# taz.de -- Ankunft in der Wohnung nach dem Urlaub: Karnickelweg 7b frisch renoviert
       
       > Bei unserer Rückkehr nach sechs Wochen Urlaub erkennen wir unser Wohnhaus
       > kaum wieder. Meine Frau freut sich. Und mir kommt eine lukrative Idee.
       
 (IMG) Bild: Frischer Anstrich: Als Osman und seine Frau nach Hause kommen, ist schon alles erledigt
       
       Wir haben mit der Familie sechs Wochen Urlaub in der Türkei verbracht und
       wir sehen jetzt so richtig knackig braun aus, dass die Nachbarn im
       Karnickelweg 7b Schwierigkeiten haben, uns wiederzuerkennen. Wir unserseits
       tun uns auch schwer, unser eigenes Haus zu erkennen.
       
       Die Wohnungsbaugesellschaft hat die Außenfassade und das Treppenhaus
       komplett „modernisiert“. So steht es jedenfalls in dem Brief, den wir in
       unserem ebenfalls „modernisierten“ Briefkasten gefunden haben.
       
       „Bestimmt wird jetzt die [1][Miete erhöht]“, schimpfe ich. „Ich kenne diese
       Halsabschneider. Wenn sie auch nur einen einzigen rostigen Nagel reinhauen,
       wollen sie gleich mehr Kohle!“
       
       Im Gegensatz zu mir freut sich meine Frau riesig über das „neue“
       Treppenhaus: „Endlich sieht der Flur aus, als würden hier Menschen wohnen
       und nicht irgendwelche Tiere“, ruft sie begeistert.
       
       „Wenn das so ist, kann ich ja meine groß angelegte Suche nach einer neuen
       Wohnung getrost zu den Akten legen“, antworte ich.
       
       „Von welcher groß angelegten Suche redest du, Faulpelz? Durch Rumlümmeln
       auf dem Sofa hat noch niemand eine Wohnung gefunden!“
       
       „Eminanim, jetzt sei mal nicht so ungerecht. Vor dem [2][Urlaub] habe ich
       sogar bei einer Wohnungsanzeige angerufen.“
       
       „Ich weiß, du hast bei einer sogenannten Modellwohnung angerufen und
       stundenlang mit einem Callgirl namens Chantal über ihren Stundenlohn
       verhandelt.“
       
       „Ich dachte, das sei die Monatsmiete für unsere zukünftige Wohnung.“
       
       Um weiteren Vorwürfen aus dem Weg zu gehen, packe ich die Koffer und
       schleppe sie nach oben in die Wohnung.
       
       „Osman, weißt du, was in dem Brief der Baugesellschaft noch steht?“, ruft
       mir meine Frau hinterher.
       
       „Ich kann mir schon denken, was noch drinsteht: Wir müssen die Farbe für
       die Renovierung selbst bezahlen. Übrigens, Zartrosa fürs Treppenhaus halte
       ich für problematisch. Da hätten wir auch gleich in die Modellwohnung
       ziehen können.“
       
       Eminanim überhört meine Beschwerde und liest fröhlich aus dem Brief vor:
       „Liebe Familie Engin, nach sechs Wochen ist die Zeit des Bohrens und
       Hämmerns endgültig vorbei. Um Ihre Geduld während der Renovierungsarbeiten
       zu würdigen, möchten wir Sie wegen des Lärms und der Unannehmlichkeiten mit
       150 Euro entschädigen.“
       
       „Das ist doch großartig. Ich schreibe denen sofort zurück“, freue ich mich.
       
       „Osman, das ist wirklich lieb von dir. Zivilisierte Menschen müssen sich
       bei so viel Fürsorge und gutgemachter Arbeit einfach erkenntlich zeigen und
       ihren Dank aussprechen.“
       
       „Dank? Spinnst du? Wofür denn? Ich schreibe denen, dass die letzten Wochen
       für uns die Hölle waren und dass wir deshalb in die Türkei flüchten
       mussten. Ich verlange, dass sie unsere gesamten Flug- und Hotelkosten in
       Höhe von 10.780 Euro übernehmen. Und zwar komplett. Das würde sogar die
       zartrosa Wände zum Strahlen bringen. Ich lasse mich doch nicht bei derart
       Unannehmlichkeiten mit nur 150 Euro abspeisen.“
       
       13 Sep 2026
       
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