# taz.de -- Klimaresilienz in der Stadt: Vier Bäume gegen den Hitzeschock
       
       > Bremen präsentiert eine klimaresiliente Straße im armen Stadtteil
       > Gröpelingen. Noch findet Klimaanpassung in Einzelprojekten statt, nicht
       > in der Fläche.
       
 (IMG) Bild: Man sieht den Baum vor lauter Leuten nicht: Anwohnerin (r.), Senatorinnen, ein Geschäftsführer und ein Behördenvertreter sind erfreut
       
       Die Anwohnerin ist angetan. „Im Großen und Ganzen ist es sehr schön
       geworden“, sagt Ute Pesara, lobt die Bauarbeiter, die bei schwierigem
       Wetter durchgehalten hätten, freut sich über die Bäume und die Ruhe: „Das
       Kopfsteinpflaster vorher hatte den Charme der Jahrhundertwende, aber jetzt
       ist es doch deutlich stiller.“
       
       Pesara lebt in Gröpelingen in der Rasteder Straße und kann von dort aus
       miterleben, wie Bremen sich gerade die städtebauliche Anpassung an den
       Klimawandel vorstellt. Zur Woche der Klimaanpassung, die gerade begonnen
       hat, stellt man vor, was die Stadt in Gröpelingen dafür umsetzt.
       
       Es ist ein Gemeinplatz: Der Klimawandel trifft diejenigen am stärksten, die
       am wenigsten haben. So steht es in Bremens Hitzeaktionsplan und so betont
       es auch Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) ein ums andere Mal: „Der Klimawandel
       ist nicht gerecht.“ Arme Menschen wohnen oft in Gebieten mit wenig Grün,
       sie leben in ungedämmten Häusern, haben durchschnittlich einen schlechteren
       Gesundheitszustand und sind damit anfälliger für Hitze.
       
       Deshalb soll nun hier gehandelt werden, gerade hier in Gröpelingen, wo die
       Sozialindikatoren ein eher schwieriges Leben mit wenig Geld und wenig
       Chancen nahelegen. Die Rasteder Straße ist sehr schnuckelig, mit Häuschen,
       die 1906 für Werftarbeiter gebaut wurden. Was fehlt, ist das Grün. Man
       baute platzsparend – nur neun Meter ist die Straße breit. Insofern lohnt es
       sich, hier etwas zu ändern.
       
       ## Bäume kühlen die direkte Umgebung um 3 Grad ab
       
       Jetzt stehen auf den 120 Metern vier Bäumchen, immerhin. Wenn sie mal groß
       sind, können sie für die direkten Nachbarn eine große Wirkung haben: Sechs
       bis zehn Grad kühler ist es im Schatten von Bäumen, im direkten Umfeld
       immerhin noch 3 Grad. Auch Fahrradbügel wurden installiert, ein paar
       Parkplätze gestrichen und die Barrierefreiheit hat man auch verbessert.
       
       Die Besonderheit aber ist der Straßenbelag, die „Klimasteine“. Die wirken
       erstmal unspektakulär. Umweltsenatorin Henrike Müller (Grüne) weiß das:
       „Wenn man die sieht, denkt man erst mal, oh, ist ja vollversiegelt hier“,
       sagt sie beim Pressetermin auf der Straße. Erst bei Regen sieht man den
       Unterschied: Die Steine nehmen das Wasser ganz langsam auf. „Das kann man
       beobachten, das ist sensationell“, erzählt Pessara.
       
       Allmählich fließt es durch die ungefüllten Rillen in die Tiefbeete zu den
       vier neuen Bäumen, damit die auch groß und stark werden und irgendwann die
       Straße tatsächlich kühlen können. Der nasse Belag sorgt dann auch noch für
       Verdunstungskälte. Der Gulli in der Straße darf jetzt kleiner sein als
       früher, bei einem ganz normalen Regen landet kaum noch gutes frisches
       Regenwasser in der Kanalisation.
       
       Bei Starkregen hingegen ändert der neue Straßenbelag nicht so viel. Auch
       wenn Senatorin Müller damit wirbt, die Anwohner*innen „vor Hitze von
       oben und Wasser von unten“ zu schützen – das könnten neue Steine bei den
       gewaltigen Wassermassen eines echten Starkregens und ein paar Bäume nicht
       leisten, sagt Swen Pfister, technischer Geschäftsführer von Hansewasser.
       Aber: „Da reden wir ja statistisch von Jahrhundertereignissen, so oft
       kommen die ja nicht vor.“
       
       Gewählt wurde die Rasteder Straße auch deshalb, weil sie sowieso gerade
       dran war: Die 120 Jahre alte Kanalisation musste erneuert und die Straße
       dafür ohnehin aufgerissen werden. Die Gelegenheit wurde genutzt, um die
       Straße grundlegend zu erneuern. 2024 schon begannen die Planungen mit
       ersten gemeinsamen Gesprächen. Ein schönes Wort haben die Behörden
       gefunden: „Huckepack-Verfahren“. Die notwendige Kanalsanierung nimmt alle
       übrigen Maßnahmen huckepack.
       
       Beim Amt für Straßen und Verkehr sagt man: So läuft es nicht nur einmalig,
       sondern grundsätzlich. Wie oft es wirklich zu einer Kooperation kommt, dazu
       gibt es auf die Schnelle aber keine Statistik. „Selbstverständlich [1][ist
       diese Zusammenarbeit noch nicht]“, sagt Umweltsenatorin Müller im
       Pressegespräch vor dem neuen Baum.
       
       Hansewasser-Geschäftsführer Pfister wiegelt auch eher ab. Etwa zehn
       Kilometer Kanalsanierung im Jahr führe das Abwasserunternehmen durch. „Wir
       bieten schon einige Anlässe für das Huckepack-Verfahren. Aber wir müssen
       halt noch gucken, dass alle anderen mitkommen.“
       
       Zwei weitere Straßen sind schon für einen Umbau vorgesehen; und die
       Webseite Schwammstadt Bremen kennt immerhin 24 Projekte, abgeschlossen oder
       in Planung. 2.940 Stadtstraßen gibt es in Bremen, mit einer Gesamtlänge von
       1.370 Kilometern; dazu 501 Brücken und 441 km Fahrradwege und dann
       natürlich noch alles andere: Plätze, Tunnel, Tröge, Treppen. Wie viele
       Kilometer man im Jahr schafft, diese Frage bleibt offen.
       
       15 Sep 2026
       
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