# taz.de -- Göttingens grüne OB-Kandidatin: Migrantisch, jung, ambitioniert
> Onyeka Oshionwu hat beste Chancen, am 27. September Göttingens neue
> Oberbürgermeisterin zu werden. Ihrem Wahlkampf zollt auch die Konkurrenz
> Respekt.
(IMG) Bild: Selbstbewusst: Schon vor Auszählung des ersten Wahlgangs wies dieses Plakat auf die Stichwahl hin – ein Fehler der Werbefirma
Die – aller Voraussicht nach – künftige Göttinger Oberbürgermeisterin hat
migrantische Wurzeln, ist jung und Mitglied der Grünen. Onyeka Oshionwu
(34) holte bei der [1][Kommunalwahl am vergangenen Sonntag] 41,4 Prozent
der Stimmen. Sie geht als klare Favoritin in die Stichwahl am 27. September
gegen den zweitplatzierten CDU-Mann Ehsan Kangarani – auch er ist ein
Kandidat mit Migrationshintergrund.
Ihr gutes Ergebnis verdankt Oshionwu einerseits der starken politischen
Verankerung der Grünen in Göttingen, die im Kommunalparlament erneut die
[2][mit Abstand stärkste Fraktion] stellen. Zum anderen hat sie einen
Wahlkampf hingelegt, der auch Vertreter:innen anderer Parteien Respekt
abnötigte.
Wochenlang war Oshionwu von frühmorgens bis spätabends auf Achse. Am
Infostand, beim Plakateaufhängen, bei Podiumsdiskussionen und sogenannten
„Wohnzimmergesprächen“, wo sie – oft in privaten Haushalten – in kleiner
Runde ihre Ideen von einer ökologischen und sozialen Stadt vorstellte. Ihr
Wahlkampfteam bespielte die Auftritte sowohl für die klassischen Medien als
auch für Social Media.
Ihre Botschaften und Visionen einer „Stadt für alle“ verknüpfte Oshionwu
mit den grünen Kernthemen Verkehr, Wohnen, Demokratie. „Ich will den
Klimaschutz in Göttingen weiterdenken“, sagt sie. Mehr Tempo beim Ausbau
der erneuerbaren Energien und der energetischen Sanierung. Mehr Bäume und
entsiegelte Flächen. Oshionwu will ein kommunales Hitzeschutzkonzept auf
den Weg bringen, mit mehr Schatten, mehr Trinkwasserstellen und mehr kühlen
Orten in öffentlichen Gebäuden.
## Radentscheid soll umgesetzt werden
Die Forderungen des von der gegenwärtigen Verwaltungsspitze [3][weitgehend
missachteten Radentscheids] möchte Oshionwu konsequent umsetzen, den ÖPNV
verlässlich und bezahlbar machen, die Mobilität dabei aber auch für die
Menschen verbessern, die aufs Auto angewiesen sind.
Die Allerweltsforderung nach bezahlbarem Wohnraum im überteuerten Göttingen
präzisiert Oshionwu auch mit konkreten Vorschlägen: Stärkung von
städtischem Wohnungsbau, Genossenschaften und gemeinschaftlichen
Wohnprojekten, mehr barrierefreier Wohnraum, Kampf gegen Leerstand.
Sie will eine städtische Anlaufstelle gegen Mietwucher einrichten und für
prekäre Wohnsituationen das vor Jahren in Berlin entwickelte [4][„Bunte
111“-Konzept] übernehmen. Danach entwickeln Eigentümer, Bewohnende und die
Stadt gemeinsam Lösungen, damit niemand mehr in verwahrlosten Häusern wie
in dem [5][verrufenen Komplex Groner Landstraße 9] leben muss.
Überhaupt sollen, wenn es nach Oshionwu geht, Ideen aus der Bevölkerung
stärker in politische Entscheidungen einfließen. Deshalb setzt sie auf
„Beteiligung von Anfang an“ – mit Formaten wie Bürgerforen und den im
Wahlkampf schon praktizierten Wohnzimmergesprächen, in denen die Leute ihre
Perspektiven direkt einbringen können. Im Rahmen eines eigens aufzulegenden
„Bürgerbudgets“ sollen die Göttinger:innen entscheiden, wofür das Geld
eingesetzt wird.
Onyeka Oshionwu ist die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer
deutschen Mutter und wuchs in Göttingen auf. Sie studierte an der örtlichen
Universität sowie an einer Hochschule in Südafrika Politik, Wirtschaft und
Englisch auf Lehramt. Um ihr Studium zu finanzieren und die Welt zu
bereisen, arbeitete Oshionwu über 15 Jahre lang parallel als
Flugbegleiterin bei der Lufthansa.
Hauptberuflich unterrichtet sie bisher im offenen Jugendvollzug jugendliche
Straftäter. Seit November 2021 ist Oshionwu Mitglied des Stadtrates und
ehrenamtliche Bürgermeisterin. Verwaltungserfahrung hat sie bisher
allerdings nicht, was manche in der Stadt kritisieren.
16 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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