# taz.de -- Digitales Bezahlen: Läden sollen künftig Kartenzahlung anbieten müssen
> Das Finanzministerium plant, dass Kartenzahlung immer möglich sein soll –
> Bargeld bleibt aber. Der Handelsverband kritisiert die Pläne. Was die
> Regeln konkret bedeuten.
(IMG) Bild: Im deutschen Einzelhandel geht der Trend zum bargeldlosen Bezahlen
dpa | Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen künftig neben Bargeld
auch mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat dazu Eckpunkte vorgelegt, die
nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur derzeit mit den anderen
Ministerien abgestimmt werden. Die neuen Regeln sollen 2027 umgesetzt
werden.
„Wir wollen, dass Unternehmen überall dort, wo Waren und Dienstleistungen
direkt vor Ort bezahlt werden, eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten“,
heißt es in den Eckpunkten. Damit wird ein Vorhaben aus dem
Koalitionsvertrag von Union und SPD umgesetzt.
Welches digitale Bezahlverfahren angeboten wird, sollen die Unternehmen
grundsätzlich selbst entscheiden können. Mindestens ein europäisches
Verfahren müsse jedoch akzeptiert werden. Umsatzgrenzen oder zusätzliche
Gebühren für Kunden sind nicht vorgesehen.
## Bargeld wird weiter akzeptiert
[1][Bargeld soll zugleich weiterhin akzeptiert] werden. Ziel sei
Wahlfreiheit für die Kunden. Ausnahmen von der Pflicht sind für
nichtkommerzielle Organisationen wie Amateursportvereine oder
Wohltätigkeitsverbände vorgesehen. Zudem soll geprüft werden, ob
Härtefallregelungen nötig sind.
Das Finanzministerium will den Gesetzentwurf noch in diesem Jahr ins
Kabinett bringen. Es begründet die Pläne auch mit dem Kampf gegen
Steuerhinterziehung, Geldwäsche und andere Finanzkriminalität. [2][Digitale
Zahlungen] würden dokumentiert und seien damit besser nachvollziehbar.
## Verband beklagt zusätzliche Bürokratie und Kosten
Digitale Zahlungsmöglichkeiten seien längst Standard, sagt Jana Schimke,
Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands
(Dehoga). „Kunden setzen sie voraus.“ Untersuchungen zufolge böten mehr als
90 Prozent der Betriebe bargeldloses Bezahlen an. Schimke warnt jedoch vor
Kosten für die Betriebe. „Derzeit bemessen sich Transaktionsgebühren
prozentual an der Höhe des Zahlungsbetrags.“ Vor allem kleine und mittlere
Betriebe benötigten ausreichende Übergangsregelungen für die Umstellung.
Im Einzelhandel stoßen die Pläne auf Kritik. Gesetzliche Vorgaben seien
völlig unnötig, sie schafften nur zusätzliche Bürokratie und
Unsicherheiten, sagte Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland
(HDE). „Denn eine einzelne Akzeptanz heißt immer, dass die ganze Bandbreite
an Karten akzeptiert werden muss. Ansonsten entstehen komplizierte
Kundengespräche, die Ärger machen sowie Zeit und Geld kosten.“ Für Händler
entstünden zusätzliche Kosten. Der Verband fordert deshalb eine
Möglichkeit, Kartengebühren an Kunden weiterzugeben.
Im deutschen Einzelhandel ging der Trend zuletzt zum bargeldlosen Bezahlen.
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI entfielen im vergangenen
Jahr 32,3 Prozent des Umsatzes noch auf Barzahlungen und 65,1 Prozent auf
Kartenzahlungen. Der Rest entfiel unter anderem auf Rechnungszahlungen,
Überweisungen, Ratenkäufe und Gutscheine. Bei der Zahl der Transaktionen
lag das Bargeld mit 50,5 Prozent noch knapp vor der Karte, die bei 48,1
Prozent der Einkäufe genutzt wird. Der Abstand ist in den vergangenen
Jahren immer kleiner geworden. Dazu trägt auch bei, dass Kunden häufiger
mit Smartphone oder Smartwatch bezahlen.
## Experte: Wahlfreiheit macht Sinn
Während der Pandemie habe sich ein Großteil der Bevölkerung an die
bargeldlose Bezahlung gewöhnt, sagt Kai Hudetz vom
Handelsforschungsinstitut IFH Köln. „Bargeldlose Bezahlmöglichkeiten sind
im Handel längst kein Zusatzangebot mehr, sondern werden von vielen
Konsumentinnen und Konsumenten als Standard erwartet.“ Dennoch sei Bargeld
vor allem bei älteren Menschen häufig weiterhin das bevorzugte
Zahlungsmittel. „Insofern macht die Wahlfreiheit absolut Sinn“, so Hudetz.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband äußerte sich positiv zu den Plänen.
„Verbraucherinnen und Verbraucher wollen selbst bestimmen, ob sie mit
Karte, Smartphone oder Bargeld bezahlen“, sagte Vorständin Ramona Pop.
Akzeptanzpflichten für Händler und [3][Gastronomie] stärkten die
Wahlfreiheit.
11 Sep 2026
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