# taz.de -- Staatsbegräbnis für Ratko Mladić: Verehrter Kriegsverbrecher
       
       > Nach dem Tod des früheren Generals wird in Belgrad seine Beisetzung in
       > allen Ehren vorbereitet. Widerstand dagegen regt sich in Serbien kaum.
       
 (IMG) Bild: Einer der jüngsten Anhänger von Ratko Mladić salutiert vor dem Foto des Kriegsverbrechers
       
       Für viele Serben aus dem nationalistisch rechten und rechtsradikalen
       Spektrum ist Ratko Mladić ein Kriegsheld, eine mystische Licht-Gestalt, zu
       der man aufsehen muss. Vielleicht sogar wie zum König Lazar, der sich 1389
       bei der Schlacht auf dem Amselfeld in Kosovo Polje gegen die Eroberung
       Serbiens durch die Osmanen stemmte. Der hatte die Schlacht zwar verloren,
       doch der von den Heldentaten seines Königs durchdrungene [1][Ratko Maldic]
       wollte die Scharte auswetzen. Das jedenfalls berichten Anverwandte des nun
       verstorbenen früheren Generals und Kriegsverbrechers.
       
       Die bosnischen Muslime sind autochthone Bewohner der Region, hatten aber
       vor 600 Jahren den islamischen Glauben angenommen und lebten in Kalinovik
       jahrhundertelang mit den dort später eingewanderten Serben in friedlicher
       Koexistenz. Noch im Sommer 1992 ging Ratko Mladić ins Dorf der „Türken“,
       wie er die Muslime bezeichnete, und stellte sie unter seinen persönlichen
       Schutz. Wenig später waren sie entweder im Schulhaus ermordet, vergewaltigt
       oder auf der Flucht.
       
       Die „Türken“ auszurotten war sein Ziel und das seiner nationalistischen
       Bewegung. Bis heute ist unter den Serben, vor allem den wenig gebildeten
       Unterschichten, dieser Gedanke lebendig. Bis heute hassen weite
       Bevölkerungsteile bosnische Muslime und wären jederzeit bereit, wieder
       zuzuschlagen. Den gebildeten Mittelschichten Serbiens und Belgrads sind
       diese Gedanken zwar zuwider, aber ihr Protest gegen diese primitiven
       Sichtweisen ist seit der Ermordung des legendären Führers der
       Demokratischen Partei, [2][Zoran Djindjic,] 2003 zurückgegangen.
       
       Der Staat sei dabei, Mladićs Rolle im Bosnienkrieg historisch und politisch
       zu rehabilitieren, sagt [3][Sonja Biserko], eine der letzten Trägerinnen
       der serbischen Intelligenzija und Kämpferin für Menschlichkeit. Sie tritt
       ein für ein anderes, menschliches Serbien. Nur wenig Hoffung gibt es noch,
       ein großartiges Staatsbegräbnis für den Verbrecher gegen die Menschlichkeit
       aus Kalinovik zu verhindern.
       
       30 Aug 2026
       
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