# taz.de -- Fast 12.000 Todesfälle in den USA: Studie belegt deutlichen Anstieg tödlicher Polizeigewalt
       
       > In den USA wurden 2024 mehr als doppelt so viele Menschen von Polizisten
       > getötet wie noch 2003. Die allermeisten von ihnen waren Schwarz.
       
 (IMG) Bild: Ein Ausschnitt aus einem Polizeivideo zeigt die tödliche Festnahme von George Floyd 2020
       
       Nicht erst seit dem [1][Tod von George Floyd] im Jahr 2020 ist
       Polizeigewalt ein großes Thema in den USA. Exzessive Gewalt durch
       Sicherheitskräfte sorgt immer wieder für mediales Aufsehen. Zu Beginn
       dieses Jahres waren es die tödlichen Schüsse von Beamten der
       [2][Einwanderungsbehörde ICE], die in Minneapolis und darüber hinaus zu
       großen Protesten geführt hatten.
       
       Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass tödliche Polizeigewalt in den USA
       während der vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen hat. Die Studie, die
       vergangene Woche in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA (Journal of the
       American Medical Association) veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass
       zwischen 2003 und 2024 fast 12.000 Menschen durch Polizeigewalt ihr Leben
       verloren haben.
       
       Die jährlichen Todeszahlen stiegen im Laufe des Untersuchungszeitraums auf
       mehr als das Doppelte an – von 369 auf 809 Personen pro Jahr. Unter den
       insgesamt 11.775 Fällen, die die Forscher aus öffentlichen Quellen für ihre
       Untersuchung herangezogen hatten, befanden sich auch 270 Opfer im Kinder-
       und Jugendalter. Auch hier war ein deutlicher Anstieg in den jährlichen
       Opferzahlen zu erkennen, von acht auf 37.
       
       „Todesfälle durch Polizeieinsätze erfahren in den USA zunehmende
       öffentliche Aufmerksamkeit. Eine landesweite Erfassung dieser Todesfälle
       bleibt jedoch eine Herausforderung, da die amtlichen Statistiken die durch
       Polizeieinsätze verursachten Todesfälle erheblich unterschätzen“, schrieben
       die Autoren der Studie.
       
       ## 95 Prozent aller Getöteten waren männlich und Schwarz
       
       Geleitet wurde die Studie von Forschern der Medizinischen Fakultät der Yale
       University. Unterstützung erhielten sie von Kollegen aus Pennsylvania und
       Minnesota. Neben dem allgemeinen Anstieg zeigte die Studie auch, dass über
       95 Prozent aller bei Polizeieinsätzen getöteten Personen männlich und
       Schwarz waren.
       
       Die größte Sterberate hatten dabei männliche, Schwarze Personen im Alter
       zwischen 18 und 29. „Schwarze Männer, die nicht hispanischer Abstammung
       waren, wiesen in jedem Jahr des Untersuchungszeitraums die höchsten
       Sterberaten auf, was auf anhaltende ethnische Ungleichheiten selbst im
       Jugendalter hindeutet“, erläuterten die Autoren.
       
       Naheliegend war auch der Befund, dass Schusswaffen für die überwältigende
       Mehrheit der Todesfälle verantwortlichen waren. In 87 Prozent der Fälle
       traf dies zu. Es sind Zahlen, die erschrecken, doch auch nicht wirklich
       überraschen. Einen Grund für den dramatischen Anstieg im Zeitraum von 2003
       bis 2024 nannten die Forscher nicht, und auch die Untersuchungsmethode
       stieß an ihre Grenzen.
       
       „Todesfälle, die durch Polizeieinsätze verursacht wurden, werden in
       Statistiken oft nur lückenhaft erfasst“, erklärten die Forscher. In
       früheren Arbeiten zum Thema hieß es, dass weniger als die Hälfte solcher
       Fälle überhaupt erfasst werden würden. Auch die ausführliche
       Medienberichterstattung nach Fällen mit großem Öffentlichkeitsinteresse,
       wie etwa nach der Ermordung von George Floyd durch den [3][Polizeibeamten
       Derek Chauvin] im Jahr 2020, kann temporär die Daten beeinflussen, hieß es.
       
       Für die Forscher ist das Ergebnis ihrer Arbeit ein Beweis dafür, dass es
       noch mehr Untersuchungen bräuchte, um zu verstehen, wie die Zahl der
       Todesopfer durch Polizeigewalt zustande kommt.
       
       Auch wenn der Anteil von tödlicher Polizeigewalt im Vergleich zu anderen
       tödlichen Gewaltakten nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt,
       so ist die Zunahme besorgniserregend. Denn die allgemeinen Mordraten in den
       Vereinigten Staaten verzeichnen eine gegenläufige Entwicklung. Sie sind
       seit den Hochzeiten Anfang der 1990er deutlich gefallen.
       
       13 Jul 2026
       
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