# taz.de -- US-Basketballerinnen werden Weltmeister: Zum Schwärmen schön
> Die US-Basketballerinnen gewinnen zum fünften Mal in Folge das WM-Finale.
> Ihre Siegesgewissheit hilft ihnen gegen lange Zeit sehr starke
> Französinnen.
(IMG) Bild: Schwer zu verteidigen: Die US-Kapitänin Breanna Stewart wird hier von der Französin Marine Johannes bedrängt
Was war da in der Halbzeitpause nur im Umkleideraum passiert? Das wollten
sie alle wissen nach dem Spiel und der Siegerinnenehrung in der Berliner
Arena nahe des Ostbahnhofs am sehr späten Sonntagabend. Im zweiten Viertel
des Finalspiels der WM schien es kurz so, als könnte Frankreich den Lauf
der US-Amerikanerinnen der letzten 16 Jahre stoppen, die „Queens of
Basketball“ entthronen. Und sich damit auch noch für die knappe Niederlage
im Finale der Olympischen Spielen in Paris vor zwei Jahren (67:66) rächen.
Die Würfe fallen, die Verteidigung sitzt. Die Dreierquote der Französinnen
erreicht zwischenzeitlich fast 60 Prozent. Über eine lange Strecke führen
„Les Bleues“ sogar. Und dann kommt die Pause, das dritte Viertel, und die
USA gewinnen doch zum fünften Mal in Folge die WM. Das deutliche 97:79
spiegelt letzten Endes nicht die streckenweise hervorragende Leistung der
Französinnen wider.
Von Beginn an verspricht das Finale ein noch höheres Spielniveau als alle
anderen Spiele des Turniers davor. Kein Wunder, schließlich spielen selbst
im französischen Kader zwei Drittel des Teams in der WNBA. Sue Bird, Dirk
Nowitzki, Dennis Schröder, Pau Gasol, all die Stars sowie über 12.000 Fans
sind vor Ort, um sich das anzusehen. Für Frankreich ist es das erste
WM-Finale überhaupt, aber sie lassen sich – zumindest in der ersten Hälfte
– nicht von den Topfavoritinnen einschüchtern.
Doch was auch immer da besprochen wurde im Lockerroom, nach der Pause legen
die USA einen Gang zu, einen zu viel für das französische Team. „Wir haben
das Gaspedal durchgedrückt und sind davongefahren“, besser kann es US-Coach
Kara Lawson tatsächlich nicht beschreiben. Wobei, das zweite Viertel sei ja
eigentlich ihr liebstes gewesen, da habe man gesehen, wie resilient ihr
Team sei.
## Gegenseitige Lobhudelei
Es lässt sich nicht abstreiten, dass die USA einfach eine unglaubliche
Qualität im Kader haben. Doch Lawson [1][und Breanna Stewart], MVP des
Turniers und nun zum vierten Mal Weltmeisterin geworden, kommen nach dem
Spiel aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Vergessen scheint auch der
kurze Schock in der Gruppenphase, als man fast ein Spiel gegen Italien
verlor.
„Stewie“ sei eine unglaubliche Spielerin, die jede Position spielen kann,
nur um zu gewinnen, sagt Lawson. „Das Gesicht des US-Basketballs der
letzten 14 Jahre.“ Woraufhin Stewart kontert, sie habe auch für Kara
gewinnen wollen, weil diese so ein großartiger Coach sei. Dann lobt sie
auch noch die so kämpferischen jungen Spielerinnen.
Zu denen gehört auch [2][Superstar Caitlin Clark], die tatsächlich hinter
ihren Erwartungen zurückgeblieben ist. Im Finale steht sie nur 13 Minuten
auf dem Parkett. Das ganze Turnier über spielt sie zwar stabil, die große
Show, die sich vielleicht einige Fans erhofft haben, liefert sie aber
nicht. Im Finale brilliert dafür neben Breanna Stewart für das US-Team
Jackie Young; spielt 29 Minuten, macht 18 Punkte und wird zu Recht Player
of the Game.
Die erwähnenswerteste Youngster des Finales kommt hingegen aus dem
französischen Team und heißt Dominique Malonga. Mit nur 20 Jahren übernimmt
sie im vierten Viertel noch mal Verantwortung, als alles verloren scheint,
kämpft sich unter dem Korb genauso gut frei, wie sie von der Dreierlinie
trifft, und zwingt die USA sogar zu einem Timeout. Mit 21 Punkten
übertrumpft sie Star-Spielerin Gabby Williams. Von Malonga wird man noch
einiges hören in der WNBA, wegen eines erfolgreichen Dunkings im Spiel ist
sie dort jetzt schon bekannt.
Und was war nun los in der Halbzeitpause? Coach Lawson mag sich nicht
erinnern, sie habe nur die Taktik angesprochen. Stewart korrigiert: „Kara
hat uns gesagt, dass Frankreich spätestens im vierten Viertel nicht mehr
wird mithalten können.“ Das ist vermutlich neben der sportlichen Stärke,
was das US-Team so unbesiegbar macht: die Gewissheit, dass sie am Ende
einfach immer gewinnen. Oder wie Stewart nachlegt: „Wir wollen, dass die
ganze Welt weiß: Das US-Team will immer Gold. Egal wie die Situation im
Spiel ist, ich denke immer, dass ich die Chance habe zu gewinnen.“ Das ist
Gewinnermentalität, die fast schon unangenehm ist. Aber so holt man Gold.
14 Sep 2026
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## AUTOREN
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