# taz.de -- Männerpolitik: Fragt Felix, dann klappt’s auch mit der Freundin
> Ein Politikangebot nur für Jungs und Männer? Dafür wirbt Grünen-Chef
> Felix Banaszak im „Playboy“ und beim Bundesfrauenrat der Partei. Was hat
> er vor?
(IMG) Bild: Erst spricht er mit dem „Playboy“, jetzt mit der „männertaz“: Felix Banaszak
Felix Banaszak mag die Farbe Rosa. [1][Der Grünen-Vorsitzende trägt]
manchmal rosa T-Shirts und er hat sein Büro rosa streichen lassen. Das
sollte eigentlich kein Thema mehr sein. Schon vor zwanzig Jahren lief
Fußball-Torwart Tim Wiese in Rosa auf, und der stand wirklich nicht im
Verdacht, kein richtiger Mann zu sein. Aber als sich eine Kommentatorin der
Welt kürzlich mal wieder darüber ausließ, was für schreckliche Besserwisser
die Grünen doch seien, gelang ihr das nicht, ohne im Text zwei Mal die
Wandfarbe des Chefs zu thematisieren. Subtext: Mit dem stimmt was nicht.
Womit der erste Beweis für die These erbracht wäre, die Banaszak seit
Wochen erzählt: Geschlechternormen engen nicht nur Frauen ein, sondern auch
Männer. An Feminismus müssten also auch sie ein Interesse haben. Im besten
Fall befreit er nämlich alle Geschlechter von alten Erwartungen – in Fragen
der Ästhetik, aber auch in ganz anderen.
So in der Art lautet eine der Ansagen, mit denen der Grünen-Chef junge
Männer erreichen will. In dieser Wählergruppe gab es zuletzt eine
beunruhigende Entwicklung: Während Frauen unter 24 bei der Bundestagswahl
mehrheitlich das Mitte-Links-Lager wählten, lag unter Männern gleichen
Alters die AfD klar vorne. In anderen Ländern öffnet sich eine ähnliche
Kluft.
Nicht nur Banaszak hat das ins Nachdenken gebracht, sondern auch einige
andere Grüne. In Gesprächen erwähnen viele ein Video von Maximilian Krah.
Der AfD-Politiker wendete sich in dem Clip vor der Europawahl 2024 an junge
Männer, die keine Partnerin finden. Seine Empfehlung: „Echte Männer sind
rechts!“
## Grüne Männer und ihre Erkenntnis
Klang für Linksliberale erst mal lustig, hat grüne Männer inzwischen aber
zu einer Erkenntnis geführt: [2][Für die verunsicherten Jungen haben die
Rechten offenbar ein emotionales Angebot, das funktioniert]. Wer mithalten
will, braucht ein Gegenangebot – das sich aber nicht so leicht formulieren
lässt, wenn man als Progressiver nicht die Verhältnisse von vorgestern
beschwören möchte.
Banaszak versucht es im Februar erstmals öffentlich mittels eines
[3][Interviews im Playboy]. In dem Gespräch sendet der 36-Jährige eine
Doppelbotschaft. Zum einen, dass Feminismus kein Nullsummenspiel ist, in
dem Frauen Männern etwas wegnehmen. Gleichberechtigung könne das Leben eben
für alle freier machen. Zum anderen mutet er den Playboy-Lesern aber auch
etwas zu, erzählt von Femiziden und fordert Männer auf, sich mit ihren
Privilegien auseinanderzusetzen.
„An manchen Stellen geht es nicht ohne Härte und Klarheit, an anderen
braucht es Wohlwollen, Sanftmut und Offenheit“, sagt Banaszak der taz über
seine Ansprache. „Wenn ich nur auf Konfrontation gehe und den Leuten sage,
dass sie das Problem sind, dann machen sie zu.“
Eine Frage der Balance – in der er kurz darauf den Schwerpunkt verlagert.
Der Grund sind die Gewaltvorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian
Ulmen. Der Fall lässt Banaszak strenger werden. Nicht gegen den
mutmaßlichen Täter und andere Sexisten, sondern gegen Männer und sich
selbst.
## Manche Männer schämen sich
Er schäme sich, schrieb er in einem Social-Media-Post: für solche Taten und
die Zustände, die dazu führen. Als die Welt ihn wenig später in einem
Interview fragt, ob sich alle Männer schämen sollten, sagt er in vielen
Worten nicht Nein. Immerhin: Wer sich hinterfrage, werde „auch für
selbstbestimmte Frauen attraktiver“.
Stimmt wohl. Aber ob man Maximilian Krah aussticht, wenn bei verunsicherten
18-Jährigen ankommt: Schämt euch, dann klappt’s auch mit der Freundin? Sein
Post sei sicher zugespitzt gewesen, sagt Banaszak. Nachdem Ulmens
mutmaßliche Taten öffentlich wurden, habe er eben gedacht: Die sind so
extrem und absurd, dass man sie leicht von sich wegschiebt – als hätten sie
nichts mit einem zu tun.
„Diesem Impuls wollte ich nicht erliegen und reflektieren, welchen Anteil
wir als Männer an einem System haben, das solche Taten ermöglicht oder
sogar begünstigt.“ Eine Selbstkritik, wie sie nahe liegt, wenn man in einer
feministischen Partie groß geworden ist – und wie sie in dieser Partei wohl
auch einige erwarten.
An einem Samstag im April ist Banaszak zu Gast beim Bundesfrauenrat, einem
offiziellen Gremium der Partei, um über seine Männerpolitik zu diskutieren.
Im Prinzip mögen sie ihn hier, als modernen Mann mit ein paar
feministischen Themen auf der Agenda. Aber seine Einladung, an diesem Abend
Gedanken zusammenzutragen, stößt auf Skepsis – wenn nicht sogar Wut. Lass'
schnell ein Foto machen, sagt eine Frau zu Beginn, solange du noch gute
Laune hast.
## Braucht es ein Forum für Männer?
Am Mikro vor der Bühne bildet sich eine Schlange, viele wollen mit Banaszak
reden, etwas über seine Politik wissen, oder ihrem Ärger in einer
diplomatisch formulierten Frage Ausdruck verleihen. Immer wieder geht es um
die vermeintliche Inszenierung: Warum bringt er für ein Gespräch in so
einer Runde zwei Pressevertreter mit? Wieso bist du hier, Felix, zum
Sprechen oder zum Zuhören? Und warum musste es für das Interview eigentlich
der Playboy sein?
Auf Banaszaks Frage nach grüner Politik für junge Männer reagiert der
Frauenrat mit kollektivem Augenrollen und Gegenfragen: Warum fragst du
Frauen, was Männer tun sollen? Müssen wir schon wieder die Carearbeit für
euch machen? Warum klärt ihr das nicht unter euch? Dazu schwingt die Sorge
mit, dass Geschlechterpolitik manchmal doch ein Nullsummenspiel ist: Weil
Ressourcen für Frauen fehlen, falls die Partei sie jetzt in Männerpolitik
steckt.
Ein paar vage Ansätze geben die Delegierten Banaszak nach zwei Stunden
immerhin mit: Es brauche vielleicht mehr Plattformen für Jungen, um sich
auszutauschen, in den Schulen, auf dem Land und in den Gremien der Partei.
Ein Forum für Männer. Aber kein neues Männermanifest. Das alte tut es noch.
2010 veröffentlichten 21 Grünen-Politiker dieses Manifest. Als „männliche
Feministen“ schrieben sie schon damals: „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt
sich.“ Mit-Initiator Sven Lehmann, heute Bundestagsabgeordneter, erinnert
sich an geteilte Reaktionen in der Partei. Viele Frauen hätten sich
gefreut, andere aber schon damals gesagt: Emanzipiert euch mal selber und
beschäftigt uns nicht damit. Und die Männer? Der Großteil habe die Aktion
ignoriert. Die Machos alter Schule hätten sie als „Gedöns“ abgetan.
Dieser Typus habe bei den Grünen heute kaum mehr etwas zu sagen, meint
Lehmann. Das Bewusstsein habe sich gewandelt. Auch in der Gesellschaft
hätte sich ein Teil der Männer in der Zwischenzeit emanzipiert und davon
tatsächlich profitiert. „Andere hängen weiter an alten Rollenverteilungen
und sind anfällig für den rechten Kulturkampf“.
„Im Kern könnten wir das Manifest wieder so schreiben“, sagt Lehmann daher.
Eines würde er heute aber anders machen: „Sinngemäß stand da auch drin,
dass Männer Schuld an allen Krisen der Welt seien. Aber wenn wir von
Männern fordern, dauernd in Sack und Asche zu gehen, verschließt das
Türen.“
## Grüne wollen Wohlwollen für Männer
Also tatsächlich mehr Wohlwollen, aber das konsequent? Ähnlich klingt der
EU-Abgeordnete Rasmus Andresen, der sich von der Partei insgesamt einen
anderen Ton wünscht. „In den letzten Jahren haben wir es der extremen
Rechten zu einfach gemacht mit Vorurteilen gegenüber uns Stimmung zu
machen. Unsere richtigen feministischen Botschaften erreichen viele nicht“,
sagt er.
Er wolle junge Männer dort abholen, wo es Schnittmengen gibt. Auf Social
Media postet der 40-Jährige seit einigen Monaten bevorzugt Videos aus dem
Fitnessstudio und dem Sankt-Pauli-Fanblock, verbindet das mit linksgrünen
Inhalten: Weniger Investoren in Proficlubs, weniger Repressionen gegen Fans
– und Glückwunsch an Union zur ersten Cheftrainerin der Bundesliga!
Den Fanaktivisten wird Banaszak wohl nicht geben. Beim Pumpen gibt es ihn
auf Instagram auch nicht zu sehen: Der Parteichef ist Läufer. Was
stattdessen bei ihm konkret kommt, nach seiner Reihe von Männer-Interviews?
Im Februar war er in Krefeld bei „Vaterwelten“ zu Gast. Ein Verein, der
Geburtsvorbereitungskurse für Männer gibt, die ihren neuen Aufgaben gerecht
werden wollen. Es gibt auch andere Stellen, die Jungen und Männer speziell
zu deren Themen beraten, ohne sie gegen die der anderen Geschlechter
auszuspielen.
Banaszak wirbt inzwischen dafür, dass sie genügend Fördergeld bekommen. Und
nach Innen gerichtet hat ihn der Bundesfrauenrat überzeugt: Es brauche in
der Partei „Räumen, in denen Männer über Geschlechterthemen sprechen“. Auch
Frauen wünschten sich überwiegend, „dass wir uns mehr austauschen, kritisch
und reflektiert.“
Vor 16 Jahren, nach dem ersten Männermanifest, gab es solche Überlegungen
schon mal. Damals fanden sich nicht genügend Männer, die mitmachen wollten.
Aber mal sehen: Die Zeiten haben sich vielleicht wirklich geändert.
10 May 2026
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