtum. „Unsere Vorfahren
       haben uns daher den Auftrag gegeben, für Reparationen zu kämpfen.“
       
       Tyrik Washington vertritt Core, die Commission for Racial Equity. Dieser
       unabhängige Beirat untersucht derzeit, wie und ob die Stadt New York
       verpflichtet ist, ihre Schwarzen Einwohner:innen für vergangenes und
       bestehendes Unrecht zu entschädigen.
       
       ## Zohran Mamdani versprach Hilfe
       
       Ohne [2][George Floyd] gäbe es Core gar nicht. Als der Afroamerikaner 2020
       brutal von einem Polizisten in Minneapolis ermordet wurde, brachen überall
       in den USA Massenproteste aus. In New York City brannten Autos,
       Molotowcocktails explodierten. Die Wut wuchs. Denn keine Bevölkerungsgruppe
       in den USA ist so häufig von Polizeigewalt betroffen wie Schwarze Menschen.
       Keine wird so häufig inhaftiert. Bis heute ist der sogenannte Racial Wealth
       Gap in New York zwischen weißen und Schwarzen Menschen gigantisch, die
       ungleiche Wohlstandsverteilung also.
       
       Am wenigsten besitzt laut einem Report der Columbia University und der
       Robin Hood Foundation die Gruppe der Latinos. Zu denen gehören – gerade in
       New York – auch viele Afrolatinos mit Wurzeln in Puerto Rico, Kuba und der
       Dominikanischen Republik.
       
       Im Zuge der Debatte über strukturellen Rassismus nach der Ermordung George
       Floyds gründeten sich überall in den USA sogenannte Racial Justice
       Commissions. Auch Tyrik Washingtons Core entstand 2022 nach einem
       Referendum, in dem die New Yorker:innen explizit für die Einrichtung
       einer solchen Kommission stimmen.
       
       2024 dann beauftragte die Stadt Core ausdrücklich damit, die historischen
       und bis heute fortwirkenden politischen und ökonomischen Folgen der
       Sklaverei in New York zu untersuchen – und konkrete Formen von
       Entschädigungen vorzuschlagen. Bis zum nächsten Jahr soll die Kommission
       ihren endgültigen Bericht vorlegen. Doch ob diese Empfehlungen umgesetzt
       werden und wie, das entscheidet am Ende die Stadtverwaltung.
       
       Tyrik Washington findet das nicht richtig. „Diejenigen, die das Problem
       verursacht haben, können nicht diejenigen sein, die das Problem lösen“,
       sagt er. Das die heutige Regierung nicht die Verantwortung für die
       Sklaverei trägt, weiß Washington. Doch man spürt ein großes Misstrauen
       gegenüber weiß dominierten Institutionen, die Schwarze New Yorker:innen
       seiner Meinung nach nicht genug schützen. Vor Armut, aber vor allem auch
       vor Polizeigewalt. Immerhin: Mit Zohran Mamdani ist seit Januar in New York
       ein Bürgermeister an der Macht, der die Umverteilung von Wohlstand will.
       Auch wenn der 34-Jährige demokratische Sozialist und Sohn indischer Eltern
       aus Uganda keinen Hehl daraus macht, dass die Klassenfrage für ihn die
       entscheidende ist – und nicht die nach ethnischer Herkunft.
       
       In einem [3][Interview mit dem Schwarzen Magazin The Root sagte Mamdani
       Ende Juli], dass er zwar erst den Bericht und die Empfehlungen von Core
       abwarten müsse, aber sich grundsätzlich an das Versprechen halten wolle,
       das er während des Wahlkampfs abgegeben hatte: Er werde die Nachfahren der
       Sklav:innen dabei unterstützen, „historische Diskriminierung“ und
       „bestehende Ungleichheiten zu beseitigen“. Seitdem äußert sich der
       Bürgermeister nicht mehr öffentlich zu diesem Thema, auch nicht auf
       Anfrage. Die Debatte ist heikel. Sollten diese Reparationen wirklich
       kommen, wer soll sie dann bezahlen bei einem klammen Stadthaushalt? Wie
       werden diese Reparationen aussehen? Wem stehen sie zu? Und wer wird dabei
       ausgeschlossen?
       
       Nördlich vom African Burial Ground, an einer Kreuzung, die den Namen Cooper
       Square trägt, ein Industrieloft mit gigantischen Fenstern. In den 1930er
       Jahren für Handwerk und Gewerbe errichtet, hat in dem Bau die New York
       University ihren Sitz. Im vierten Stock räumt Professor Jennifer L. Morgan
       einen Stuhl vor ihrem Schreibtisch frei, Familienfotos stehen hier zwischen
       Türmen aus Büchern, „Britain’s Black Debt“ steht auf einem. Jennifer L.
       Morgan lehrt Geschichte, sie weiß, wie aufgeladen die Debatte über die
       Vergangenheit New York Citys ist. Schließlich genieße die Stadt weltweit
       das Image eines progressiven Mekkas, sagt Morgan. New York City als Ort der
       Sklaverei und weißer Vorherrschaft? Das passe nicht ins Image.
       
       Nach dem Ende des US-amerikanischen Bürgerkriegs 1865, sagt Morgan, „wurde
       ein bestimmtes Narrativ verfolgt“. Die Nordstaaten hätten den Bürgerkrieg
       geführt, so diese Erzählung, um den Süden vom Joch der Sklaverei zu
       befreien. „Aber in Wirklichkeit stimmt das natürlich nicht ganz“, sagt
       Morgan. „Im Norden gab es auch Sklaverei. Vor allem in New York, wo
       zeitweise ganze 40 Prozent der Haushalte Schwarze Sklaven beschäftigten.“
       Bei der Abschaffung der Sklaverei sei es auch um die Konkurrenz gegangen,
       die weiße Arbeiter in den Sklaven sahen. Denn wer will schon für Arbeit
       bezahlen, wenn er sie auch erzwingen kann. „Es ging um weiße Interessen.
       Und selbst als die Sklaverei im Norden nominell abgeschafft wurde, setzte
       sie sich in anderer Gestalt fort.“
       
       Jennifer Morgan bezieht sich dabei auf die sogenannten Gradual Emancipation
       Acts die New York und New Jersey Ende des 18. Jahrhunderts erließen. Eines
       der Gesetze von 1799 versprach zwar Freiheit für alle Kinder, die
       versklavte Frauen künftig zur Welt bringen würden, das allerdings erst nach
       Jahren weiterer Zwangsarbeit: Jungen mussten für die Versklaver ihrer
       Mütter arbeiten bis sie 28 Jahre alt waren, Mädchen bis 25.
       
       ## Können Reparationen Armut bekämpfen?
       
       Wer bereits versklavt war, blieb es, die endgültige Freilassung dieser
       Menschen wurde im Norden erst 1827 umgesetzt. Doch auch danach waren
       Schwarze Menschen alles andere als gleichgestellt. Die New York State
       Constitution von 1821 schaffte die Regelung ab, dass weiße Männer Eigentum
       haben mussten, um wählen zu können. Von Schwarzen Männern verlangte sie
       aber ein Grundeigentum im Wert von mindestens 250 Dollar, bevor sie wählen
       durften. Weißer Wohlstand und weißer Einfluss konnten sich so weiterhin auf
       dem Rücken Schwarzer und indigener Menschen anhäufen. Für die blieben nur
       Krümel.
       
       2014 schrieb der Schwarze Autor Ta-Nehisi Coates im Magazin [4][The
       Atlantic] ein einflussreiches Plädoyer für Reparationen. Darin beschreibt
       er eine historische Kausalitätskette, die von der Sklaverei zu späteren
       rassistischen Gesetzen und der heutigen Epidemie von Gewalt gegen Schwarze
       Menschen führt – und zu ihrer Armut. Eine Armut, die Coates zufolge mit
       Reparationen bekämpft werden müsse.
       
       Auch Geschichtsprofessorin Jennifer Morgan kommt zu diesem Schluss. „Glaube
       ich, dass Reparationen gerecht und notwendig sind? Ja. Aber ich halte mich
       ganz an die Schlussfolgerungen, zu denen auch Coates gekommen ist.„Es
       sollte Entschädigungen geben, die direkt und ausschließlich an die
       Nachfahren von Schwarzen Sklaven gehen. „Aber ich glaube, dabei darf man es
       nicht belassen. Außerdem müssen Reparationen nicht zwangsläufig in Form von
       Schecks kommen. Meiner Meinung nach müssen es vor allem institutionelle
       Investitionen sein, in bezahlbare Wohnungen aber vor allem in Schulen, die
       nicht nur Schwarze Menschen benachteiligen, sondern auch Braune Menschen.“
       
       Morgan dreht sich um und deutet aus dem Fenster ihres Büros. „Nur ein paar
       Blocks von hier steht die Stuyvesant High School, die als die beste
       öffentliche Schule New Yorks gilt. Die Idee ist, dass dort alle dieselben
       Chancen haben, über Leistung hineinzukommen, durch einen Aufnahmetest.
       Letztes Jahr wurden aber nur 8 Schwarze und 27 Latinos aufgenommen. Bei
       einem neuen Jahrgang von 778 Schüler:innen!“
       
       Dieses Beispiel zeige: die Voraussetzungen sind nicht gleich verteilt in
       New York City. Um die akademischen Leistungen erbringen zu können, mit
       denen man es auf eine solche Eliteschule schafft, muss ein New Yorker Kind
       einen Raum haben, in dem es in Ruhe lernen kann. Bücher und Zugang zu
       Internet. Eltern, die die notwendige Zeit und das Geld haben, ihr Kind bei
       dieser Prüfung zu unterstützen. Nichtweiße Kinder haben all diese
       Privilegien oft nicht. Eine Ausnahme sind Asian Americans, die den Großteil
       der nicht weißen Schüler:innen der Stuyvesant High ausmachen. Das stehe
       wiederum in einem direkten Zusammenhang damit, dass Asian Americans
       innerhalb der Racial Wealth Gap nach den weißen Einwohnern New Yorks an
       zweiter Stelle stehe, erklärt Morgan.
       
       Die Historikerin glaubt jedoch, dass Reparationen alle benachteiligten
       Gruppen New Yorks einschließen müssten. „Letztendlich kann man fast jede
       rassistische Diskriminierung in diesem Land auf die Sklaverei zurückführen.
       Indirekt sind davon auch Latinos und andere Minderheiten betroffen. Und wir
       dürfen auch nicht die indigenen Menschen vergessen, die vor uns allen in
       New York waren.“
       
       Jennifer Morgan forscht derzeit in Sylvester Manor – einem
       herrschaftlichen, sonnengelb gestrichenen Anwesen, das mit grünen
       Fensterläden zwischen Buchsbäumen und Kiefern auf Shelter Island steht,
       einer Insel, die zum Bundesstaat New York gehört. Hier zwang einst die
       weiße Familie Sylvester indigene und Schwarze Sklaven Seite an Seite zur
       Feldarbeit, um Nahrungsmittel zu produzieren. Diese wurden dann an ein
       anderes Mitglied der Familie nach Barbados in der Karibik verschifft, um
       auch dort wiederum Sklaven zu ernähren.
       
       „Wir müssen diese Geschichten gemeinsam denken“, sagt die Historikerin
       Jennifer Morgan. Der Musiker und Aktivist Tyrik Washington sieht das
       anders. Was Schwarzen Sklaven geschehen sei, sei ein spezifisches
       Verbrechen. „Amerika hat die japanischen Bürger, die in Internierungslager
       verschleppt wurden, für dieses spezifische Verbrechen mit Reparationen
       entschädigt“, sagt Washington. „Sogar die sogenannten Sklavenhalter selbst
       erhielten nach Abschaffung der Sklaverei Formen von Entschädigungen und
       Wiedergutmachung für ihre sogenannten wirtschaftlichen Einkommensverluste“,
       sagt Washington. „Aber was ist mit den Afroamerikaner:innen?“ Zeitweise
       seien befreiten Schwarzen Menschen von der Obrigkeit 40 Morgen Land und ein
       Maultier versprochen worden. „Doch auch dieses Versprechen wurde
       letztendlich gebrochen.“
       
       Für Washington ist es essenziell, dass es eine Wiedergutmachung speziell
       für Schwarze New Yorker:innen geben muss, unabhängig davon, welche
       Entschädigungen an andere ethnische Gemeinden in New York City gehen.
       
       Parallel zu Core, gibt es in New York noch eine zweite Kommission, die sich
       derzeit mit Reparationen befasst, die „New York State Community Commission
       on Reparations Remedies“. Sie war durch ein Gesetz eingesetzt worden, das
       die demokratische Gouverneurin des Bundesstaats New York, Kathy Hochul, im
       Dezember 2023 unterzeichnet hatte.
       
       Im Mai hielt diese Kommission öffentliche Anhörungen ab, in denen Schwarze
       New Yorker:innen sich dafür aussprechen konnten, wie mögliche
       Reparationen für sie aussehen könnten. Dem konservativen Fernsehsender Fox
       News sagte eine Anwesende namens Brooke Lean im Mai: „It shouldn’t only be
       a check, but it should start with a check.“ Es sollte nicht nur ein Scheck
       kommen, aber mit einem Scheck sollte es anfangen. Andere Beteiligte
       forderten 800.000 Dollar für jede Schwarze Einrichtung in New York.
       
       Manche Schwarze New Yorker:innen finden, alle Schwarzen Menschen in New
       York sollten Entschädigungen erhalten, da sie alle überproportional von
       Diskriminierung und Polizeigewalt betroffen seien. Auch wenn ihre Familien
       erst in den 1960er Jahren aus Puerto Rico eingewandert sind oder in den
       1990ern aus afrikanischen Ländern. Wieder andere sind der Meinung, dass
       wirklich nur die direkten Nachfahren Schwarzer Sklaven Geld erhalten
       sollten.
       
       Aber wie beweist man, dass man von Sklaven abstammt? Jennifer Morgan sagt:
       „Es gibt ein Ungleichgewicht innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft
       zwischen denen, die ihre Ahnen zurückverfolgen können, und denen, die das
       nicht können.“ Oft seien diejenigen, die ihre Abstammung zurückverfolgen
       könnten, in irgendeiner Weise privilegiert. Fakt ist: Nicht jede:r
       Afroamerikaner:in kann auf historische Archive zugreifen, um die
       eigene Abstammung zu belegen. Weil das Leben von Schwarzen über
       Jahrhunderte nicht wertvoll genug schien, um es auf Papier festzuhalten.
       
       Während die Organisation Core Büros im vornehmen Manhattan hat, gibt es für
       das Lenape Center keinen physischen Ort in New York City. Diese
       Organisation versucht, die Geschichte der indigenen Einwohner:innen der
       New Yorker Gegend sichtbar zu machen. Und sie kämpft für das Recht auf
       Wiedergutmachung für die etwa 16.000 bis 20.000 Angehörigen der drei
       staatlich anerkannten Lenape-Völker. Schließlich hatten die europäischen
       Siedler:innen die Lenape ermordet, von ihrem Land vertrieben und
       versklavt.
       
       Laut Joe Baker, dem Direktor des Lenape Centers, haben weder Core noch die
       New York State Community Commission die drei vom Bund anerkannten
       Lenape-Stämme bisher in ihre Überlegungen miteinbezogen. Baker hält das für
       falsch. „Das Leid, die Ausbeutung und die Opfer, die versklavte Afrikaner
       und ihre Nachkommen erdulden mussten, sind entsetzlich und erfordern eine
       ernsthafte Anerkennung und Wiedergutmachung“, sagt der Künstler und
       Aktivist, der einer alten Lenape-Linie entstammt. „Unsere Geschichten
       stehen nicht im Wettbewerb miteinander; sie sind Fäden derselben
       unvollendeten Aufarbeitung, die diese Stadt ihren Menschen schuldet.“
       
       Baker zufolge gab es zuletzt Mitte Februar ein Treffen zwischen Chief Brad
       KillsCrow vom Stamm der Delaware und Vertreter:innen Mamdanis. Bei dem
       Gespräch soll es auch um das Thema Reparationen gegangen sein, es soll
       herzlich verlaufen sein und konstruktiv. Die Lenape hätten seitdem mehrfach
       beim Büro des Bürgermeisters um Folgegespräche gebeten, sagt Baker. Eine
       Antwort sei bis heute nicht gekommen.
       
       Transparenzhinweis: Diese Recherche wurde unterstützt vom Verein Villa
       Aurora & Thomas Mann House, Los Angeles.
       
       8 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wall-Street/!t5032555
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 (DIR) [4] https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2014/06/the-case-for-reparations/361631/
       
       ## AUTOREN
       
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