# taz.de -- Film „The Uprising“: Die Reichen könnten Sch#$$ kriegen
       
       > Gewalt in Zeitlupe, Hauen und Stechen, orgiastisches Morden und Meucheln:
       > Vor Paul Greengrass' neuem Film „The Uprising“ könnten Milliardäre Schiss
       > kriegen.
       
 (IMG) Bild: Andrew Garfield als einfacher Bauer im Film „The Uprising“
       
       Alle Wetter. Hat sich Schauspieler Andrew Garfield tatsächlich kurzerhand
       mit den reichsten Menschen der Welt angelegt? Bei einer Pressekonferenz zu
       Paul Greengrass' neuem Film „The Uprising“, in dem Garfield einen
       wortkargen, englischen Bauern namens „Ploughman“ gibt (im 14. Jahrhundert
       heißt man nach dem, was man tut, und einer, der der unbarmherzigen Erde
       eine karge Ernte abzutrotzen versucht, ist eben ein „Pflüger“), erklärte
       der ehemalige Spider-Man-Darsteller medienwirksam, er hoffe, Milliardäre
       würden den Film schauen – und hätten danach die Hosen voll.
       
       Die Aussage machte die Runde, auch weil der Begriff „scared shitless“, den
       Garfield benutzte, aufgrund des „Shit“-Verbots meist mit typografischen
       Symbolen substituiert wurde, und die wiederum sind klassisches Clickbait.
       Aber, sollte ein Milliardär es in eine Vorführung von „The Uprising“
       schaffen – bekommt er dann tatsächlich Muffe?
       
       Der Film erzählt von einem historischen Bauernaufstand, der englischen
       „peasant’s revolt“ von 1381. Der „Schwarze Tod“ hat in Europa gewütet,
       viele Arbeitskräfte und auch Ploughmans Familie hinweggerafft und das Volk
       hochtraumatisiert zurückgelassen. Die „Lords“ und Landbesitzer, die dem
       erst 14jährigen, mental instabilen König Richard II (Woody Norman)
       unterstehen, beuten ihre Untertanen dennoch aus: Angesichts der fatalen
       Ernährungssituation zeigen die Soldaten des Königs keine Gnade, treiben das
       nicht vorhandene Geld mit Gewalt ein, und vergehen sich an jungen Frauen.
       Bis Ploughman, der nichts mehr zu verlieren hat, furios aufbegehrt – und
       eine Revolte entfacht, die die Bauern inklusive Mistgabeln und Äxte bis
       nach London bringt.
       
       ## Beim Gemetzel geht Gerechtigkeit flöten
       
       Offiziell angeführt werden sie von zwei historischen Figuren, dem Priester
       John Ball (Jamie Bell) und dem Ex-Soldaten Wat Tyler (Cosmo Jarvis); beim
       Marsch beruft man sich auf das legendäre „Books of Doomsday“, das den
       Status als frei Geborene garantieren soll, und will vor allem das
       no-good-Council des Königs stürzen. Die Revolte artet jedoch in ein
       Gemetzel aus, das nichts mehr mit „Gerechtigkeit“ zu tun hat.
       
       Denn in London ansässige Händler und Handwerker nutzen das Chaos, um
       eigene, blutige Hühnchen zu rupfen. Zudem gibt das machthungrige Council
       dem entscheidungsschwachen König die falschen Tipps, und dieser bricht am
       Ende legendär sein Wort gegenüber den ihm eigentlich zugewandten
       Aufständischen.
       
       Greengrass' filmische Ästhetik setzt dabei vor allem auf performative
       Gewalt in Zeitlupe, auf Hauen und Stechen, auf orgiastisches Morden und
       Meucheln. Das in Strömen fließende Blut reißt die interessante Psychologie
       der Geschichte zuweilen schier mit sich fort. Falls Garfield mit seiner
       Aussage dennoch moderne und (wie oft in den USA) neurechte Reiche
       adressieren möchte, ist ihm zu wünschen, dass sein zarter Seitenhieb
       besagten Sound von Schwert- und Axt-Körpertreffern übertönt.
       
       ## Wo die Milliardäre wohnen
       
       Übrigens ist der Film eine Koproduktion von Firmen aus den USA, Deutschland
       und Großbritannien, wurde komplett in Bayern gedreht, und bezog immerhin
       zwei seines angegebenen elf Millionen Dollar-Budgets aus dem bayerischen
       Film- und Fernsehfonds. Und das passt dann doch wieder ganz gut zu
       Garfield: Auf einer aktuellen, aus 78 Ländern bestehenden Milliardärs-Liste
       belegen die USA, Deutschland und Großbritannien den ersten (902
       Milliardäre), vierten (171 Milliardäre) und immerhin zehnten (55
       Milliardäre) Platz – eine Menge Leute, die Sch#$$ kriegen könnten.
       
       Die Reichen von heute bräuchten das Gleichnis bloß zu akzeptieren, den
       Kampf um Gerechtigkeit und gegen kapitalistische Ausbeutung zu
       unterstützen, und sich zerknirscht mit dem bösen Council zu vergleichen.
       Aber Kino kann ja Wunder wirken.
       
       11 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
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