# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: US-Kongress beschließt Gesetz für Russland-Sanktionen
> Gibt es bald neue US-Sanktionen gegen Russland? Ein Gesetz dazu hat nun
> das US-Parlament passiert. Der Schritt könnte auch die Beziehungen zu
> China belasten.
(IMG) Bild: Menschen vor einem McDonald’s-Restaurant in Kyjiw, gegenüber wurde ein Bürogebäude von russischen Raketen zerstört
## Repräsentantenhaus stimmt für ein Sanktionsgesetz
In den USA hat nach dem Senat auch das Repräsentantenhaus für ein
Sanktionsgesetz gestimmt, um Russland wegen des Ukrainekriegs stärker unter
Druck zu setzen. Neben direkten Strafmaßnahmen gegen russische Politiker
und Firmen soll das Gesetz die russischen Öl- und Gas-Exporte stärker
eindämmen, mit denen Russland seinen Angriffskrieg finanziert. Die
Abgeordneten im Repräsentantenhaus stimmten mit einer überparteilichen
Mehrheit von 262 zu 159 Stimmen für das Gesetz. 7 Abgeordnete der
Republikaner votierten dagegen, daher waren für eine Mehrheit auch Stimmen
der Demokraten notwendig gewesen.
Das Gesetz geht damit zur Unterzeichnung an US-Präsident Donald Trump, der
zuvor bereits seine Zustimmung angedeutet hatte. Der Senat hatte dem Gesetz
bereits im vergangenen Monat mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Das
Vorhaben trägt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und
Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der es maßgeblich vorangetrieben hatte.
Das Gesetz berechtigt Trump unter anderem, die fünf größten Käufer
russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen – sowie die fünf Länder,
die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit
könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter
strapazieren, die große Mengen russisches Erdöl beziehen.
Zunächst sollen die fünf größten Käufer russischer Energie im Jahr vor
Inkrafttreten des Gesetzes ins Visier genommen werden. Die Zölle auf
Einfuhren dieser Länder in die USA dürfen demnach bis zu 100 Prozent
betragen. Die Höhe kann mit der Zeit angepasst werden, je nachdem, ob ein
Land sich bemüht, von russischem Öl und Gas loszukommen. Wer die fünf
größten Importeure sind, soll alle 180 Tage neu ermittelt werden.
Zugleich soll es Ausnahmen für Länder geben, deren Einfuhren weniger als 15
Prozent der russischen Erdgas-Exporte in einem Zwölfmonatszeitraum
ausmachten. Ausnahmen soll es auch für diejenigen geben, die Maßnahmen
ergreifen, um diese Käufe zu reduzieren. „Unsere europäischen Verbündeten
sind hier also nicht betroffen“, betonte der demokratische Senator Richard
Blumenthal Mitte Juli. Neben den Russland-Sanktionen setzt das Gesetz auch
den Rahmen für eine Verlängerung der Sanktionen gegen den Iran bis zum Jahr
2031. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Gesetz für
Russland-Sanktionen bereits im August begrüßt, als es den Senat passierte.
(dpa)
## Schwerer russischer Raketenangriff auf Kyjiw
Russland hat die Ukraine nach einigen Nächten Pause wieder mit
ballistischen Raketen beschossen. Gegen die [1][Hauptstadt Kyjiw] wurden
nach Angaben militärnaher Telegramkanäle bis zu sechs umfunktionierte
Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Zirkon eingesetzt. Ein dpa-Reporter hörte
mehrere schwere Explosionen in der Stadt. Mindestens elf Menschen wurden
verletzt, schrieb Bürgermeister Vitali Klitschko auf der Plattform
Telegram. Laut Militärverwaltung war unter den Verletzten auch ein
zehnjähriges Kind.
Klitschko zufolge gab es Schäden unter anderem an Bürogebäuden, einem Lager
und einem Wohnhaus. Medienberichten zufolge kam es in einigen Stadtteilen
am Ostufer des Dnipro zu Problemen mit der Wasserversorgung. Auch die
Großstädte Dnipro und Saporischschja im Süden wurden nach Angaben der
ukrainischen Luftwaffe mit ballistischen Raketen angegriffen.
Ihrerseits griff die Ukraine laut Berichten von Telegramkanälen Ziele in
Russland mit Kampfdrohnen an. Dazu zählten die Stadt Rostow im Süden des
Landes sowie die Stadt Jaroslaw nordöstlich von Moskau. Mehrere russische
Flughäfen mussten den Betrieb zeitweise einschränken, wie die
Luftfahrtbehörde Rosawiazija mitteilte. (dpa)
## Schäden in Odessa
Die ukrainischen Behörden meldeten einen Angriff auf die Hafenstadt Odessa
im Süden des Landes. Die Militärverwaltung von Odessa teilte indes bei
Telegram mit, dass ein 19-stöckiges Wohnhaus in der Schwarzmeerstadt bei
Angriffen beschädigt worden sei. Mehrere Stockwerke seien zerstört. (afp)
## Selenskyj erwartet neue Rüstungshilfen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet neue westliche
Unterstützungspakete, darunter vor allem Mittel zur Flugabwehr. „Wir
bereiten neue Treffen mit unseren Partnern in den USA vor“, sagte der
Staatschef in einer Videobotschaft. Bei den Beratungen werde es um Schritte
hin zu einem Frieden mit Kriegsgegner Russland, die Probleme der
ukrainischen Energiewirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Waffen gehen. Es
seien auch Gespräche über das in Entwicklung befindliche System zur Abwehr
ballistischer Raketen Freyja geplant.
Kommende Woche wird in New York eine Rede Selenskyjs bei der jährlichen
Generaldebatte der Vereinten Nationen erwartet. Der Ukrainer hatte am
Dienstag bereits angekündigt, dass er in den USA Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron treffen werde. Selenskyj drängt auch auf Gespräche mit
US-Präsident Donald Trump in New York. Dabei soll es auch um eine mögliche
Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen und zur See gehen. Die
Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Unterstützung gegen
eine großangelegte russische Invasion. (dpa)
## Russischer Angriff zerstört Lager von Selenskyjs Medienfirma
Bei einem russischen Drohnenangriff ist ein Lager in Kyjiw mit dem Fundus
des von Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgegründeten Medienunternehmens
„Kvartal 95“ zerstört worden. „Damit haben wir eine große Menge an
Kulissen, Kostümen und Gegenständen verloren, die zwanzig Jahre lang Teil
unserer Konzerte, Fernsehsendungen, Filme und Serien waren“, teilte das
Unternehmen bei Facebook mit. Das seien nicht nur einfach Dinge, sondern
die Geschichte des „Kvartals“.
Verletzte habe es bei dem Angriff in der ukrainischen Hauptstadt in der
Nacht zum Mittwoch nicht gegeben. Die Shows der Komödiantentruppe des
Produktionsstudios würden dennoch „mit oder ohne Requisiten“ fortgesetzt.
„Denn Lachen ist heute auch ein Teil des Lebens“, hieß es in der
Mitteilung. Das Leben gehe weiter.
Bei dem Drohnenangriff sei zudem eine Lagerhalle des Wohltätigkeitsfonds
von Selenskyjs Ehefrau Olena mit humanitären Hilfsgütern getroffen worden.
„Es brannte komplett aus“, teilte die Organisation bei Facebook mit.
Vernichtet wurden demnach Notstromaggregate, medizinische Ausrüstung, aber
auch Haushaltsgeräte, Notebooks und Tablets. Die Sachen seien für die
Ausbildung von Kindern sowie für Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen und
für Familien bestimmt gewesen. (dpa)
## Nato: Russische Behauptung zu Leipzig-Ermittlung ist absurd
Die Nato hat die Darstellung Russlands zurückgewiesen, wonach das
Militärbündnis die deutschen Erkenntnisse zu dem [2][Sprengstoffdrohnenfund
auf dem Flughafen in Leipzig/Halle] anzweifelt. „Die Behauptung des
russischen Geheimdienstes, wonach die Nato keine Belege für eine russische
Beteiligung an dem Drohnenvorfall in Leipzig gefunden habe, ist absurd“,
sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Geheimdienstexperten der Nato seien wie Deutschland zu dem Schluss
gekommen, dass Russland hinter dem hybriden Angriff am 4. August stecke.
„Russland hat nachweislich immer wieder versucht, verbündete Staaten zu
destabilisieren und uns davon abzubringen, die Ukraine zu unterstützen“,
fügte der Bündnissprecher hinzu. Russlands rücksichtsloses Vorgehen sei
gefährlich. Aber man werde sich nicht davon abbringen lassen, die Ukraine
weiter zu unterstützen. (dpa)
## Putin: Parlamentswahl wird Beitrag zum Sieg Russlands
Der russische Staatschef Wladimir Putin stellt die kommende Parlamentswahl
als Symbol der Einigkeit seines kriegführenden Landes dar. „Die Teilnahme
an den Wahlen ist unser gemeinsamer Beitrag zum Sieg Russlands“, sagte er
in einer Videoansprache. Die Wahl solle zeigen, „dass hinter unseren
Kämpfern Millionen Menschen stehen, dass wir ein geeintes Volk sind“, sagte
Putin. Er gehe davon aus, dass die „würdigsten Kandidaten“ gewinnen.
Vom 18. bis 20. September sind [3][mehr als 110 Millionen Russinnen und
Russen zur Wahl von 450 Abgeordneten für die neue Staatsduma in Moskau]
aufgerufen. Die Opposition ist nicht zugelassen. Nach dem Ausschluss der
Antikriegspartei Jabloko stehen insgesamt zehn kremltreue Parteien auf dem
Wahlzettel. Neben der Regierungspartei Geeintes Russland, deren Sieg als
sicher gilt, sind im Parlament bisher vier weitere systemtreue Parteien
vertreten.
Gegen den Willen der Ukraine wird die Wahl erstmals auch in den von
Russland kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Regionen
Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson durchgeführt. Neben der
Duma-Wahl werden auch in acht Regionen Abgeordnete für Gebietsparlamente
gewählt. Insgesamt laufen laut Wahlleitung rund 2.200 Wahlen auf
verschiedenen staatlichen Ebenen. (dpa)
## Selenskyj: Keine Einigung über Angriffe auf Energieanlagen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einer Darstellung von
US-Präsident Donald Trump widersprochen, wonach sich die Ukraine und
Russland auf einen Stopp gegenseitiger Angriffe auf Energieanlagen geeinigt
hätten. Selenskyj sagte dem US-Sender CBS News, die Ukraine sei zu einer
solchen Vereinbarung bereit, sofern Russland die Angriffe auf ukrainische
Energieanlagen einstelle.
Trump hatte am Montag in einem Beitrag in den sozialen Medien erklärt, eine
entsprechende Einigung sei erzielt worden. Einzelheiten nannte er nicht.
Frühere Versuche, zumindest eine begrenzte Waffenruhe auszuhandeln, waren
wiederholt binnen weniger Stunden gescheitert. Beide Seiten warfen sich
anschließend Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
Selenskyj sagte, eine mögliche Waffenruhe im Energiebereich sei bei einem
kürzlichen Treffen in Kiew mit Trumps Gesandten Steve Witkoff und Jared
Kushner erörtert worden. Er habe dabei klargestellt: „Wenn die Russen zu
einer Waffenruhe im Energiebereich bereit sind, bedeutet das, dass es
überhaupt keine Angriffe mehr auf Energieanlagen geben wird.“ (ap)
17 Sep 2026
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