# taz.de -- Bilanz der deutschen Basketball-WM: Losgelöst von der Basis
       
       > Die deutschen Basketballerinnen verpassen eine WM-Medaille, sind der
       > Weltspitze aber näher gerückt. Bundestrainer Lange beklagt aber
       > Grundsätzliches.
       
 (IMG) Bild: Zwischen Trauer und Stolz: die deutschen Basketballerinnen verabschieden sich von der WM-Bühne
       
       Es war eine Stimmung bei dieser Weltmeisterschaft, die zum Träumen einlud.
       Selbst am Samstag nach der klaren Halbfinalniederlage gegen Frankreich
       (64:86) riss es die gut 12.000 Zuschauer Sekunden vor Schluss von den
       Sitzen. Mit Standing Ovations verabschiedeten sie das deutsche Team in der
       ausverkauften Arena am Berliner Ostbahnhof. Und auch am Sonntag, als die
       deutschen Basketballerinnen gegen Spanien die Bronzemedaille recht deutlich
       mit 58:81 verpassten, war es nicht anders. Tribünengast Friedrich Merz, der
       derzeit recht gebeutelte Bundeskanzler, bekundete, diese Stimmung würde er
       sich für das ganze Land wünschen.
       
       Die Welle der Euphorie hatte sich allerdings durch [1][außergewöhnliche
       Erfolge aufgebaut]. Das DBB-Team war als Gastgeber erst zum zweiten Mal
       überhaupt bei einer WM dabei und bestätigte die rasante positive
       Entwicklung der letzten Jahre mit dem erstmaligen Einzug ins Halbfinale.
       Die Entwicklungsschritte innerhalb des Turniers und die Begeisterungswelle
       sollten bis zur Medaille tragen, und so standen die Tränen und der Frust
       der deutschen Basketballerinnen nach der Partie im Kontrast zum historisch
       einmaligen Ergebnis und dem positiv gestimmten Publikum.
       
       All das zusammenzubringen, war auch für die Protagonistinnen hernach nicht
       einfach. Aber die Erlebnisse der vergangenen zehn Tage halfen über die
       erste große Enttäuschung hinweg. Über 230.000 Menschen hatten dieses
       Turnier in Berlin besucht und dem deutschen Frauenbasketball eine völlig
       neue Dimension an Begeisterung beschert. Dazu befragt, geriet auch Marie
       Gülich ein wenig ins Träumen: „Es hat so gutgetan, diese Menschen in der
       Halle zu haben. Ich hoffe, dass diese Energie einfach nach außen
       weiterträgt. Junge Mädchen vor allem motiviert werden, im Basketball
       anzukommen und hoffentlich auch im Leistungssport.“
       
       Wie das allerdings gelingen kann angesichts einer einheimischen 1. Liga,
       die kaum Aufmerksamkeit und Zuschauer generiert, angesichts von
       Breitensportvereinen, die einem Ansturm von Interessenten momentan nicht
       gewachsen wären, ist die große Preisfrage.
       
       ## Vor über 20 Jahren war es professioneller
       
       Von den Traumkulissen bei dieser WM und den gefeierten deutschen Erfolgen
       wollte sich Bundestrainer Olaf Lange am Sonntag selbst wenige Minuten nach
       der Schlusssirene nicht blenden lassen. Als er auf mögliche positive
       Effekte auf die Bundesliga angesprochen wurde, stellte der in der
       nordamerikanischen WNBA tätige Assistenzcoach fest: „Ich war zuletzt von
       1995 bis 2002/2003 in der Liga. Damals hatten wir in den Top-Vereinen
       bessere Strukturen als heute. Wir haben jetzt 2026. Das sagt schon alles.“
       Die medizinische Betreuung für die Spielerinnen sei katastrophal und die
       BBL weit hintendran. „Deshalb muss ich dafür Sorge tragen, dass unsere
       Topspielerinnen ins Ausland gehen. Und solange sich in der Liga nichts tut,
       ist es auch sehr schwierig, den Erfolg, den wir gerade haben, zu erhalten.“
       
       Mit wenigen Sätzen hatte Olaf Lange alle aus ihren Träumen gerissen,
       möglicherweise war das auch genau seine Absicht. Er müsse das Nationalteam
       und den Nachwuchs, der zur Verfügung stünde, weiterentwickeln. Die Erfolge
       der letzten Jahre, das war seine klare Botschaft, sind nicht die Früchte
       langfristiger, breit angelegter Arbeit im deutschen Frauenbasketball.
       
       Sie sind losgelöst von der Basis dank einer zufälligen Häufung von
       hochveranlagten Spielerinnen wie Leonie Fiebich, Nyara und Satou Sabally
       oder der noch jungen [2][Frieda Bühner], die alle Verträge in der WNBA
       haben, zustande gekommen.
       
       Für den deutschen WM-Kader wurden nur drei Bundesligaspielerinnen
       nominiert. Alexandra Wilke, die für den Dorfverein [3][Rutronik Stars
       Keltern] spielt, tat sich am Sonntag ebenfalls schwer, die möglichen
       Effekte dieser erfolgreichen WM auf den deutschen Basketball einzuordnen.
       Einerseits formulierte sie ihre Hoffnung, dass das Team Vorbilder für mehr
       Nachwuchs geschaffen haben könnte und vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit
       für die Liga, andererseits erklärte sie mit Blick auf deren
       Veränderungsbedarf: „Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll.“ Sie
       erwähnte die seit Jahren fehlende Finanzkraft und die dadurch bedingt zu
       kleine Liga (zehn Vereine) sowie die mangelhafte Attraktivität eines
       Wettbewerbs, der keine Absteiger kennt.
       
       Der desillusionierte Bundestrainer Olaf Lange stellt sich fern der Basis
       auf weitere Raumschiffarbeit mit dem Nationalteam ein. Allerdings sieht er
       noch weitere Wachstumspotenziale, um die deutschen Basketballfrauen noch
       näher an die Weltspitze heranzubringen. Den Frust über die deutlichen
       Niederlagen gegen Frankreich und Spanien will er dafür in positive Energie
       umwandeln. Es sei wichtig, erklärte er, den Schmerz, den die Spielerinnen
       fühlen würden, „so ein bisschen zu kultivieren“. Er könne so eine Art
       Treibstoff sein, um besser zu werden.
       
       14 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Boom-bei-Basketball-WM-der-Frauen/!6208083
 (DIR) [2] /Saisonstart-in-der-WNBA/!6175867
 (DIR) [3] /Rutronik-Stars-in-den-Basketball-Playoffs/!5499432
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Basketball
 (DIR) Weltmeisterschaft
 (DIR) Frauensport
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) GNS
 (DIR) Basketball
 (DIR) Basketball
 (DIR) Basketball
 (DIR) Basketball
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) US-Basketballerinnen werden Weltmeister: Zum Schwärmen schön
       
       Die US-Basketballerinnen gewinnen zum fünften Mal in Folge das WM-Finale.
       Ihre Siegesgewissheit hilft ihnen gegen lange Zeit sehr starke
       Französinnen.
       
 (DIR) Boom bei Basketball-WM der Frauen: Vielversprechender Vorgeschmack
       
       Die WM in Berlin zeigt: Frauenbasketball ist kein Nischensport mehr. Mit
       dem deutschen Halbfinaleinzug erreicht die Begeisterung ein neues Level.
       
 (DIR) Größte Basketballerin der WM: Wie ein Experiment
       
       Die 2,23 Meter große Chinesin Ziyu Zhang zieht bei der Basketball-WM viel
       Aufmerksamkeit auf sich. Wird aus ihr auch eine große Basketballerin?
       
 (DIR) Deutsches Team bei Basketball-WM: „Wir spielen besser, als wir sind“
       
       Mit 94:56 schlagen die deutschen Basketballerinnen Südkorea überraschend
       deutlich. Nun steht das Team im Viertelfinale der WM in Berlin.