# taz.de -- Berliner Linke fordert Luxusvillensteuer: 3.000 Luxusimmobilien wären in Berlin-Grunewald betroffen
> Die Linke hat eine Luxusvillensteuer für Immobilien mit einem Wert von
> über 4 Millionen im Wahlprogramm. Was halten die Menschen vor Ort davon?
(IMG) Bild: Die Linke fordert eine Grundsteuer für Luxusimmobilien und ein progressives Anheben der Zweitwohnungssteuer
Die Linke fordert im Wahlkampf eine Luxusvillensteuer für Berlin. „Wir
wollen die Reichen und Superreichen in Berlin stärker zur Kasse bitten“,
erklärt Niklas Schenker, mietenpolitischer Sprecher der Linksfraktion. Und
dort, wo sich traditionsgemäß Villen befinden – im ruhigen Grunewald –,
schimpft eine rüstige Frau mit bellendem Rauhaardackel an der Hand: „Klar,
nur die Reichen sollen zahlen!“
Seit Ende des 19. Jahrhunderts stehen rund um die prächtige Bismarckallee
die Villen der Upperclass. Damals wurden die Grundstücke in der
Villenkolonie Grunewald meist mit einer Fläche von mindestens 1.200
Quadratmetern verkauft, zu teuer für die Mittelklasse.
Hildegard Knef, Helene Lange, Romy Schneider – sie alle lebten in dem
beschaulichen Stadtteil. Bankiers, Industrielle und das gut betuchte
Bildungsbürgertum schufen sich hier Anfang des letzten Jahrhunderts eine
eigene Kulturszene. Heute besitzen Promis wie Sarah Connor, Paul van Dyk
oder Olli Schulz Grundstücke. Sogar Justin Bieber residierte hier 2016
kurzzeitig in einer prachtvollen Villa.
„Ich verstehe nicht, warum. Warum denn ausgerechnet vier Millionen?“,
schüttelt ein schicker junger Mann den Kopf über die Idee der Linken, dass
eine Luxusvillensteuer für Immobilien ab einem Wert von 4 Millionen fällig
werden würde. Gemeinsam mit seiner Frau schiebt er stolz seinen Kinderwagen
über den Johannaplatz.
Die Linke wiederum erklärt, sie strebe ein Gesamtpaket aus drei Maßnahmen
an: Anhebung der Grunderwerbsteuer, höhere Grundsteuer für Luxusimmobilien
und ein progressives Anheben der Zweitwohnungssteuer. 300 Millionen
jährlich solle das Reformpaket bringen, um so etwa den Mietendeckel für die
kommunalen Wohnungen zu finanzieren.
## Anhebung der Grunderwerbsteuer
Allein mit der Anhebung der Grunderwerbsteuer von aktuell 6 Prozent auf
mindestens 6,5 Prozent – wie in Brandenburg – hätte das im letzten Jahr
82,5 Millionen Euro mehr in die Kassen gespült. „Mit den zusätzlichen
Einnahmen in Millionenhöhe wollen wir zum Beispiel den Aufbau unserer
Behörde gegen illegale Mieten finanzieren und den sozialen Wohnungsbau in
Berlin stärken“, erklärt Niklas Schenker aus der Linksfraktion auf Anfrage
der taz.
In einer Nebenstraße vom Johannaplatz wartet vor dem Gymnasium ein weiteres
Pärchen auf den Elternabend ihres Sohnes. Bereitwillig kommen sie ins
Gespräch. „Da ich keine Villa besitze, habe ich damit erst mal kein
Problem“, lacht der ehemalige SPD‑Wähler. Auch er rechnet sich und seine
Familie zum „normalen Mittelstand“. Obwohl die beiden in Marienfelde
wohnen, muss ihr Sohn in Grunewald zur Schule. „Ich finde, in anderen
Ländern sind die Vermögenden viel eher bereit, mehr zu zahlen.“ Und er
selbst würde bereitwillig mehr von seinem Einkommen abgeben, auch wenn sie
bei Weitem nicht in einer Millionenvilla leben.
Das junge Pärchen mit dem mintfarbenen Kinderwagen dagegen glaubt, Berlin
habe eher ein Ausgabenproblem. Ihre Familien leben seit vielen Generationen
in der Stadt und so sehen sie Probleme in der Wertsteigerung der
elterlichen Immobilie in Zehlendorf. Denn mittlerweile sei das Häuschen
über eine Million Euro wert, obwohl die Eltern es einst für viel weniger
gekauft hätten. Die Erbschaftsteuern könnten die beiden eventuell dazu
zwingen, das Haus zu verkaufen, erzählt die junge Ärztin sichtlich bewegt.
„Das klingt vielleicht wie ein Luxusproblem, aber für die Leute, die hier
wohnen, ist es kein Grundstück im Wert von Millionen, sondern das
Elternhaus“, pflichtet ihr Mann bei.
Derzeit geht die Linke von rund 3.000 betroffenen Luxusimmobilien in Berlin
aus. Wie hoch die konkreten Einnahmen aus dieser neuen Steuer wären, ist
noch nicht klar. Vorreiter sei Hamburg, der Stadtstaat habe nach Einführung
so einer Steuer im letzten Jahr rund 4 Millionen Mehreinnahmen erzielt. So
ginge es der Linken vielmehr um eine Lenkungswirkung, um Spekulationen
entgegenzuwirken, erklärt der wohnungspolitische Sprecher.
Die empörte Frau mit ihrem Dackel ist dagegen der AfD nicht abgeneigt, denn
die Gehälter von Politikern wie „Fritze Friedrich“ seien ein Unding. „Auch
Beamte dürfen mal zur Kasse gebeten werden!“, schlägt ihre ebenso empörte
Begleitung vor. Aber bei einer Villensteuer höre es auf: „Die, die in einer
Villa leben, haben dafür irgendwas getan!“ Oder sie hätten geerbt und
kümmern sich nun um ihren Besitz. 140.000 Millionäre hätten im letzten Jahr
Deutschland verlassen und „ihre gebündelte Kohle“ mitgenommen, behauptet
sie. Tatsächlich wanderten nach Schätzungen des Forschungsunternehmens New
World Wealth im vergangenen Jahr mehr als 140.000 Millionäre aus –
weltweit.
Und Deutschland landet laut UBS Global Wealth Report mit rund 2,6 Millionen
Menschen, die mehr als eine Million US-Dollar besitzen, im internationalen
Vergleich auf Platz vier, was die Anzahl der Millionär:innen angeht –
Tendenz steigend.
Auf dem Luxusmarkt werben Immobilienunternehmen mit einer „kontinuierlichen
Wertsteigerung“ in der Hauptstadt. So bietet Luxus.immo im Grunewald
Immobilien im Wert von 8.000 bis 20.000 Euro pro Quadratmeter. Die
Koenigsallee nur wenige Meter entfernt zählt zu den teuersten Straßen
Berlins. „Im Vergleich zu anderen deutschen Luxusstandorten wie München
oder Hamburg bietet Berlin nach wie vor ein attraktives
Preis-Leistungs-Verhältnis bei deutlich größerer kultureller Vielfalt und
internationalem Flair“, heißt es online. Der Gesamtpreis für einzelne
Grundstücke mit gigantischen Parkanlagen reicht hier bis zu 25 Millionen
Euro.
## Die niedrige Grundstücksteuer
Ganz anders als die beiden schimpfenden Frauen sieht das die schicke
US-Amerikanerin, deren kleine Haushälfte in der Nähe des Johannaplatzes
steht. Sie arbeitet in der Verwaltung und ist begeistert von der
Steueridee: „Ja, ich finde das gut.“ Sie beklagt die niedrige
Grundstückssteuer in Berlin. Eine Villensteuer würde für sie die
Solidarität des Sozialstaates stärken und einer gesellschaftlichen Spaltung
entgegenwirken, denn für sie sei es ungerecht, dass Milliardäre im
Verhältnis weniger Steuern zahlen als die arbeitende Mittelschicht.
Das findet auch der junge Pakistaner, der in einer Nebenstraße gerade aus
seinem geleasten Mercedes steigt. Er arbeitet in einer Bank und habe
Steuerklasse I. „Die Hälfte meiner Einkünfte geht für Versicherungen,
Steuer und Rente drauf.“ Auch er hält es für unfair, dass die Mittelklasse
so stark mit Abgaben belastet wird, und spricht sich für eine höhere
Besteuerung von Leuten aus, die „Millionen und Abermillionen“ besitzen. Er
selbst wohnt nur zur Miete.
Schaut man sich unter der Woche im Grunewald um, trifft man auf keine
Superreichen. Vielmehr schlendert um den grünen Johannaplatz häufig eine
gut verdienende Mittelschicht nach Hause. Die Reichen und Berühmten wollen
hier entweder zurückgezogen leben oder nutzen die Grundstücke als reine
Investitionen.
Verwaltungsmitarbeiterin, Handwerksmeister, Ärztin, Rentner und
internationale Leute – von all den Angesprochenen waren letztlich zwei
Paare und eine Frau vehement gegen eine Villensteuer und fünf Befragte klar
dafür.
Nur in einem waren sich alle einig: Berlin hat ein Wohnraumproblem.
16 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Dana Müller
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