# taz.de -- Großdemo für ein weltoffenes Berlin: Den Rechtsruck drehen
> Zehntausende demonstrieren auf der Sterndemo für Klimaschutz,
> Queerfeminismus und soziale Gerechtigkeit. Sie eint eine klare Kante
> gegen rechts.
(IMG) Bild: Wut und Hoffnung: Demonstrierende auf der Sterndemo fordern ein AfD-Verbot
„Zeit, dass sich was dreht!“, sang Herbert Grönemeyers zur WM 2006 – am
Samstag diente die Zeile als Motto für die Berliner Sterndemo. Laut
Veranstalter zogen 32.000 Menschen sternförmig aus den verschiedenen
Bezirken zum Roten Rathaus, um sich klar gegen Rechtsextremismus zu
positionieren. Die Pressestelle der Polizei Berlin schätzt die
Teilnehmenden-Zahl gegenüber der taz auf 28.000.
Zwischen den Hochhäusern am Potsdamer Platz quetschen sich am
Samstagnachmittag Tausende Demonstrierende. Die Teilnehmenden schwenken
Antifa- und Fck-AfD-Fahnen. Der Demo-Zug, der hier startet, setzt sich für
den Schutz von Demokratie und Menschenrechten ein. [1][Omas gegen Rechts]
stehen dicht gedrängt neben Jugendlichen und Eltern mit ihren Kindern.
Eine Frau mit Locken hält ein Schild hoch: „Hass ist der Orgasmus der
Ungestreichelten“ Auf einem anderen Schild in Regenbogenfarben steht
passend zum Demo-Motto eine weitere Grönemeyer-Zeile: „Keinen Millimeter
nach rechts“
Zur Demo haben fast 100 Organisationen, Initiativen und Gewerkschaften
aufgerufen. Jeder der acht Demo-Züge, die sich am Nachmittag am Roten
Rathaus treffen, hat seinen eigenen thematischen Schwerpunkt: Von
Klimaschutz über soziale Gerechtigkeit bis zum Queerfeminismus – setzten
sich alle für eine weltoffene Stadt ein.
## Die AfD braucht nur einmal eine Mehrheit
Christoph Bautz, Vorstand der progressiven Kampagnen-Organisation
„[2][Campact]“, schwingt sich auf die Ladefläche eines LKWs direkt vor der
Menge. Mit Blick auf das Menschenmeer vor ihm, ruft er ins Mikrofon, genau
das brauche es jetzt nach den Wahlergebnissen von Sachsen-Anhalt, bei denen
die dort als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD deutlich stärkste Kraft
wurde. „Aufgeben ist keine Option!“, sagt Bautz während Applaus aus der
Menge an den LKW brandet.
Bautz zitiert den AfD-Abgeordneten Felix Zietmann, der Ende Juni im
[3][Landtag von Sachsen-Anhalt] im Zusammenhang mit demokratischen Wahlen
einen SPD-Abgeordneten unterbrach: „Wir müssen nur einmal gewinnen! Sie
müssen immer gewinnen!“ Deswegen sei es so wichtig, die Brandmauer weiter
zu verteidigen, sagt Christoph Bautz entschlossen. An die Spitzen des BSW
gerichtet appelliert er, sie dürften der AfD nicht den Weg zur Macht ebnen.
Es brauche endlich ein AfD-Verbotsverfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht.
Das sehen auch die Demonstrierenden so: Als sich der Demo-Zug langsam über
die Leipziger Straße auf den Weg Richtung Rotes Rathaus macht, sind
Sprechchöre zu hören: „Bundesrat, Bundesrat: Mach uns einen Prüfantrag!“
Der Bundesrat kann neben Bundestag und Bundesregierung ein
Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anstoßen. Die
Richter würden im nächsten Schritt prüfen, ob die Partei verfassungswidrig
ist.
## Den Faschismus verhindern
Mitten in der Menge läuft Heike Robben mit einer Regenbogenfahne als
Umhang. Sie sagt, ein AfD-Verbotsverfahren sei wichtig „um den Faschismus
zu verhindern und die Demokratie zu verteidigen.“ Sie gibt zu, dass ein
Verbot die Probleme nicht lösen würde, aber es hindere die AfD daran, in
Regierungsverantwortung zu kommen.
Svenja Köhn ist ebenfalls für ein AfD-Verbotsverfahren, auch wenn die
Gesinnung dadurch nicht verschwinde: „Aber, was man nicht wählen kann, kann
man nicht wählen.“ Um AfD-Wähler:innen zurückzugewinnen, sollte der Fokus
wieder mehr auf Gemeinschaft liegen. Die Illusion alle zurückzugewinnen,
solle man sich allerdings nicht machen. Sie weist darauf hin, dass gerade
Jüngere mit der AfD als „normalen“ Teil des Parteienspektrums aufgewachsen
seien.
Kurz vor dem Roten Rathaus stößt der Demokratie-Demo-Zug auf den für
soziale Teilhabe: Gewerkschaftsflaggen vermischen sich mit Antifa-Flaggen.
Am Straßenrand trommelt eine Gruppe auf großen Fässern den markanten
Rhythmus von Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“, bevor die Menge sich
mit den anderen Demonstrierenden zur großen Kundgebung vor dem Roten
Rathaus vereinigt.
13 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Omas-gegen-Rechts-setzen-Zeichen/!6204807
(DIR) [2] /AfD-nahe-Youtuber/!6206104
(DIR) [3] https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/112stzg.pdf
## AUTOREN
(DIR) Pascal Maier
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