# taz.de -- Brics-Gipfel in Delhi: Nicht westlich, aber nicht gegen den Westen
       
       > Chinas Staatschef Xi Jinping kommt erstmals seit 2019 nach Indien – zum
       > Brics-Gipfel. Gelingt dem Bündnis eine gemeinsame Politik trotz
       > Unterschieden?
       
 (IMG) Bild: Brics-Gipfel in Delhi 2026: Indien heißt den russischen Präsidenten Wladimir Putin willkommen
       
       Indiens Hauptstadt Delhi hat sich in eine Festung verwandelt, denn an
       diesem Wochenende haben sich die [1][Staats- und Regierungschefs] der
       sogenannten Brics-Staaten angekündigt. „Nicht westlich, aber nicht
       antiwestlich“, so beschreibt der indische China-Experte Srikanth Kondapalli
       das Bündnis. Und seine Worte fassen den Widerspruch ganz gut zusammen.
       China und Russland wollen den Einfluss westlich dominierter Institutionen
       zurückdrängen. Indien beharrt auf strategischer Eigenständigkeit und sucht
       engere Beziehungen zum Westen. Gleichzeitig sind Schwellenländer auf
       Wachstum und Exporte in die USA und nach Europa angewiesen.
       
       Wie diese unterschiedlichen Interessen zusammenpassen, wird sich jetzt beim
       18. Gipfeltreffen zeigen. Indiens hindunationalistischer Premierminister
       Narendra Modi trifft dabei auf Chinas Staatschef Xi Jinping, der erstmals
       seit sieben Jahren Indien besucht. Erwartet werden zudem Russlands
       Präsident Wladimir Putin, Irans Präsident Massud Peseschkian sowie
       UN-Generalsekretär António Guterres. Unter den wenigen Frauen ist auf der
       Gästeliste Ugandas Vizepräsidentin [2][Jessica Alupo]. Uganda ist
       Brics-Partner, aber kein Mitglied.
       
       Seit den Anfängen vor 20 Jahren hat sich Brics stark verändert. Aus der
       informellen Gruppe Brasilien, Russland, Indien und China wurde ein Bündnis
       mit elf Mitgliedern, der Entwicklungsbank NDB und zehn Partnerstaaten. Die
       Brics-Staaten stellen knapp die Hälfte der Weltbevölkerung und laut Angaben
       der [3][indischen Präsidentschaft] rund ein Viertel des Welthandels. Indien
       und China sehen das Bündnis zudem als Plattform, um sowohl sich als auch
       dem Globalen Süden mehr Einfluss zu verschaffen. 
       
       Brics-Staaten stellen knapp die Hälfte der Weltbevölkerung 
       
       In Delhi wird es deshalb um Handel und Investitionen, Technologie, Energie-
       und Ernährungssicherheit sowie resilientere Lieferketten gehen. Zu den
       [4][Vorhaben] gehören ein Start-up-Netzwerk oder ein Innovationsfonds.
       Weniger in US-Dollar zu handeln, steht offenbar auch zur Debatte. „Das
       kurzfristige Ziel ist, die Abwicklung in lokalen Währungen voranzutreiben“,
       sagte [5][Tianjiao Jiang] von der Fudan-Universität der taz. Trotz starken
       Wachstums mache der Handel innerhalb der Brics-Staaten noch immer nur rund
       5 Prozent des Welthandels aus, sagt Kim Catechis vom Franklin Templeton
       Institute. Das zeige „erhebliches ungenutztes Potenzial“.
       
       Für Xi geht es um das Verhältnis zum Gastgeber. Die vorsichtige Annäherung
       zwischen Indien und China begann beim Brics-Gipfel 2024. Damals trafen Xi
       und Modi erstmals seit fünf Jahren wieder formell aufeinander. Seither
       wurden Dialogkanäle wiederbelebt, Direktflüge und Touristenvisa wieder
       aufgenommen und Investitionsbeschränkungen gelockert.
       
       Von einer vollständigen Normalisierung könne aber noch keine Rede sein,
       sagt Kondapalli. Nach dem tödlichen Zusammenstoß im Galwan-Tal 2020 hatte
       Indien chinesische Investitionen stark eingeschränkt. Eine umfassende
       militärische Deeskalation steht weiter aus. Auch das indische
       Handelsdefizit gegenüber China und der gegenseitige Marktzugang dürften bei
       den Gesprächen eine Rolle spielen. Xis Teilnahme sei zugleich ein Signal,
       Brics als internationale Plattform auszubauen, sagt Jiang. China übernimmt
       2027 den Vorsitz. Trotz Konflikten sei es für China, Indien und Russland
       „essenziell, sich vor einem größeren geopolitischen Hintergrund zu
       koordinieren“. Die Zusammenarbeit könne zum Motor für Brics werden.
       
       Zum Testfall könnte der Irankrieg werden. Mit Iran und den Vereinigten
       Arabischen Emiraten gehören zwei Staaten dem Bündnis an, deren Beziehungen
       schwer belastet sind. Zugleich treffen steigende Energie-, Lebensmittel-
       und Düngemittelpreise gerade die Länder des Globalen Südens, sagt
       Kondapalli. Eine Brics-Erklärung allein werde den Krieg kaum beeinflussen,
       solange die USA und Israel nicht am Tisch säßen. Dennoch wird Indien
       versuchen, eine Abschlusserklärung zu erreichen.
       
       Indien hat seinen vierten Brics-Vorsitz unter das Motto „Resilienz,
       Innovation, Kooperation und Nachhaltigkeit“ gestellt. Der Gipfel dürfte
       zeigen, ob aus dem gewachsenen politischen Gewicht mehr wirtschaftliche
       Zusammenarbeit entsteht und wohin sich das Bündnis dieser sehr
       unterschiedlichen Staaten entwickelt.
       
       11 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hindustantimes.com/india-news/brics-summit-2026-full-list-of-leaders-attending-pm-modi-mega-meet-in-new-delhi-putin-xi-jinping-russia-china-india-101789011353074.html
 (DIR) [2] https://www.aninews.in/news/world/asia/south-african-president-cyril-ramaphosa-uganda-vice-president-jessica-alupo-arrive-in-delhi-ahead-of-18th-brics-summit20260911094544/
 (DIR) [3] https://www.brics2026.gov.in/about-us/
 (DIR) [4] https://www.pib.gov.in/PressReleseDetailm.aspx?PRID=2308611
 (DIR) [5] https://www.apln.network/analysis/special-report/the-role-of-sco-and-brics-in-asian-stability-from-the-chinese-perspective
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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