# taz.de -- AfD verpasst Streamer Maulkorb: Warum das Pöbelverbot für „Aktivist Mann“ fadenscheinig ist
> Die AfD-Spitze hat einem rechtsextremen Streamer verboten,
> Journalist*innen bei AfD-Veranstaltungen zu belästigen. Eine
> taktische Distanzierung.
(IMG) Bild: Hofberichterstattung, wie die AfD sie sich wünscht: Westfal („Aktivist Mann“) interviewt Höcke unterwürfig, aber bepöbelt kritische Journalist*innen
Die AfD-Spitze verpasst dem rechtsextremen Aktivisten und Youtube-Streamer
Matthäus Westfal einen Maulkorb: In einem Beschluss nach einer
Telefonkonferenz am Montag fordert der Bundesvorstand alle
Parteigliederungen dazu auf, dem Videostreamer „Aktivist Mann“ den Zugang
zu Parteiveranstaltungen ausschließlich unter der Bedingung zu gewähren,
„dass dieser vorab verbindlich zusichert, andere Streamer und Journalisten
nicht zu belästigen“. Bei Zuwiderhandlungen solle die Akkreditierung von
Westfal übers Hausrecht oder die Polizei „unverzüglich entzogen“ werden.
Der Beschluss liegt der taz vor.
Zuletzt hatte vor allem die Aggressivität des Streamers für breite Kritik
gesorgt. Der hatte unter anderem bei der Wahlparty der AfD Sachsen-Anhalt
die Spiegel-Journalistin Ann-Katrin Müller minutenlang belästigt und
brüllte sie mit immergleichen nationalistisch-inquisitorischen Fragen und
Parolen an: „Sind Sie Deutsche?“, „Tun Sie was für Ihr Heimatland!“, oder
„wir brauchen nur noch pro-deutsche Journalisten!“ Danach postete er stolz
einen Zusammenschnitt seiner Belästigungen, der viral ging und selbst bis
in die AfD-Bubble für Kritik sorgte.
Genau das ist der Markenkern von „Aktivist Mann“, wie Westfal sich bei
Youtube nennt. In Vergangenheit hatte dieser sich mit der
Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck solidarisiert. 2020 beteiligte er sich
am Sturm der Reichtstagstreppe. Kürzlich antwortete er auf die Frage des
Youtubers Marcant, ob er an den Holocaust glaube, mit der Gegenfrage: „Bist
du Jude?“ Sein Auftreten war bereits vor den Wochen vor der Wahl derart
krawallig, dass er sogar bei Krawallmedien wie Nius für Kopfschütteln
sorgte und von der AfD Sachsen-Anhalt während des Wahlkampfs aufgefordert
wurde, sich ein paar Tage zurückzuhalten.
Zur Begründung des AfD-Beschlusses heißt es nun, dass es Westfals
Geschäftsmodell sei, Journalisten „zur Schau zu stellen“, die in der
AfD-Bubble kritisch gesehen würden – durch „belästigende Fragen und
pöbelhaftes Verhalten“. T-online hatte [1][zuerst über den geplanten
Beschluss berichtet].
## Ähnliches Geschäftsmodell wie die AfD
AfD-nahe Medien feierten die Abgrenzung als Reifungsprozess der Partei,
nachdem die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sich letzte
Woche distanziert und mit Konsequenzen gedroht hatten: „Beleidigungen und
verbales Bedrängen verbieten sich für Medienschaffende“, hatten Weidel und
Chrupalla gesagt. Das pöbelhafte Verhalten von Westfal würde mittlerweile
auch der AfD zugerechnet, heißt es weiter in der Begründung des
Vorstandsbeschlusses.
Das wiederum dürfte auch daran liegen, dass der Streamer damit ein
ähnliches Geschäftsmodell wie die AfD selbst verfolgt – nur eben mit
deutlich plumperem Auftreten. Tatsächlich zeigt der Beschluss einmal mehr,
wie geschickt die AfD kommuniziert: Formal grenzt sich die Partei deutlich
ab, während sie inhaltlich keine Kritik äußert und strukturell ähnlich
agiert. Weidel etwa raunzte in Vergangenheit selbst gerne
Journalist*innen für „dumme Fragen“ an. Chrupalla führte gar
[2][schwarze Listen mit kritischen Journalist*innen], nannte
Medienberichte in internen Schreiben „Feindpropaganda“ und rief dazu auf
„Hintergrundinformationen über als Journalisten getarnte
Zersetzungsagenten“ zu sammeln.
Besonders deutlich zeigt sich dieses strukturelle Angreifen von
Medienschaffenden gerade mit Blick auf die Spiegel-Reporterin Müller, die
wiederholt vom zweiten parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion
im Bundestag, Stephan Brandner, gezielt und persönlich angefeindet wurde –
und sich erfolgreich juristisch dagegen wehrte.
Die AfD setzt mit dem Beschluss offensichtlich darauf, dass weite Teile der
medialen Öffentlichkeit die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches haben:
Nur vor einer Woche saß Ulrich Siegmund noch in der Bundespressekonferenz,
sagte den angeblichen [3][„Fake News“ von kritischen Journalisten
seinerseits den Kampf an] und kritisierte explizit den Spiegel und den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sein Wahlversprechen ist die Kündigung des
Medienstaatsvertrages und damit ebenfalls eine Kampfansage an die
Pressefreiheit.
Im Gegenzeug lobte Siegmund ausdrücklich extrem rechte Streamer, die seinen
Wahlkampf begleiteten. Einer davon war eben jener Aktivist Matthäus
Westfal, der bereits vor der Wahlparty wiederholt durch extrem aggressives
Auftreten auffiel, Journalist*innen bedrängte, belästigte, körperlich
anging und sogar schubste. Siegmund hatte ihn trotzdem und explizit
namentlich in einem Podcast gelobt.
Für entsprechend unglaubwürdig hält die Spiegel-Reporterin Ann-Katrin
Müller selbst nun auch diesen Beschluss. Sie sagte der taz: „Es ist schon
bemerkenswert, wie viele Chancen die AfD denjenigen gibt, die ihre
Ideologie und Propaganda verbreiten. Ernsthafte Konsequenzen sähen anders
aus.“ Zudem sei es geradezu ironisch, wenn die AfD-Spitze sich nun zum
Bewahrer der Pressefreiheit aufschwinge, so Müller: „Schließlich haben
AfD-Spitzenfunktionäre jahrelang selbst die Pressefreiheit angegriffen und
viele der kritischen Berichterstatterinnen und Berichterstatter als Feinde
markiert.“
Der rechtsextreme Streamer pöbelt unterdessen in Richtung seiner Kritiker
unbeeindruckt weiter herum: „Zerreißt euch euer Maul weiter ihr
unmaskulinen Streithähne! In allen 16 Bundesländern steht das deutsche Volk
hinter mir! Was habt ihr die letzten 14 Jahre für Deutschland geleistet?“
Solidarität bekommt Westfal unter anderem auch vom ehemaligen Kader der
Identitären Bewegung Simon Kaupert: „Wer sich distanziert, erledigt das
Geschäft des Feindes“, schreibt dieser auf X. Er hat weite Teile des
Siegmund-Wahlkampfs gefilmt und inszeniert und geht in Sachen Bekämpfung
der Pressefreiheit sogar noch weiter: Er forderte mit Blick auf einen
FAZ-Journalisten: „Man kann übrigens auch als Deutscher aus unserer
Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden, zum Beispiel wenn man ein
antideutscher Mainstreamjourno ist.“ Der Begriff der „Volksgemeinschaft“
ist eine klare Bezugnahme auf den Nationalsozialismus.
14 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101433662/-aktivist-mann-afd-spitze-will-poebel-streamer-eine-grenze-setzen.html
(DIR) [2] /Pressefreiheit-bei-der-AfD/!5866873
(DIR) [3] /AfD-nach-Wahlerfolg-Sachsen-Anhalt/!6210800
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) GNS
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