# taz.de -- Brics-Gipfel: Indien nimmt Brics die potenzielle Schärfe
> In Delhi demonstrieren die Brics-Staaten Einigkeit trotz Irankrieg und
> gegensätzlicher Interessen. Sie wollen dem Globalen Süden mehr Gewicht
> geben.
(IMG) Bild: Brics-Gruppenbild in Delhi mit Gastgeber Narendra Modi zwischen Russlands Wladimir Putin und Chinas Xi Jinping
Sie wollen die internationale Ordnung reformieren, aber kein Gegenblock zum
Westen sein: Mit einer gemeinsamen [1][Erklärung] ist am Sonntag der 18.
Gipfel der Brics-Staaten in Delhi zu Ende gegangen. Darin wenden sich elf
führende Schwellen- und Entwicklungsländer gegen einseitige Zölle und
Sanktionen und fordern mehr Mitsprache des Globalen Südens.
„Nicht westlich, aber nicht antiwestlich“, beschreibt der indische
China-Experte Srikanth Kondapalli das Bündnis. China und Russland wollen
den Einfluss westlich dominierter Institutionen zurückdrängen, Indien
dagegen betont seine strategische Autonomie: Delhi kooperiert mit China,
Russland und Iran, baut aber zugleich seine Beziehungen zu den USA, Europa
und Israel aus. Viele Schwellenländer könnten es sich wirtschaftlich gar
nicht leisten, sich gegen den Westen zu stellen, so Kondapalli.
Indiens Premier Narendra Modi bekräftigte: Brics sei „gegen niemanden
gerichtet“. Neu war hingegen der Nachdruck, mit dem Modi konkrete
Ergebnisse verlangte. Der Globale Süden müsse sich vom „Regelnehmer“ zum
„Regelgestalter“ entwickeln. So streben Indien und Brasilien seit Jahren
einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an.
Dass schon am ersten Tag ein gemeinsames Abschlussdokument zustande kam,
ist für Indien ein Erfolg. Noch im Mai waren die Brics-Außenminister an
Differenzen über den Irankrieg gescheitert. Nun äußert sich die Gruppe
„tief besorgt“ über die Eskalation und fordert Zurückhaltung. Im Konflikt
zwischen Israel und Palästina wird eine Zweistaatenlösung und damit ein
souveräner palästinensischer Staat gefordert.
## Kritik an einseitigen Zöllen und Sanktionen
Auch bei Handel und Wirtschaft findet sich ein gemeinsamer Nenner. Die
Brics-Staaten kritisieren einseitige Zölle, Sanktionen und andere
Handelsbeschränkungen, die den Welthandel beeinträchtigten. Das lässt sich
als Botschaft an Washington deuten.
Unterschiedlich blieben die Interessen dennoch. [2][So warnte Modi am
Sonntag vor der „Instrumentalisierung“ von Technologien und kritischen
Rohstoffen als politischem Druckmittel.] Damit meint er auch China, von dem
Indien gerade selbst versucht seine Abhängigkeiten zu verringern.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping war der wichtigste Gast in Delhi.
Bei seinem ersten Indien-Besuch seit sieben Jahren gab [3][er] sich
versöhnlich: „China und Indien sind Partner und keine Rivalen“. Sie böten
einander Entwicklungschancen und keine Bedrohungen.
Begleitet wurde Xis Besuch von [4][Protesten von Exiltibeter:innen].
Die Beziehungen zwischen Delhi und Peking waren nach dem tödlichen
Grenzscharmützel 2020 in Galwan auf dem Tiefpunkt. Erst ab 2024 wurden
Dialogkanäle wiederbelebt, Investitionsbeschränkungen gelockert sowie
Direktflüge und der Tourismus wieder begonnen.
Doch Misstrauen und der ungelöste Grenzkonflikt bleiben. Brics biete Xi und
Modi immerhin den Anlass für Treffen, ohne dass eine Seite „politisches
Kapital“ in einen eigenständigen bilateralen Besuch investieren müsse, sagt
der indische Politikwissenschaftler Happymon Jacob der taz. Strukturelle
Konflikte löse das nicht.
## Iran im Gespräch mit Vereinigten Arabischen Emiraten
China und Indien konkurrieren um Einfluss im Globalen Süden, während
Russland stärker die Konfrontation mit dem Westen sucht. Seit den Anfängen
2006 hat sich Brics stark verändert. Aus dem Zusammenschluss von Brasilien,
Russland, Indien und China wurde eine Gruppe mit elf Mitgliedern, eigener
Entwicklungsbank plus zehn Partnerstaaten. Die Brics-Staaten stellen knapp
die Hälfte der Weltbevölkerung und fordern Reformen bei internationalen
Finanzinstitutionen und mehr Mitbestimmung zu künstlicher Intelligenz.
Mit wachsender Größe werden die Widersprüche der Gruppe aber nicht kleiner.
Jetzt gab es immerhin ein Treffen von Irans Präsidenten Massud Peseschkian
mit Abu Dhabis Kronprinz Khaled bin Mohammed bin Zayed al-Nahyan. Iran hat
zuletzt die Emirate, wo US-Militärbasen sind, mehrfach beschossen.
Brics werde „kein Gegenpol zur G7 oder zur amerikanisch geführten Ordnung“
werden, glaubt Jacob. Dafür fehlten eine gemeinsame Vorstellung von
internationaler Sicherheit und Mechanismen, aufeinander zählen zu können.
Russland wiederum sei für Indien nur noch „einer von mehreren Partnern“
statt zentraler Anker seiner Außenpolitik. Delhis diplomatische Leistung
bestehe jetzt gerade darin, Brics trotz aller Rhetorik über eine neue
Weltordnung „langweilig“ zu halten, meint Außenpolitikexperte [5][C. Raja
Mohan].
13 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://d2jiw2zrmmyqt8.cloudfront.net/wp-content/uploads/2026/09/12185124/New-Delhi-Declaration-2026-1.pdf
(DIR) [2] https://www.thehindu.com/news/national/brics-summit-in-new-delhi-second-day-september-13-pm-narendra-modi-address/article71462728.ece
(DIR) [3] https://www.fmprc.gov.cn/eng/xw/zyxw/202609/t20260913_12021206.html
(DIR) [4] https://www.thehindu.com/news/national/delhi-police-detain-five-for-raising-anti-xi-slogans-near-bharat-mandapam/article71455608.ece
(DIR) [5] https://indianexpress.com/article/opinion/columns/delhi-brics-geopolitical-bloc-xi-jinping-summit-gaza-10875522/
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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