# taz.de -- Regierungsknall in Thüringen: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen, wirklich
> Die BSW-Fraktion in Thüringen ist Geschichte. Dennoch bemüht sich
> CDU-Ministerpräsident Voigt um Normalität. Alles wie bisher?
(IMG) Bild: Aufgelöst: die Thüringer BSW-Landtagsfraktion
Lächelnd unterschreibt Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) das Papier, das
seine Regierung in Thüringen retten soll. „Ich glaube, das ist ein guter
Tag für Thüringen“, erklärt er vor den Kameras im Landtag. Durch Thüringen
sei ein „reinigendes Gewitter“ gezogen. „Wir sind die Einflüsse von außen,
namentlich Sahra Wagenknecht, losgeworden.“ Nun gehe es weiter.
Nach Voigt unterschreiben an diesem Mittwochmittag der
Vizeministerpräsident Georg Maier (SPD) – und die Vizeministerpräsidentin
Katja Wolf, deretwegen das Papier überhaupt erst nötig wurde.
In der vergangenen Woche ist die damalige BSW-Landesvorsitzende gemeinsam
mit neun weiteren Abgeordneten aus dem BSW ausgetreten und hat am Sonntag
eine neue Partei gegründet: „Thüringen.gerecht“. In den Jahren zuvor hatte
es einen andauernden Streit zwischen der BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht
und der Thüringer BSW-Spitze über eine Beteiligung an der Regierung
gegeben. Der hätte sich am Sonntag bei einem Sonderparteitag weiter
zuspitzen sollen. Der Bundesvorstand wollte den Thüringer Verband zwingen,
aus der Regierungskoalition auszutreten. Das haben die BSW-Abgeordneten um
Katja Wolf mit ihrem Austritt abgewendet.
Danach wollten sie aber auch weiter mit der CDU und der SPD im Freistaat
regieren. Da aber der Koalitionsvertrag zwischen den Parteien CDU, SPD und
BSW geschlossen worden war, musste ein neuer rechtlicher Rahmen her.
Deshalb das Papier.
## Echte Minderheitsregierung
Nur wenige Stunden zuvor hatte sich im Thüringer Landtag die BSW-Fraktion
offiziell aufgelöst. Statt ihrer gibt es jetzt im Parlament eine Fraktion
Thüringen.gerecht mit zehn Abgeordneten und außerdem fünf Fraktionslose.
Denn nicht alle der 15 BSW-Abgeordneten sind vergangene Woche dem Weg von
Wolf gefolgt. Zwei sind weiterhin im BSW, und drei haben noch eine weitere
Partei gegründet: Deine Stimme zählt (DSZ).
Diese Verschiebungen ganz ohne Wahl beeinflussen die Machtverhältnisse im
Thüringer Landtag. Die Landesregierung verfügte bis zum BSW-Kollaps genau
über die Hälfte der Stimmen im Landtag, 44 von 88. Eine Pattsituation. Für
jedes Gesetz brauchte sie eine Stimme von anderen Fraktionen. Da im
Koalitionsvertrag eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen wurde,
blieb da nur die Linke.
Jetzt fehlen der Landesregierung 6 Stimmen bis zur Mehrheit. Sie ist nun
eine echte Minderheitsregierung. Die beiden übrig gebliebenen
BSW-Abgeordneten haben klargemacht, dass sie im Landtag eine Gruppe bilden
wollen, die der Opposition angehört. Die drei DSZ-Abgeordneten wiederum
wissen bisher nicht, ob sie sich der Regierung anschließen oder in die
Opposition gehen.
Stefan Wogawa, einer der drei, erklärte im Gespräch mit der taz, es sei
sicher, dass sie nicht der Partei von Katja Wolf angehören wollten.
Außerdem wolle er Anträgen der AfD, die er für sachlich richtig halte,
wirklich zustimmen. Bislang habe das BSW dies immer nur angekündigt, aber
nie umgesetzt.
## Konsultationen
Für Voigts Regierung bedeutet das, sie braucht in jedem Fall Stimmen von
den Linken. Bislang gab es dafür einen „Konsultationsmechanismus“. Doch die
Linke fordert unter den neuen Umständen „feste Verabredungen“.
[1][Fraktionsvorsitzender Christian Schaft] erklärt gegenüber der taz am
Mittwoch: „Wir erwarten als Linke eine Erklärung des Ministerpräsidenten,
wie er unter diesen Verhältnissen mit der Landesregierung Mehrheiten
organisieren will und wie Vertrauen in politische Prozesse geschaffen
werden soll.“
Entgegen den Ankündigungen von Voigt sei die aktuelle Situation alles
andere als stabil. Schaft spricht von „Chaos“. Er erwarte, dass die
Regierung mit der Linken „Gespräche zu verbindlichen Verfahren im
Parlament“ führe.
Als am Mittag das Papier unterschrieben ist, durch das
[2][Thüringen.gerecht] das BSW im Koalitionsvertrag ersetzt, lächelt auch
Katja Wolf. In ihrer neuen Partei nicht nur Landesvorsitzende, sondern
jetzt auch Parteivorsitzende. Mit dem Manöver hätten sie die Regierung in
Thüringen stabilisiert. „Die Vorgänge in Sachsen-Anhalt zeigen uns sehr
deutlich, was die Alternative gewesen wäre“, sagt sie.
[3][Mario Voigt] bekräftigte auch noch einmal: „Diese Regierung ist
handlungsstark.“ Doch woher er die nötigen Stimmen im Parlament fürs
Handeln bekommen will, das erklärte er dann nicht mehr.
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /BSW-in-Thueringen/!6210389
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%BCringen_gerecht
(DIR) [3] /KI-Reden-von-Mario-Voigt/!6186148
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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