# taz.de -- Entsiegelung in Bremen: Grün hilft dem Klima und gegen Depression
> Bremen fördert, dass Menschen Flächen entsiegeln und sie begrünen – mit
> Erfolg. Das hilft auch der psychischen Gesundheit, belegen Studien.
(IMG) Bild: Es muss nicht alles zugepflastert sein: unversiegelter Parkplatz in Frankreich
Seit diesem Jahr beteiligt sich Bremen am [1][bundesweiten Wettbewerb
„Abpflastern“], bei dem Menschen in privater Initiative Flächen entsiegeln
und in den meisten Fällen auch bepflanzen. Das [2][hat in Zeiten des
Klimawandels mehrere positive Folgen]: Zum einen kann bei Starkregen das
Regenwasser besser im Boden versickern. So werden Überschwemmungen der
Kanalsysteme verhindert. Zum anderen kühlen begrünte Flächen die
Lufttemperatur ab, während Stein und Beton Hitzeeffekte verstärken. Zudem
gewinnen Pflanzen und Tiere neue Lebensräume, wenn Grünflächen angelegt
werden.
Aber Menschen profitieren noch in einer zusätzlichen Weise, sagt Elke
Meier, Ingenieurin für Umwelttechnik bei der Bremer Umweltberatung. Sie
berät Bürger:innen, die Förderanträge für Entsiegelung und ähnliche
Maßnahmen wie Dachbegrünung stellen wollen. „Das dient der psychischen
Gesundheit.“
Tatsächlich ist dieser Effekt schon in mehreren Studien nachgewiesen
worden. Im vergangenen Jahr veröffentlichten chinesische
Wissenschaftler:innen [3][eine groß angelegte Kohortenstudie]. Bei
dieser wurde der Zusammenhang von Wohnumfeld und Depressionen von knapp
335.000 Stadtbewohner:innen in Schottland, Wales und England
untersucht.
Dabei zeigte sich, dass das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei
guter Luftqualität geringer war als bei schlechter. Noch deutlicher war
dieses Ergebnis, wenn es zusätzlich einen hohen Anteil von begrünten
Flächen in der Nachbarschaft gab.
## Grüne Infrastruktur in Städten hilft gegen Depression
Dies zeige das Potenzial, schreiben die Autor:innen, das grüne
Infrastruktur in Städten, zusammen mit der Kontrolle von Luftverschmutzung,
habe, wenn es darum geht, die sozioökonomisch ungleiche Verteilung von
Depressionen in der Bevölkerung auszugleichen. „Das könnte essenzielle
Möglichkeiten bieten, die Vision von psychischer Gesundheit für alle
voranzubringen.“ Durch Studien ist auch belegt, dass Menschen mit wenig
finanziellen und/oder sozialen Ressourcen [4][überdurchschnittlich oft
psychisch krank werden].
Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine ebenfalls 2025 publizierte
[5][internationale Studie]: Danach korrespondierte vor allem in Städten
eine grüne Umgebung mit einem geringeren Risiko wegen einer psychischen
Erkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden.
Elke Meier von der Bremer Umweltberatung rät daher dazu, auch kleine
Flächen zu entsiegeln und zu begrünen. „Ich stelle mir das wie ein Puzzle
vor“, sagt sie in ihrem Büro in der Bremer Innenstadt mit Blick in die
Wallanlagen, ein Park, der sich um den alten Stadtgraben zieht. „Jedes noch
so kleine Teil trägt zu diesem Puzzle bei und irgendwann sind alle
miteinander verbunden.“
Anfang 2025 hat Bremen ein [6][Schwammstadt-Programm] aufgelegt, mit dem
sich Privateigentümer:innen die Kosten für Entsiegelung von Flächen
vom Staat in Höhe von 30 Prozent zurückholen können. Seitdem hätten die
Anfragen nach Beratung deutlich zugenommen, sagt Elke Meier. „Entsiegelung
war bis dahin eigentlich kein Thema“, sagt sie. Zwischen 2020 und 2024
hätten sie für Klient:innen ganze 10 Anträge auf Förderung bearbeitet.
Seit Beginn des Programms seien es jetzt schon 24 gewesen.
## Je mehr Fläche versiegelt, desto teurer die Gebühren
Motivierend scheine auch noch ein Hinweis in den Bescheiden über die
Abwassergebühren zu sein, vermutet Elke Meier. Denn seit zwei Jahren gilt
in Bremen wie in vielen anderen Kommunen eine Gebührenordnung. Nach dieser
werden Abwasser und der Kanalisation zugeführtes Regenwasser auch für
Flächen unter 1.000 Quadratmetern getrennt berechnet. Das soll einen Anreiz
zur Entsiegelung schaffen und die Gebühren gerechter aufteilen. Denn: Je
mehr [7][Fläche versiegelt] ist, desto teurer wird es.
Allerdings ist das Berechnungsverfahren so aufwendig, dass die ersten
Bescheide erst 2027 verschickt werden, wie die Umweltbehörde ankündigte.
Dann aber rückwirkend.
13 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Entsiegelungs-Wettbewerb-Abpflastern/!6134336
(DIR) [2] /Strassen-entsiegeln-200-Staedte-in-den-Niederlanden-liefern-sich-ein-Wettrennen/!6123644
(DIR) [3] https://www.nature.com/articles/s44184-025-00152-8.pdf
(DIR) [4] /Psychische-Gesundheit/!6113192
(DIR) [5] https://www.bmj.com/content/391/bmj-2025-084618
(DIR) [6] /Wassermanagement-in-der-Stadt/!5905389
(DIR) [7] /Pflanze-statt-Pflaster/!6099972
## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
## TAGS
(DIR) Bremen
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Dachbegrünung
(DIR) Beton
(DIR) Hitze
(DIR) Stadtentwicklung Hamburg
(DIR) Flächenversiegelung
(DIR) Flächenversiegelung
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Entsiegelung der Böden in der Stadt: Abpflastern kommt nicht in die Gänge
Hamburg ruft dazu auf, öffentliche Flächen zu melden, die entsiegelt und
begrünt werden können. Die Beteiligung ist rege, umgesetzt wird fast
nichts.
(DIR) Entsiegelungs-Wettbewerb „Abpflastern“: Bremen reißt Asphalt weg
Auf dem Weg zu Schwammstädten setzen Kommunen auch auf Bürgerengagement.
Jetzt will nach Hamburg und Flensburg auch Bremen Asphalt entfernen.
(DIR) Wettstreit ums Abpflastern: Wip Nederland Wip!
Über 200 Städte in den Niederlanden treten an, die eigenen Straßen am
schnellsten zu entsiegeln. Ein Besuch im Endspurt um die goldene
Betonplatte.
(DIR) Wassermanagement in der Stadt: Das Schwammprinzip
Bald soll in Berlin kein Regenwasser mehr ungenutzt in die Kanalisation
rauschen. Die Vision heißt Schwammstadt. Ein leichtes Spiel ist es nicht.