# taz.de -- Entsiegelung der Böden in der Stadt: Abpflastern kommt nicht in die Gänge
> Hamburg ruft dazu auf, öffentliche Flächen zu melden, die entsiegelt und
> begrünt werden können. Die Beteiligung ist rege, umgesetzt wird fast
> nichts.
(IMG) Bild: Wo Pflastersteine weichen, können bunte Blumen wachsen: Das wussten Anwohner in der Sternschanze schon beim G20-Gipfel 2017
Hamburg will ein Schwamm werden. Will also immer mehr Flächen schaffen, die
Wasser aufnehmen und später wieder abgeben können. Dafür soll Beton weichen
und Vegetation mehr Raum bekommen. Eine von diversen Säulen auf dem [1][Weg
zur Schwammstadt] ist die Beteiligung der Menschen vor Ort.
Im vergangenen Jahr hat Hamburg darum erstmals den [2][Wettbewerb
„Abpflastern: von Grau zu Grün“ gestartet] und dazu aufgerufen, zu
entsiegelnde öffentliche Flächen vorzuschlagen. „Jede entsiegelte Fläche
zählt, ob groß oder klein, machen Sie mit!“, so rührte die Umweltbehörde
die Werbetrommel. 2.202 Ideen wurden eingebracht – umgesetzt wurde gerade
mal ein Dutzend.
Das geht aus der Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage der
Linksfraktion hervor, die kurz vor den [3][jüngsten heißen Tagen]
veröffentlicht worden ist. Das sei „ein Armutszeugnis“, teilte der
Umweltexperte der Linken, Stephan Jersch, dazu mit. Denn rein rechnerisch
sei das eine Umsetzungsquote von 0,45 Prozent. Die Botschaft sei deutlich:
„Beteiligt euch – aber erwartet nichts.“
In den sieben Hamburger Bezirken wurden im vergangenen
Abpflastern-Wettbewerbsjahr, das von März bis Ende Oktober lief, insgesamt
knapp 5.300 Quadratmeter entsiegelt. Den größten Anteil hatte der Bezirk
Altona mit insgesamt 4.206 Quadratmetern, das waren knapp 78 Prozent der
insgesamt als entsiegelt gemeldeten Fläche. Allein an der Königstraße,
einer viel befahrenen Straße in Verlängerung der Reeperbahn, wurden gut
1.300 Quadratmeter entsiegelt.
Diese 1.300 Quadratmeter sind nicht nur mit weitem Abstand die größte
Fläche gewesen – der [4][Umbau der Königstraße zur „Straße der Zukunft“]
war auch lange schon geplant und wurde im Rahmen des Forschungsprojekts
Bluegreenstreets von der Hafencity Universität wissenschaftlich begleitet.
Ziel des Projekts war es, innovative Konzepte für klimaangepasste
Straßenräume zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren.
Die übrigen Flächen, die im Resümee des Wettbewerbs 2025 auftauchen, laufen
eher unter „Kleinvieh macht auch Mist“: In Bahrenfeld zum Beispiel hat eine
private Eigentümergemeinschaft 50 Quadratmeter vom Pflaster befreit und
umgestaltet. Am Wiesingerweg in Hoheluft-West wurde an der Straße auf etwa
13 Quadratmetern ein Blühstreifen angelegt. In Ottensen ist ein 1,5
Quadratmeter großer Gartenbereich wieder grün.
Nun sagen diese Quadratmeterangaben insgesamt wenig aus. Sie sind höchstens
Momentaufnahmen. Die meisten privaten Flächen können jederzeit wieder
zubetoniert werden. Nur wer sich Geld aus dem
Regeninfrastruktur-Anpassungsförderprogramm geholt hat, muss die Fläche
fünf Jahre unversiegelt lassen.
Weiter gibt es in Hamburg bisher weder eine zentrale statistische Erfassung
der entsiegelten Flächen noch eine Übersicht der neu versiegelten Flächen.
Es sei fatal, so teilte Jersch mit, dass der Senat nicht sagen könne, wie
viel Fläche bei Bauprojekten im Gegenzug neu versiegelt wurde.
Einzelne Bezirksämter überlegen nun, perspektivisch „ein entsprechendes
Controlling aufzubauen“, um die entsiegelten Flächen zu dokumentieren, so
steht es in der Antwort des Senats auf die Linken-Anfrage. Jersch geht
einen Schritt weiter und fordert vom Senat verbindliche Entsiegelungsziele
und für die Bezirke ausreichend Geld, um diese Ziele vor Ort umzusetzen.
## Versiegelung hat zugenommen
In Bergedorf etwa, einem der sieben Hamburger Bezirke, wurde gar keins der
2025 vorgeschlagenen Projekte umgesetzt. Ein Grund: Vom Senat gibt es
bisher weder zusätzliches Geld noch Personal, um die
Entsiegelungsvorschläge der Leute vor Ort umzusetzen. Es wurde bisher bloß
ein „Entsiegelungsdialog mit den Bezirksämtern“ durchgeführt, „um ein
Netzwerk und ein gemeinsames Verständnis über Ziele und Probleme bei der
Identifizierung von Entsiegelungsflächen zu schaffen“, wie es in der
Senatsantwort heißt.
Ganz ohne Daten über die Versiegelung der Fläche steht Hamburg aber nicht
da. Seit 1984 wird erfasst, wie sich die Bodenversiegelung entwickelt. Seit
2020 wird mittels hochaufgelöster Luftbilder inklusive Infrarotdarstellung
ein digitales Oberflächenmodell erstellt. Mit diesen Daten für die Jahre
2020 bis 2022 wurde ein KI-Modell trainiert, das erkennen kann, ob eine
Fläche versiegelt ist oder nicht.
Daraus wurde für ganz Hamburg eine Bodenbedeckungskarte erstellt. Ergebnis:
Im Jahr 2020 lag der Versiegelungsgrad bei 31,0 Prozent, im Jahr 2022 stieg
er sogar auf 31,2 Prozent. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme.
Die nächste gibt es spätestens in zwei Jahren: In dem 2019 beschlossenen
und damals bundesweit einmaligen Vertrag für Hamburgs Stadtgrün ist dieses
[5][Versiegelungsmonitoring] festgeschrieben und ein Rhythmus von fünf
Jahren vorgesehen – 2027 werden also neue Zahlen vorliegen, die zeigen, wo
Hamburg steht auf dem Weg zu Schwammstadt.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wassermanagement-in-der-Stadt/!5905389
(DIR) [2] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/boden-und-geologie/bodenschutz/abpflastern/so-funktioniert-der-abpflastern-wettbewerb-1050462
(DIR) [3] /Hitze-im-Norden/!6190256
(DIR) [4] https://www.risa-hamburg.de/projekte/projekte-detail-ansicht/koenigstrasse
(DIR) [5] https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1169184/8a68dbc0fb79acfa7a147cea693b0ab9/d-2026-versiegelung-monitoring-data.pdf
## AUTOREN
(DIR) Ilka Kreutzträger
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