# taz.de -- Wahlen in japanischer Präfektur: Wirtschaft statt Pazifismus
> Zweimal gewann Denny Tamaki in Okinawa mit einer Anti-Militär-Politik.
> Doch junge Japaner auf dem Archipel haben inzwischen andere Prioritäten.
(IMG) Bild: Denny Tamaki am Wahltag in Naha, Provinz Okinawa
Als das japanische Fernsehen nach Schließung der Wahllokale die Niederlage
Denny Tamakis bei der Gouverneurswahl in Okinawa verkündete, hatte der
66-Jährige Tränen in den Augen. Doch dann erhob er sich in seinem weinroten
Okinawa-Shirt mit Blumenmuster und [1][tanzte einen Kachashi], um seinen
Anhängern zu danken. Der traditionelle Tanz wird vor allem bei freudigen
Anlässen wie Hochzeiten aufgeführt.
Mit 150.000 Stimmen Rückstand unterlag Tamaki klar seinem 42-jährigen
Herausforderer Genta Koja. Der Amtsverlust zeichnete sich bereits in
Vorwahlumfragen ab. Tamaki strebte eine dritte Amtszeit an, während der
Ex-Vizebürgermeister von Naha erstmals kandidierte. Koja trat zwar als
Unabhängiger an, [2][wurde aber von der Regierungspartei (LDP)
unterstützt.] Damit übernimmt in der Präfektur Okinawa, bestehend aus
mehreren Inselgruppen im Süden Japans, nach zwölf Jahren wieder ein
Vertreter von der konservativen Regierungsseite das Amt. Tamaki hatte die
Unterstützung der linksgerichteten „All Okinawa“-Koalition.
Ein Generationenkonflikt entschied die Wahl: Laut Exit-Umfragen des
TV-Senders NHK stimmten rund 70 Prozent der 18- bis 39-Jährigen für Koja.
Dagegen wählten „nur“ über 60 Prozent der 50-Jährigen, mehr als die Hälfte
der 60-Jährigen und über 60 Prozent der über 70-Jährigen Tamaki. Koja, wie
viele seiner Wähler, wurde erst nach der Rückgabe Okinawas an Japan 1972
geboren.
Tamaki gewann die Gouverneurswahl zwei Mal, weil er gegen die Verlegung
einer US-Militärbasis innerhalb Okinawas kämpfte. Der Stützpunkt Futenma im
dicht besiedelten Ginowan sollte nicht ins ländliche Henoko umziehen,
sondern ganz von Okinawa verschwinden, so die Forderung von Tamaki und
seinen Unterstützern. [3][70 Prozent des US-Militärstützpunkte in Japan
sind auf der Hauptinsel Okinawa stationiert]. Trotz seines Widerstands
konnte Tamaki die Baufortschritte in Henoko in acht Jahren nicht stoppen.
Koja unterstützt die von der Zentralregierung geplante Verlegung.
## It was the economy
Bei dieser Wahl zählte für die Wähler aber vor allem die Wirtschaft. Laut
einer Umfrage der Zeitung Mainichi und des TV-Senders Ryukyu nannten 53
Prozent die wirtschaftliche Lage als wichtigstes Thema, nur 17 Prozent die
Stützpunktfrage. Koja, ein studierter Pharmazeut und Karrierebeamter aus
Tokio, versprach den wirtschaftlichen Aufschwung, den viele sich wünschten.
Er kündigte an, das Pro-Kop-Einkommen zu verdoppeln. Derzeit liegt Okinawa
unter allen 47 Präfekturen Japans auf dem letzten Platz.
Tamaki hatte die Stützpunktfrage im Wahlkampf bereits weniger betont und
stattdessen auf den Tourismus gesetzt. Doch der klare Sieg von Koja, einem
Vater von fünf Kindern, deutet auf einen nachlassenden Widerstandsgeist
unter den Menschen auf der Insel hin, wo der Zweite Weltkrieg besonders
hohe Opferzahlen gefordert hatte.
Tamaki, Sohn eines US-Soldaten und einer Japanerin, weinte wohl auch, weil
seine Niederlage den Weg für eine stärkere Militarisierung der Insel ebnet.
Okinawa liegt strategisch in der „ersten Inselkette“ vor Chinas Festland.
Chinesische Kriegsschiffe müssen sie passieren, um in den Pazifik zu
gelangen. Bei einem Konflikt um Taiwan könnte Okinawa wegen der großen
US-Bomberflotten Ziel chinesischer Angriffe werden.
Tamaki machte Online-Schmutzkampagnen für seine Niederlage verantwortlich.
In gefälschten Massen-E-Mails gaben sich Absender als Tamaki aus und
forderten unter anderem die Umbenennung Okinawas in Ryukyu, was eine
Abspaltung von Japan bedeutet hätte. Viele Accounts von außerhalb Okinawas
schürten Wut gegen Tamaki, mutmaßlich, um Werbeeinnahmen zu generieren.
Tamaki sprach von „schrecklichen Zuständen“.
14 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/ca970008f4/status/2099104105528709512?s=20
(DIR) [2] /Wahlen-in-Japan/!6152471
(DIR) [3] /Protest-gegen-US-Praesenz-in-Okinawa/!5854603
## AUTOREN
(DIR) Martin Fritz
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