# taz.de -- Jens Spahn entschuldigt sich: „Ich war zu feige, offen Farbe zu bekennen“
       
       > Die Elternschaft per Leihmutter hatte ihm das Amt an der Spitze der
       > Unionsfraktion gekostet. Nun erklärt sich Jens Spahn gegenüber seinem
       > Heimatwahlkreis.
       
 (IMG) Bild: Jens Spahn entschuldigt sich für seinen Umgang mit einer Leihmutterschaft
       
       dpa | Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende im Bundestag Jens Spahn hat
       die CDU-Mitglieder seines Wahlkreises um Entschuldigung für seinen
       [1][Umgang mit einer Leihmutterschaft] in den USA gebeten. „Ich war zu
       feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, schreibt Spahn
       in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mehrere Medien
       hatten zuvor berichtet.
       
       In dem Schreiben nimmt er nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit
       während der Sommerpause Bezug auf die [2][Diskussion, die die Geburt seines
       Sohnes mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ausgelöst] hatte. Vor allem
       habe er durch den Widerspruch zwischen seiner früher öffentlich vertretenen
       Haltung und seiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht, schreibt
       Spahn an seine Parteifreunde in seinem Wahlkreis Steinfurt I/Borken I im
       Münsterland. „Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“
       
       ## Spahn spricht von jahrelangem Abwägungsprozess
       
       In dem Brief geht er auch auf seine Beweggründe ein: Mit seinem Mann habe
       er viele Jahre lang unterschiedliche Wege „erwogen, geprüft, verworfen und
       erneut betrachtet“, den gemeinsamen Wunsch, eine Familie zu gründen, zu
       erfüllen. In diesem Prozess habe sich seine eher skeptische Haltung einer
       Leihmutterschaft gegenüber verändert.
       
       Die [3][konkreten Bedingungen dafür in den USA sowie die deutsche
       Rechtsprechung], die 2018 eine gerichtlich in den USA festgestellte
       Elternschaft nach Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit
       deutschem Recht vereinbar gemacht hätten, seien dabei wichtig gewesen.
       
       ## Spahn: „wollte schwierige Debatte vermeiden“
       
       „Aber ich habe es versäumt, diesen Abwägungsprozess rechtzeitig
       offenzulegen und meine veränderte Position zu erklären“, räumt er ein. „Ich
       wollte eine schwierige Debatte vermeiden, auch zum Schutz meiner werdenden
       Familie – und habe damit am Ende eine sehr viel schwierigere Debatte
       ausgelöst. Das war falsch. Ich bedaure das zutiefst.“
       
       Ende Juli war der 46-Jährige vom Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
       zurückgetreten, nachdem er publik gemacht hatte, dass er und sein Mann mit
       Hilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen haben. Dies wurde auch
       in der Union kritisiert, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist
       und sich Spahns Partei klar gegen eine Legalisierung ausspricht. Er selbst
       hatte das in der Vergangenheit auch getan.
       
       Sein Bundestagsmandat behielt Spahn. Er wird nun Mitglied des
       Haushaltsausschusses. Er wolle als direkt gewählter Abgeordneter seines
       Wahlkreises weiterhin die Interessen seiner Heimat im Bundestag vertreten
       und dabei als neues Mitglied im Haushaltsausschuss inhaltlich an seine
       bisherige parlamentarische Arbeit anknüpfen, erklärte er nun in dem Brief.
       „Beide Aufgaben möchte ich mit voller Kraft wahrnehmen – in dem
       Bewusstsein, dass Vertrauen immer wieder neu erarbeitet werden muss.“
       
       10 Sep 2026
       
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