# taz.de -- Tötungen von Aktivist*innen: Wo Umweltschutz lebensgefährlich ist
> An jedem dritten Tag wurde 2025 ein*e Umweltschützer*in getötet, sagt
> die Menschenrechtsorganisation Global Witness. Die Dunkelziffer ist hoch.
(IMG) Bild: Hohes Risiko für sie selbst: Indigene Kakataibo patrouillieren im Wald der Gemeinde Yamino im Gebiet Ucayali in Peru
Im Amazonasgebiet in Yamino, Peru, hat sich die „Indigene Wache“ der
Gemeinde der Kakataibo zum Auftrag gemacht, ihr Land und den Regenwald vor
illegaler Abholzung zu schützen. Sie überwachen ihr Land, rufen staatliche
Institutionen an. Seit 2020 wurden sechs Anführer dieser Wache getötet.
Peru zählt zu einem der gefährlichsten Länder für Umwelt- und
Landschützer*innen. Seit 14 Jahren dokumentiert die britische
Menschenrechtsorganisation Global Witness Tötungen von Menschen, die sich
für den Planeten einsetzen.
Dem [1][jüngsten Bericht] zufolge wurden 2025 124 Aktivist*innen Im
Zusammenhang mit ihrer Arbeit umgebracht. Es sind etwas weniger [2][als im
Jahr davor]. Doch die tatsächliche Zahl getöteter
Menschenrechtler*innen dürfte um einiges höher sein. Nicht immer sind
sie Teil eines Netzwerks, das sich Öffentlichkeit verschaffen kann. Zudem
müssten Opfer und zivilgesellschaftliche Gruppen mit Repressalien rechnen,
wenn sie Missstände melden, schreiben die Autor*innen. Besonders schwierig
ist die Recherche in Gebieten mit bewaffneten Konflikten oder
Massentötungen.
Kolumbien ist wie in den vergangenen Jahren das tödlichste Land für den
Einsatz zum Schutz der Erde. Hier konnte Global Witness 39 Tötungen im
vergangenen Jahr verifizieren. In Brasilien hat sich die Anzahl sogar
verdoppelt: 26 Aktivist*innen wurden 2025 getötet. Und in Honduras und
den Philippinen wurden jeweils 12 Morde dokumentiert.
## Kürzungen bei Menschenrechtsorganisationen
Seit Jahren führen südamerikanische Länder die Liste von Global Witness an.
Einer der Gründe dafür sei allerdings, dass die Organisation dort einen
besseren Zugang zu Informationen habe als in afrikanischen und asiatischen
Ländern, erklären die Autor*innen.
Fast drei Viertel der dokumentierten Fälle betrafen indigene Menschen und
Kleinbäuer*innen, „die gezielt getötet wurden, weil sie ihre Gebiete und
ihren Zugang zu Land verteidigten“, heißt es weiter.
Bei mehr als der Hälfte der Tötungsdelikte waren [3][Landkonflikte] der
Auslöser, gefolgt von Rohstoffprojekten – hier war der Bergbau mit 11
Fällen in den Philippinen, Peru, Indien und der Demokratischen Republik
Kongo der tödlichste Sektor. 8 Tötungen standen im Zusammenhang mit
Interessen der Holzindustrie, etwa in Mexiko, Honduras, Peru, Guatemala und
Brasilien. Im Kontext der Ausweitung industrieller Landwirtschaft wurden 6
Tötungen gezählt. Hinter den Morden stehen häufig kriminelle Banden, aber
auch Unternehmen oder staatliche Akteure.
## Besserer Schutz nötig
Global Witness ruft Regierungen dazu auf, die kollektiven Land- und
Ressourcenrechte traditioneller Gemeinschaften besser zu schützen. Außerdem
sollten sie Gewalttaten und Morde an Umweltaktivist*innen besser
dokumentieren. Weiterhin müssten Schutzmechanismen und Strafverfolgung
verbessert werden. Firmen sollten verpflichtet sein,
Menschenrechtsverletzungen entlang ihrer Lieferketten zu ahnden.
Auch die massiven [4][Kürzungen von Entwicklungsgeldern] durch die USA,
Deutschland und andere Geberländer im Jahr 2025 beschnitten die Budgets von
Menschenrechtsorganisationen und führten zu einer „drastischen
Verringerung“ der weltweiten Unterstützung von indigenen Völkern und
Kleinbauern, während sie die Wälder und Umgebungen schützen, die ihre
Gemeinschaften ernähren und zur Stabilität des globalen Klimas beitragen“,
sagt Juliana Vélez Echeverri von Global Witness.
Joan Carling, Geschäftsführerin der Vereinigung Indigenous Peoples’ Rights
International, kritisiert im Bericht zudem, dass indigene Völker weiterhin
aus wichtigen Entscheidungsgremien ausgeschlossen würden: „Infolgedessen
führen gerade jene Projekte, die als Lösungen angepriesen werden –
erneuerbare Energien, Übergangsmineralien – zu Landraub, Enteignung und
Gewalt“. Carling betont hingegen die Bedeutung indigenen Wissens für
Klimaschutz. „Wir wollen zu den gemeinsamen weltweiten Bemühungen
beitragen“, schreibt sie.
16 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://globalwitness.org/en/campaigns/land-and-environmental-defenders/collective-power/
(DIR) [2] /Gefaehrdete-Umweltschuetzerinnen/!6110467
(DIR) [3] /Landkonflikte-in-Brasilien/!6182844
(DIR) [4] /Groessere-Not-weniger-Geld/!6208021&s=entwicklung+k%C3%BCrzungen/
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
## TAGS
(DIR) Umweltschutz
(DIR) Landrechte
(DIR) Menschenrechte
(DIR) Aktivismus
(DIR) Indigene
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Landkonflikte in Brasilien: Die Rückeroberung
Das Volk der Pataxó kämpft um die Rückgabe ihrer Gebiete. Auf Regierung und
Justiz können sie sich nicht verlassen – also besetzen sie Farmland.
(DIR) Jahrestag in Honduras: Warum Berta Cáceres ermordet wurde
Vor zehn Jahren wurde die honduranische Umweltaktivistin Berta Cáceres
getötet. Mutmaßliche Hintermänner des Auftragsmordes sind bis heute
straffrei.
(DIR) Nach Protest gegen illegale Abholzung: Waldschützer in Guatemala nach Drohungen ermordet
Der Öko-Aktivist wurde tot im Biosphärenreservat Sierra de las Minas
aufgefunden. In Lateinamerika gibt es immer wieder Morde an
Umweltschützer*innen.