# taz.de -- Brics-Gipfel in Delhi: Ein Brics-Gipfel mit Erklärung(en)
> Indien konnte als Gastgeber des Brics-Gipfels am ersten Tag eine
> gemeinsame Erklärung präsentieren. Doch hinter dem demonstrierten Konsens
> bleiben die Differenzen.
(IMG) Bild: Seit seinen Anfängen vor 20 Jahren hat sich Brics stark verändert
Delhi taz An diesem Wochenende zeigt sich Indiens Hauptstadt Delhi in den
Brics-Farben. Das Konferenzzentrum Bharat Mandapam, in dem für die Staats-
und Regierungschefs der führenden Schwellen- und Entwicklungsländer sowie
ihre Partner und Gäste der rote Teppich ausgerollt wird, leuchtet in Blau,
Gelb, Orange, Grün und Rot.
Am Freitag empfing Premierminister Narendra Modi bereits den iranischen
Präsidenten Massud Peseschkian und Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu
bilateralen Gesprächen. Am Samstag folgte das mit Spannung erwartete
Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping. Beide vereinbarten, die
wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Austausch weiter auszubauen.
Bei der Eröffnung erklärte Modi, Brics stehe nun vor dem „Erwachsenwerden“.
Er schlug einen Mechanismus vor, um Beschlüsse über den jährlich
wechselnden Vorsitz hinaus weiterzuverfolgen, sowie einen Reformfahrplan
bis zum nächsten Gipfel, der in China stattfindet. Die Brics seien „gegen
niemanden gerichtet“, betonte der 75-Jährige. Entscheidend sei nun, den
Konsens der Gruppe stärker in konkrete Ergebnisse zu übersetzen.
Zu den zentralen Forderungen der Gruppe gehört seit Jahren eine Reform
internationaler Institutionen. Der Globale Süden stehe bei Krisen in der
ersten Reihe, bei Entscheidungen jedoch in der letzten, so Modi. Die von
ihm beschriebene „Pyramide der Privilegien“ müsse zu einer „Plattform der
Partnerschaft“ werden
Wie weit der Konsens reicht, zeigt die am Samstagnachmittag veröffentlichte
45-seitige „Erklärung von Neu-Delhi“. Darin zeigen sich die
Brics-Mitglieder „tief besorgt über die Eskalation der Spannungen im Nahen
Osten/Westasien“.
Zugleich fordern sie mehr Mitsprache für Schwellen- und Entwicklungsländer
und eine internationale Ordnung, in der sich Macht auf mehr Staaten
verteilt. Konkret drängen sie auf Reformen des UN-Sicherheitsrats und der
internationalen Finanzinstitutionen. Indien und Brasilien streben
beispielsweise selbst seit Jahren einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat
an.
Bei Zukunftstechnologien wollen die Brics für Führungsanspruch einstehen.
Xi rief die Brics-Staaten auf, bei innovationsgetriebener Entwicklung eine
Vorreiterrolle einzunehmen und die Zusammenarbeit bei Entwicklung und
Nutzung von KI voranzutreiben. Gleichzeitig wandte er sich gegen
Protektionismus. In weniger als zwei Wochen [1][soll] Xi dabei nach
Washington reisen, wo er auf Zoll-Verfechter Donald Trump treffen soll.
Beim Krieg in Gaza beziehen die Brics dagegen deutlich Position. Sie
bekräftigen die Zweistaatenlösung und fordern einen „souveränen“ und
„lebensfähigen“ Staat Palästina. Beim Irankrieg bleiben die Akteure in der
Erklärung allerdings unbenannt. Mit Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten gehören Staaten mit unterschiedlichen Interessen in dem
Konflikt zur Gruppe. Am Rande des Gipfels kamen dennoch Vertreter Irans und
der Emirate zu Gesprächen zusammen.
Das Verhältnis zwischen Indien und China bleibt ein Gradmesser für die
Zusammenarbeit innerhalb von Brics. Beide Staaten haben sich in den
vergangenen zwei Jahren politisch angenähert, wirtschaftlich sitzt das
Misstrauen jedoch noch tief. 2022 beschlagnahmten indische Finanzermittler
Vermögenswerte des chinesischen Smartphoneherstellers Xiaomi in
Millionenhöhe. Kurz vor dem Gipfel forderte Peking nun ein „faires,
gerechtes, transparentes und nichtdiskriminierendes“ Geschäftsumfeld,
nachdem eine indische Behörde neue Ermittlungen gegen Xiaomi empfohlen
hatte.
Auf den Anspruch, die Gewichte in der internationalen Ordnung zu
verschieben, können sich die Brics einigen. Schwieriger bleibt der Konsens
darüber, wie diese aussehen soll. Der Gipfel geht am Sonntag zu Ende.
12 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.reuters.com/business/retail-consumer/exclusive-chinas-xi-bring-large-ceo-delegation-us-visit-sources-say-2026-09-04/
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
## TAGS
(DIR) BRICS
(DIR) Indien
(DIR) China
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
(DIR) BRICS
(DIR) China
(DIR) Zohran Mamdani
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Brics-Gipfel in Delhi: Nicht westlich, aber nicht gegen den Westen
Chinas Staatschef Xi Jinping kommt erstmals seit 2019 nach Indien – zum
Brics-Gipfel. Gelingt dem Bündnis eine gemeinsame Politik trotz
Unterschieden?
(DIR) Chinesische Reisediplomatie: Xi Jinpings diplomatische Charmeoffensive
Während US-Präsident Trump seine Verbündeten verschreckt, weitet Chinas
Machthaber Xi seinen globalen Einfluss aus – von Bischkek über Kairo und
Delhi nach Washington.
(DIR) Den Haager Haftbefehl gegen Netanjahu: Mamdani will, darf aber nicht
New Yorks Bürgermeister würde Israels Ministerpräsidenten Netanjahu gern
verhaften lassen, wenn er zur UN-Generalversammlung reist. Doch er hat dazu
keine Befugnis.