# taz.de -- Grüne gründen Jugendbeirat: Forever Young
> Die Grünen wollen wieder einen Draht zu jungen Leuten bekommen. Die
> Bundestagsfraktion holt sich dafür Berater – von Pfadfindern, Landjugend
> und BUND.
(IMG) Bild: Von jungen Pfadfinder*innen wollen die Grünen Tipps
Ohne den Grünen zu nahe treten zu wollen: Der Glanz der Jugend ist ihnen
etwas abhandengekommen. Das lässt sich [1][an Wahlergebnissen ablesen:] Bei
der Bundestagswahl 2021 waren sie unter Jungwähler*innen noch stärkste
Kraft. Bei der Bundestagswahl 2025 rutschten sie hinter Linke, AfD, Union
und SPD zurück. Zuletzt drehte sich der Trend zwar wieder ein wenig, etwa
bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Vor allem gegen die Linken kommen
die Grünen bei jungen Leuten [2][aber weiterhin nicht an.]
Eine neue Institution soll jetzt helfen, den Anschluss wiederherzustellen:
Die Grünen-Fraktion im Bundestag hat einen Jugendbeirat einberufen, der am
nächsten Mittwoch erstmals tagen wird. Ziel ist laut Denise Loop, der
jugendpolitischen Sprecherin der Fraktion, junge Perspektiven in der
Parlamentsarbeit „strukturell zu verankern“.
Nach dem Absturz bei der letzten Bundestagswahl habe man unter den
Abgeordneten viel darüber diskutiert, was falsch lief. „Die Antwort, dass
wir einfach nur auf Social Media besser werden müssten, wäre unterkomplex
und wird auch den jungen Menschen nicht gerecht. Es geht darum, wirklich
Politik für sie zu machen“, sagt Loop.
Die Intention hinter dem Jugendbeirat sei aber nicht nur, grüne
Wahlergebnisse aufzubessern. Das Gremium sei auch eine Antwort auf ein
generelles Problem des politischen Betriebs. „In der Wehrdienstdebatte kam
zum Beispiel völlig zu Recht die Kritik von jungen Menschen, dass sie nicht
angehört wurden. Dagegen wollen wir etwas tun.“
## Pfadfinder, Landjugend und BUND
Vorbild für den Jugendbeirat sind bestehende Fraktionsgremien wie der
Wirtschaftsbeirat, in dem sich Abgeordnete regelmäßig mit
Unternehmer*innen austauschen, oder der [3][Gewerkschafts- und
Sozialbeirat], der nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert.
30 Jugendorganisationen hat die Fraktion angeschrieben und nach
potenziellen Teilnehmer*innen unter 27 Jahren gefragt. 23 von ihnen
haben reagiert und Vertreter*innen benannt. Manche stehen den Grünen
nahe, etwa die BUNDjugend, andere weniger, etwa die Deutsche Landjugend.
Mit dabei sind unter anderem auch Pfadfinder, Gewerkschaftsjugend und
Jugendvertretungen der großen Religionsgemeinschaften.
Pro Jahr ist zunächst ein Treffen in Präsenz in Berlin vorgesehen, dazu
mindestens ein weiterer, digitaler Termin. Jede Sitzung ist einem vorab
festgelegten Thema gewidmet. Zum Auftakt am Mittwoch im Bundestag geht es
eben um die Wehrpflicht. „Im Herbst kommen dazu weitere
Regierungsbeschlüsse, und wir Grünen müssen uns dazu positionieren. Das ist
also eine gute Gelegenheit, das Thema zu setzen und junge Menschen
anzuhören.“ Der Beirat soll die Abgeordneten allerdings nur beraten und
keine eigenen Beschlüsse treffen. Er wird auch nicht öffentlich tagen.
Was heute wohl anders aussehen würde, wenn es das Gremium schon zehn Jahre
lang gäbe? „Gute Frage“, antwortet Loop. „Vielleicht: dass Jugendpolitik
seltener als abgegrenzter Bereich wahrgenommen würde, sondern dass die
Auswirkungen auf junge Menschen auch bei Themen wie zum Beispiel Wohnen
direkt mitgedacht werden.“
In der Wohnungspolitik plant die Bundesregierung gerade unter anderem
Kürzungen des Wohngelds – wovon laut Statistiken zu 37,5 Prozent Kinder und
Jugendliche betroffen wären und zu weiteren knapp 5 Prozent Volljährige in
Schule oder Ausbildung. Es sieht also danach aus, dass der Jugendbeirat der
Grünen an einem schon mal nicht scheitern würde: an fehlenden Themen.
18 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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