# taz.de -- Russische Schattenflotte: Die schleichende Ölpest vor der Küste Omans
       
       > Vor drei Monaten gab es eine Explosion auf einem Tanker der
       > Schattenflotte. Seitdem fließen Millionen Liter Öl ins Meer – in einem
       > Naturschutzgebiet.
       
 (IMG) Bild: Das beschädigte Schiff „Caroline Bezengi“ und ein Ölteppich vor den Hallaniyat-Inseln, am 10. August 2026
       
       Der Oman setzt auf die Charif-Saison: Die heftigen Regenfälle und Winde der
       Charif genannten Monsunregenzeit sollen das Meer vor der Küste des
       Sultanats von Ölteppichen reinigen. Sie verschmutzen das Arabische Meer,
       seit der gestrandete Tanker „Caroline Begenzi“ dort leckgeschlagen
       festliegt.
       
       Der 25 Jahre alte Tanker transportierte 110.000 Tonnen Rohöl, die er im
       russischen Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer geladen hatte. Wie viel
       davon das mittlerweile mit der ganzen linken Hälfte unter Wasser liegende
       274 Meter lange Schiff schon verloren hat, ist unklar. Satellitenbilder
       zeigten zwischenzeitlich einen 2.000 Quadratkilometer großen Ölteppich,
       eine Fläche so groß wie Berlin, Hamburg und Köln zusammen.
       
       Inzwischen sollen es wegen der Monsunregengüsse nur noch 200
       Quadratkilometer sein, sagt Nina Noelle, Expertin für Umweltkatastrophen
       bei Greenpeace, mit Blick auf jüngste Satellitenaufnahmen. „Wir beobachten
       eine wochenlange Naturkatastrophe, inmitten eines maritimen
       Naturschutzgebietes“, sagte Noelle.
       
       Die Aufnahmen seien nicht so hochauflösend, dass ölverschmierte Seevögel zu
       erkennen seien. Ein eigenes Bild machen können sich Umweltaktivisten nicht,
       denn sie dringen nicht zur Unfallstelle vor. Der Tanker ist nach einem
       Angriff am 8. Juni auf unter Wasser liegende Klippen im
       Umweltschutzgebietes der Al-Hallaniyat-Inseln vor Omans Küste aufgelaufen.
       Hier gibt es wichtige Korallenriffe, Nistplätze von Meeresschildkröten,
       hier leben Arabische Buckelwale und seltene Vögel. Für das gesamte
       Ökosystem dort sei die entstandene Lage „fatal“, so Noelle.
       
       Die omanische Umweltbehörde und das Ministerium für Verkehr, Kommunikation-
       und Informations-Technologie (MTCIT) haben vor einem Monat die Lage für so
       bedrohlich gehalten, dass dringendes Handeln erforderlich sei. Rund 60
       Kilometer ihrer Küsten seien schon von der Ölpest betroffen.
       
       Die Regierung beauftragte das britische Spezialunternehmen Ambrey, die
       Ölpest zu bekämpfen. Die Firmen Oil Spill Response Limited und Oman Pesco
       wurden angeheuert, um zu verhindern, dass weiter Öl ausläuft, und damit die
       betroffenen Gebiete gesäubert werden können.
       
       Doch weder auf Satellitenbildern noch bei Datendienstleistungsfirmen für
       den Schiffsverkehr ist zu erkennen, dass zahlreiche Schiffe versuchen
       würden, das Auslaufen der rund 130 Millionen Liter Öl aus dem lecken Tanker
       zu verhindern oder das Öl von dort abzupumpen.
       
       Hier unterstützt Charif nicht, sondern stört – das MTCIT spricht von
       „äußerst schwierigen Wetterbedingungen“: Während der Regen die Wüsten und
       Gebirge dort erblühen lässt, steigt das Tiefenwasser des Indischen Ozeans
       auf, es herrschen heftige Winde und Wellen mit bis zu vier Meter Höhe. Der
       Oman ist mit der Ölpest bisher allein. Versuche des Landes, den Eigner des
       Schiffs zur Verantwortung zu ziehen, schlugen fehl.
       
       Offiziell gilt Rentoor Ship Management mit Sitz in Shanghai als Eigner,
       westliche Experten halten dieses Unternehmen allerdings für eine
       Briefkastenfirma, denn die Adresse liegt in einem Wohnblock.
       
       Die „Caroline Bezengi“ wurde 2001 auf einer südkoreanischen Hyundai-Werft
       als „SCF Altai“ für die staatliche russische Handelsflotte Sovcomflot
       gebaut. Seither wurde sie mindestens dreimal umgetauft und fünfmal
       umgeflaggt. Aktuell fährt der Kahn unter der Flagge Kameruns als Teil der
       russischen Schattenflotte und ist von der EU, Großbritannien, Kanada, der
       Schweiz, den USA und anderen sanktioniert.
       
       [1][Die russische Schattenflotte besteht aus weit mehr als 1.000 veralteten
       Tankern], die Russland nach der Verhängung westlicher Strafmaßnahmen eilig
       zusammengekauft hat, um sanktioniertes Rohöl zu transportieren. Die
       Besatzung wurde nach der Explosion lebend vom Schiff geborgen.
       
       Seitdem die USA Anfang September 8 iranische Öltanker angegriffen haben,
       droht weitere Gefahr: Bisher sind zwar offiziell noch keine Ölaustritte
       bestätigt worden. Aber das Risiko schwerer ökologischer Schäden – besonders
       im Golf von Oman und in der Straße von Hormus – ist extrem hoch, da 6 der
       angegriffenen 8 Tanker mit Rohöl beladen gewesen sein sollen.
       
       10 Sep 2026
       
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