# taz.de -- Demografie und Familienplanung: Auch wegen der Wohnungsnot gibt es zu wenig Kinder
       
       > Der Kinderwunsch in Deutschland nimmt ab. Globale Krisen, Wohnungsnot und
       > Arbeitsmarkt sind Hindernisse für die Familiengründung.
       
 (IMG) Bild: Das was Millenials hatten, werden ihre Kinder nie haben
       
       Es sind schlechte Nachrichten für die Millennials und die Gen Z: Der
       Kinderwunsch der jungen Leute in Deutschland geht zurück. Damit wird die
       Bevölkerung in Deutschland auch in fernerer Zukunft weiter schrumpfen und
       den Rentenkassen Probleme bereiten. Schuld an der Entwicklung sind
       Zukunftssorgen angesichts [1][globaler Krisen wie Klimawandel] und
       [2][Kriege, aber auch ganz banal vor Ort der Wohnungsmangel und Probleme
       auf dem Arbeitsmarkt].
       
       Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle [3][Untersuchung] des
       Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis von Daten des
       familiendemografischen Panels FReDA, die am Mittwoch vorgestellt wurde.
       Dabei werden regelmäßig in Deutschland 30.000 Personen befragt.
       
       Die Geburtenrate in Deutschland ist vom Jahr 2021 bis zu 2025 von
       rechnerisch 1,58 auf 1,32 Kinder gefallen. Dies entspricht dem Trend in der
       EU, wo die durchschnittliche Geburtenrate auf 1,34 Kinder im Jahre 2024
       absackte. Niedrige Geburtenraten von 1,3 oder 1,4 Kindern pro Frau führen
       laut der BiB-Untersuchung dazu, „dass die nächste Generation etwa ein
       Drittel kleiner wird“, sofern keine Zuwanderung erfolgt.
       
       Der Kinderwunsch ist in der Regel stärker, als dann tatsächlich Geburten
       darauf folgen. In der neuesten Erhebung von 2024/25 lag der rechnerische
       durchschnittliche Kinderwunsch der Frauen bei 1,69 Kindern und der der
       Männer bei 1,64. Diese Ziffer ist seit den Jahren 2022/23 zurückgegangen.
       Damals wünschten sich die Befragten umgerechnet rund 1,8 Kinder.
       
       Der Kinderwunsch liegt damit niedriger als die Vorstellungen von einer
       idealen Elternschaft: Konstant über die Jahre sahen die jungen Leute im
       Alter zwischen 18 und 39 Jahren eine Familie mit zwei Kindern als ideale
       Konstellation an, ergaben die Befragungen.
       
       „Viele Menschen bekommen weniger Kinder, als es ihrem eigentlichen
       Familienideal entspricht“, sagte Martin Bujard, Co-Autor der Studie. Eine
       Erklärung für diese Entwicklung liege in den vielfältigen globalen
       Krisenerfahrungen und in Mängeln der Daseinsvorsorge, heißt es in der
       Studie. Besonders viele der Befragten sorgten sich wegen der militärischen
       Konflikte. Dann folgten in leichten Abstufungen eine geschwächte
       Demokratie, der Klimawandel und Wirtschaftskrisen.
       
       Erstmals wurde im FReDA-Panel aber auch nach den Sorgen angesichts der
       konkreten Lebensbedingungen vor Ort gefragt. Danach waren mehr als 70
       Prozent der jungen Befragten, darunter Kinderlose und Eltern, [4][nicht
       zufrieden mit dem Wohnungsangebot in ihrer Region]. Mehr als 40 Prozent
       waren unzufrieden mit den Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vor Ort.
       
       Die Absicht, demnächst ein Kind zu bekommen, erhöhe sich um fünf Prozent,
       wenn Wohnungs- und Arbeitsangebote zufriedenstellend seien, sagte
       Co-Autorin Carmen Friedrich. Der Kinderwunsch sinke um zehn Prozent, wenn
       man sich sehr große Sorgen um globale Krisen mache.
       
       Eine frühere [5][Untersuchung des United Nations Population Fund (UNFPA)]
       hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass in Deutschland 18 Prozent der
       Befragten angaben, fehlender Wohnraum und hohe Wohnkosten hinderten sie
       daran, so viele Kinder zu bekommen, wie sie sich ursprünglich wünschten. 25
       Prozent gaben finanzielle Gründe als Hindernis an. Nur 12 Prozent nannten
       fehlende Kinderbetreuung als Hindernis für mehr Kinder.
       
       Die Ergebnisse der BiB-Studie legten nahe, dass die Familienpolitik allein
       nicht ausreiche, um die Lücke zwischen Kinderwunsch und tatsächlicher
       Kinderzahl zu verringern, so Bujard. „Entscheidend ist auch, ob junge
       Menschen mit Zuversicht auf ihre persönliche und gesellschaftliche Zukunft
       blicken.“ Nach der Einführung des Elterngeldes, dem Ausbau der
       Kinderbetreuung und verstärkter Zuwanderung war die Geburtenrate in
       Deutschland von 2011 bis 2016 auf 1,60 gestiegen, ging dann aber seit 2017
       wieder zurück.
       
       In einigen anderen EU-Ländern liegen die Geburtenraten allerdings noch mal
       deutlich niedriger als hierzulande. Sie betragen in Italien 1,18 und in
       Spanien 1,10, in Estland nur 1,18 und in Litauen nur 1,11, so die Zahlen
       von 2024.
       
       2 Sep 2026
       
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