# taz.de -- BSW in Mecklenburg-Vorpommern: Wagenknecht-Partei versucht es mal ohne Haudrauf
> Die Spitzenkandidat:innen des BSW in Mecklenburg-Vorpommern sind
> erstaunlich unaufgeregt. Wagenknechts Kriegslieder können sie trotzdem
> auswendig.
(IMG) Bild: „Sind halt norddeutsch“: MV-Spitzen Sabine Firnhaber und Peter Schabbel mit BSW-Bundeschefin Amira Mohamed Ali (Mitte)
Erst Magdeburg, jetzt Schwerin: Im Bündnis Sahra Wagenknecht gibt man sich
überzeugt, bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag den
nächsten Erfolg einzufahren. „Wir hoffen, dass wir wie in Sachsen-Anhalt
das Zünglein an der Waage sein werden“, sagt BSW-Spitzenkandidatin Sabine
Firnhaber. Sie sehe ihre Partei im Nordosten „realistisch bei 6 bis 8
Prozent“.
Die meisten Vorwahlumfragen sehen etwas anderes, nämlich ein Scheitern an
der 5-Prozent-Hürde. Firnhaber interessiert das aber wenig. „Die
Umfrageinstitute schreiben uns doch immer runter.“ Und die Medien machten
mit. „Aber ich glaube, dass immer mehr Menschen das hinterfragen und uns
das bei der Wahl jetzt die Bestätigung bringen wird“, sagt die 49-jährige
Landwirtin zur taz.
Kurz zuvor hatte Parteigründerin Sahra Wagenknecht ihren großen Auftritt
zur Unterstützung des Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern. Sabine
Firnhaber und BSW-Co-Spitzenkandidat Peter Schabbel mussten das Vorprogramm
bestreiten. Auch Wagenknecht beklagte sich erwartungsgemäß über die Medien.
„Da wird verdammt viel gelogen.“ Aber „der Osten“ glaube das alles nicht
mehr, weil der ja nicht dumm sei.
Sie trifft an diesem kalten Abend auf dem Alten Markt in Stralsund auf ein
fleißig klatschendes, aber doch eher überschaubares Publikum. Nur knapp 200
Menschen hören ihr zu. Da gab es schon bessere Zeiten für Wagenknecht, auch
in Mecklenburg-Vorpommern.
## Bewährte Untergangsprosa
Wagenknechts Stimme peitscht trotzdem so laut über den Platz, als gäbe es
mehrere tausend Leute zu unterhalten. 25 Minuten lang präsentiert sie ihre
Klassiker: Die Wirtschaft wird „an die Wand gefahren“, die Bundesregierung
hat „abgewirtschaftet“, ein Krieg mit Russland steht unmittelbar bevor, der
wahre Terror kommt aus der Ukraine. „Schande.“ „Skandal.“ „Abzocke.“ „Wo
soll das denn alles enden, liebe Freunde?“
Die lieben Freund:innen Sabine Firnhaber und Peter Schabbel wollen da
nicht widersprechen. Wie Wagenknecht sehen auch die
Spitzenkandidat:innen Deutschland am Ende. Auch sie fordern für
Mecklenburg-Vorpommern einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“. Und
dass die Nordstream-Pipeline „aufgedreht“ wird. Wagenknechts Kriegs- und
Friedenslieder können sie auswendig. Schabbel sagt: „Russland ist nicht
unser Feind.“
Der 59-jährige Heilpraktiker verweist darauf, dass er sich schon zu
DDR-Zeiten in der Friedensbewegung engagiert habe. Er stand lange den
Grünen nahe. Bei der letzten Landtagswahl 2021 kandidierte er für die
„Querdenken“-Partei Die Basis. Seit Oktober vergangenen Jahres ist er Chef
des gerade mal 440 Mitglieder zählenden BSW-Landesverbands.
Der neben Schabbel damals ebenfalls zum neuen Landesvorsitzenden gewählte
Uniprofessor Peter Langer, schmiss vier Monate später wieder hin.
Inzwischen ist Langer aus dem BSW ausgetreten. Medienberichten zufolge soll
er seiner Partei vorgeworfen haben, [1][sich der AfD anzubiedern]. Der
Auftritt als „Antisystem-Partei“ habe ihn zunehmend angewidert, hieß es.
## Die Thüringen-Frage
Ja, sagt Peter Schabbel zur taz: „Wir wollen gar nicht verschweigen, dass
es hier Streitigkeiten gab.“ Dann fügt er noch hinzu: „Die Thüringen-Frage
hat uns sicher nicht gutgetan.“ Schabbel ist anzumerken, dass er nicht gern
über den Konflikt zwischen der BSW-Bundesspitze und dem Thüringer
Landesverband spricht, der jetzt [2][durch den Austritt der
Wagenknecht-Kritiker:innen] „gelöst“ wurde.
Ende August – in der Hochphase des Parteikriegs zwischen Berlin und Erfurt
– gab Schabbel in einem Interview zu Protokoll, dass „die Thüringer“ ja
auch „sehr gute Erfolge mit ihrer Regierungsbeteiligung haben“.
Zur Erinnerung: Wagenknecht und die BSW-Bundeschef:innen Amira Mohamed Ali
und Fabio De Masi sehen sahen in Thüringen ausschließlich
Verräter:innen und Karrierist:innen am Werk. Die dortige Koalition
mit CDU und SPD galt ihnen von Anfang an als parteischädigend. De Masi
äußerte sich schon 2024 abfällig, das BSW sei nicht angetreten, „um in
Thüringen ein paar Bratwürste zu grillen“.
Schabbel ist das Gegenteil von De Masi und Co. Eher Marke freundlicher
Onkel. Der im BSW ansonsten gepflegte [3][überdrehte Wutbürgersound] liegt
ihm nicht. Ähnlich ist es bei Co-Spitzenkandidatin Sabine Firnhaber, deren
Weg in die Politik 2019 mit der Mitorganisation der Bauernproteste begann.
Firnhaber sagt: „Wir sind halt norddeutsch.“ Sie und Schabbel hätten ihren
„eigenen Stil, nicht so eine Haudrauf-Mentalität“.
## Keine Zusammenarbeit mit der AfD
Anders als [4][die querfrontig gesinnte BSW-Spitze in Sachsen-Anhalt etwa]
haben Schabbel und Firnhaber zudem eine klare Position zur AfD: keine
Zusammenarbeit. Während in Magdeburg munter Gespräche mit den
Rechtsextremen geführt werden, sagt Schabbel: „Das schließe ich aus.“ Weder
werde er im Landtag gemeinsam mit der AfD Anträge vorbereiten noch
„bestimmte Strategien entwickeln, um parlamentarisch eine Mehrheit zu
erreichen“.
Das sind Töne, [5][wie sie auch aus dem abtrünnigen Feindesland Thüringen
zu hören waren]. Schabbel schränkt sicherheitshalber ein, dass sich das BSW
in Mecklenburg-Vorpommern selbstverständlich in der Opposition sehe: „Wir
können uns keine Koalition vorstellen, nicht mit der AfD, aber auch nicht
mit den anderen Parteien.“
Überhaupt sei es an der Zeit, nach vorn zu schauen. „Wir sind eine junge,
immer noch neue Partei. Da gibt es auch Setzungserscheinungen“, sagt
Schabbel. „Das haben wir, glaube ich, jetzt aber ganz gut überstanden.“ Das
BSW sei wieder auf Erfolgskurs. Allein in den drei Tagen nach der Wahl in
Sachsen-Anhalt habe es in Mecklenburg-Vorpommern „12 oder 14
Mitgliedsaufnahmen“ gegeben. Das sei doch viel.
14 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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