# taz.de -- Buch über Macht von Bewertungssystemen: Eine universelle Sprache der Rechtfertigung
> In „Der Score. Wie wir aufhören, das Spiel der anderen zu spielen“
> untersucht der Philosoph C. Thi Nguyen die Macht von Bewertungssystemen.
(IMG) Bild: Sogar beim Yoga: Fitnesstracker vermessen den Körper
Punktesysteme, Rankings und Listen sind heute allgegenwärtig. Die
Beliebtheit von Politikern, Universitäten oder Restaurants lässt sich mit
ihnen darstellen. Und die eigene Fitness, Ernährung oder den Schlaf mit den
Werten anderer ins Verhältnis setzen. Von Klickzahlen auf Social Media und
daraus abgeleiteter Relevanz ganz zu schweigen.
In seinem Buch „Der Score. Wie wir aufhören, das Spiel der anderen zu
spielen“, beschäftigt sich der Philosoph C. Thi Nguyen mit der Frage, wie
solche Rankings funktionieren, wie sie zu einem der prägendsten Werkzeuge
unserer Zeit geworden sind und warum es so wichtig ist, ihre Wirkungsweise
zu verstehen.
All diese Bewertungskriterien gehen auf Metriken zurück. Eine Metrik ist
ein messbarer Wert oder eine Funktion, mit ihr lassen sich der Abstand
zwischen Elementen oder der Erfolg von Prozessen darstellen. Nguyen zufolge
basieren Metriken auf den sogenannten vier Reitern der Bürokratie: Regeln,
Skalierung, Teilen und Kontrolle. In seiner blumigen Sprache bezeichnet er
sie als eine fordernde Gottheit, die Gaben bereithält, aber auch
Einschränkungen mit sich bringt.
„Metriken üben Druck auf uns alle aus, sie zu verwenden, sobald wir sie
einmal haben. Sie sind das klare, allgemeine Bedeutungssystem, eine
universelle Sprache der Rechtfertigung“, so der Philosophieprofessor aus
Utah. Ihre Macht beruhe darauf, dass sie von allen geteilt werden – was
wiederum voraussetze, „dass sie auch im großen Maßstab stabil und
unflexibel sind.“
## Mächtige Technologien, unterschiedliche Werte
Dem setzt er als positives Beispiel die Welt der Spiele entgegen. Sowohl
Metriken als auch Spiele seien mächtige Technologien, die jeweils
unterschiedliche Werte verkörperten. Erstere füllten „die Welt mit radikal
unterschiedlichen Handlungsweisen“. Letztere beraubten der Welt ihrer
„Vielfalt von Bedeutungen“ und reduziere sie zu einem „einzigen,
monolithischen Wertesystem.“
All das leitet Nguyen kenntnisreich her, immer wieder ergänzt durch
Beispiele aus seinem persönlichen Alltag. Leider fallen die bisweilen sehr
ausufernd aus, was eventuell der Lektorin des Verlags zu verdanken ist, die
dem Autor zufolge „dazu beigetragen hat, dass das vorliegende Buch weniger
wie akademisches Getöse und eher wie ein menschliches Bekenntnis klingt“.
Apropos menschlich: Die ehrlichsten Sätze finden sich zum Schluss. Nach 358
Seiten teilt Nguyen seinen Leser:innen mit, dass er sich selbst nicht
klar sei, „wie ich all diese Dinge beurteilen soll.“
16 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Joel Schmidt
## TAGS
(DIR) Politisches Buch
(DIR) Philosophie
(DIR) Schufa
(DIR) Social Media
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