# taz.de -- Wohnungsnot in Berlin: Vermieter statt Wohnung wechseln
       
       > Mehrere tausend Mieter:innen sind von Räumungsklagen betroffen. Ein
       > Bündnis will Eigentumswohnungen gemeinwohlorientiert aufkaufen lassen.
       
 (IMG) Bild: Auf einer Berliner Demo von Mieterorganisationen am 5. September
       
       „Was sollen wir denn jetzt tun?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich Markus
       Domsch schon seit einem Jahr. Seine Mietwohnung könne verkauft und danach
       Eigenbedarf angemeldet werden, fasst er seine Situation zusammen. Domsch
       sitzt als Betroffener in einer Pressekonferenz im Berliner Bezirksamt
       Friedrichshain-Kreuzberg. Das Bündnis „Wohnungsnot durch Umwandlung und
       Eigenbedarfskündigungen stoppen!“ stellt am Donnerstag gemeinsam mit
       Expert:innen ein Sofortprogramm vor, das sich mit Fällen wie seinem
       befasst. Zum Bündnis gehören unter anderem der Berliner Mieterverein,
       Bezirksstadträte und andere Initiativen.
       
       Ausgangslage ist, dass laut Investitionsbank Berlin zwischen 1991 und 2024
       über 360.000 Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt wurden. Der
       Berliner Mieterverein geht in Berlin für 2024 von mindestens 3.000
       Räumungsklagen wegen Eigenbedarfs aus. Der Geschäftsführer des Vereins,
       Sebastian Bartels, schätzt die Dunkelziffer auf das Doppelte: „Das ist
       wirklich sehr dramatisch.“
       
       Im Kern geht es im Sofortprogramm darum, Mieter:innen, denen durch den
       Verkauf ihrer Wohnung eine Eigenbedarfskündigung droht, zu helfen. Dazu
       sollen sogenannte Ankaufsagenturen gegründet werden, die ein Kaufkonzept
       für die betreffenden Wohnungen erarbeiten sollen.
       
       Anschließend vermittelt die Agentur die Mieter:innen an Genossenschaften
       oder landeseigene Wohnungsunternehmen, die letztendlich die betreffenden
       Wohnungen kaufen sollen. Die Finanzierung soll individuell, etwa mit
       Kapital des Trägers und mit Förderungen, gestaltet werden: Die
       Mieter:innen können beispielsweise mit Genossenschaftsanteilen beteiligt
       werden. Die Agenturkosten sollen wiederum vom Land übernommen werden. Das
       Bündnis geht davon aus, dass im ersten Jahr 720.000 Euro dafür anfallen.
       Ziel ist es, dass die Mieter:innen in ihrer Wohnung bleiben können.
       
       Sofortprogramm zur sofortigen Umsetzung 
       
       Florian Schmidt (Grüne), Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Kooperative
       Stadtentwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg, sagt, das Sofortprogramm
       könne von der neuen Landesregierung nach der Wahl direkt umgesetzt werden.
       Die Investitionen für das Programm von zunächst 720.000 Euro könnten im
       nächsten Jahr auf eine Million erhöht werden: Für einen Landeshaushalt in
       der Größenordnung von Berlin sei das nicht viel. „Wir müssen handeln, bevor
       eine Eigenbedarfskündigung ausgesprochen wird“, fordert Schmidt.
       
       Julian Zwicker von der Genossenschaftlichen Immobilienagentur (GIMA)
       Berlin-Brandenburg hat schon Erfahrung mit dem sozialverträglichen
       Vermitteln von Immobilien. Er sieht zwei hohe Hürden: „Das eine ist der
       Aufwand in der Projektentwicklung und das andere ist letztendlich die
       Finanzierbarkeit.“ Eigentumswohnungen seien ein massives Problem für den
       Wohnungsmarkt in Berlin. Er befürworte es, diesen Wohnraum in
       gemeinwohlorientierte Hand zu bringen.
       
       Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Berlin-Mitte, Ephraim Gothe
       (SPD), sagt: „Wenn das Land das Risiko der frühen Projektentwicklung
       abfedert, kann daraus ein wirksames Instrument zum Ausbau des
       gemeinwohlorientierten Wohnungsbestands werden.“
       
       10 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Maier
       
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