# taz.de -- Bindungsverhalten: Knutschen ist Trumpf
       
       > Viele Säugetiere verlassen sich in Sachen Bindung nicht auf penetrativen
       > Sex. Küssen ist nicht nur schön, sondern auch evolutionär von Vorteil.
       
 (IMG) Bild: Knutscht mehr und wilder, für die Liebe und die Bindungen zu euren Lieben
       
       ## Worum geht’s?
       
       Liebe geht immer auch mit Verletzlichkeit einher. Das gilt nicht nur für
       Spezies mit Paartherapeuten, sondern eigentlich für alle, die sich
       näherkommen. Wer Zärtlichkeiten austauscht, teilt dabei auch Viren,
       Körperflüssigkeiten und die Gefahr, dass einer beißt.
       
       Trotzdem riskieren Lebewesen auf der ganzen Welt Zuneigung, die weit über
       den Akt der Fortpflanzung hinausgeht. Eine [1][neue Studie] will nachspüren
       warum, und hat sich dafür das Küssen angesehen.
       
       ## Die Studie
       
       Dafür muss erst mal beantwortet werden, was eigentlich ein Kuss ist. Die
       Wissenschaftler*innen klassifizieren ihn sehr romantisch als [2][nicht
       feindlichen Mund-zu-Mund-Kontakt] innerhalb der Spezies, bei dem sich
       Lippen und Münder bewegen, aber kein Essen ausgetauscht wird.
       
       In ihrer Studie zeigen die Forschenden zunächst küssende Makaken, Wölfe,
       Eisbären und Präriehunde, um sich danach auf unseren evolutionären Ast zu
       konzentrieren. Was findet sich in wissenschaftlicher Literatur übers
       Küssen? Und was haben Spezies, die sich küssen gemeinsam? Gorillas
       knutschen recht selten, Menschen und Schimpansen häufig und Bonobos
       bemerkenswert sexuell.
       
       Was all diese Spezies ansonsten eint, ist eine vielfältige Ernährung,
       elterliches Vorkauen („Kuss-füttern“) und ein Beziehungssystem, indem sich
       Weibchen nicht unbedingt auf ein Männchen festlegen. Systeme also, in denen
       es sich für Männchen lohnt, neben dem Sex auch in eine gute Beziehung zu
       investieren, um nicht in der Konkurrenz unterzugehen.
       
       Dass Spezies, die besonders eng miteinander verwandt sind, auch einen Hang
       zum Küssen teilen (oder eben nicht), lässt die Forschenden außerdem einen
       genetischen Ursprung vermuten. Den verorten sie im gemeinsamen Vorfahren
       der Menschenaffen, irgendwann vor etwa 16,9 bis 20,5 Millionen Jahren.
       
       Aus diesem Zeitraum lässt sich auch erschließen, dass sich Neandertaler
       wahrscheinlich Küsschen gaben.
       
       ## Was bringt’s?
       
       [3][„Wir sind so fokussiert auf Penisse!“], sagt Mathilde Bridle, die
       Hauptautorin der Studie. Und betont, wie wichtig es ist, auch andere
       Sexualverhalten zu erforschen. Allein deshalb, weil die wissenschaftliche
       Vorstellung von Biologie und Beziehung auch auf die Gesellschaft
       zurückwirkt.
       
       Ob in Form von Ratgebern, Comedysets oder Podcasts, in denen sich Männer
       gegenseitig zusichern, [4][Alphas zu sein]: Wenn Sex auf einen
       Fortpflanzungsakt reduziert wird, beeinflusst das, wie ernst wir andere
       Bedürfnisse nach Nähe nehmen, oder Beziehungsformen, die [5][ganz ohne
       Penetration auskommen]. Obendrein trägt es zu einem Weltbild bei, in dem
       der Fortpflanzungserfolg der Männer eigentlich mit der Ejakulation komplett
       ist. Die aktuelle Studie zeigt: Die Messlatte liegt schon seit mindestens
       16 Millionen Jahren so viel höher.
       
       2 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2025.106788
 (DIR) [2] /Intimitaet-in-Langzeitbeziehungen/!5904764
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/science/2026/sep/03/ig-nobel-prize-awards-2026-winners
 (DIR) [4] /Soziologe-und-Comedian-ueber-Maennlichkeit/!6174786
 (DIR) [5] /Circlusion-statt-Penetration-beim-Sex/!6084781
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franca Parianen
       
       ## TAGS
       
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