# taz.de -- Queeres Filmfestival in Hamburg: „Darin liegt eine wichtige Form von Empowerment“
       
       > „Remember and Resist“ ist das diesjährige Motto des Festivals. Eine
       > Mitarbeiterin erklärt, warum Widerstand in diesem Jahr besonders wichtig
       > ist.
       
 (IMG) Bild: Was kommt da auf uns zu? Agustina Macris „Miss Carbón“ eröffnet dieses Jahr das Internationale Queer Film Festival
       
       taz: Hanne Homrighausen, woran soll unter dem Motto „Remember and Resist“
       erinnert werden – und wogegen Widerstand geleistet werden? 
       
       Hanne Homrighausen: Das Thema hat sich dieses Jahr besonders aufgedrängt.
       Auch wegen der politischen Situation in Deutschland, der Frage, [1][wie
       stellt sich die queere Community auf?] Es geht um Widerstand gegen den
       Rechtsruck und die aktuellen Sparmaßnahmen, die eine große Bedrohung für
       marginalisierte Gruppen darstellen. Es [2][werden demokratiefördernden und
       queeren Projekten die Gelder gestrichen]. Das wirkt sich auf die queere
       Community aus, weil zum Beispiel Unterstützungsangebote nicht mehr
       finanziert werden können. Und zudem werden medizinische
       Transitionsmaßnahmen von den Krankenkassen kaum noch bewilligt. Im
       Eröffnungsfilm „Miss Carbón“ ist das Thema Widerstand besonders präsent.
       Der Film beruht auf einer wahren Geschichte in Argentinien, wo es um die
       erste Kohlebergarbeiterin, eine trans Frau, in Santa Cruz geht.
       
       taz: Wie spiegelt sich das Motto in der Ausgestaltung des Festivals und im
       Filmprogramm wider? 
       
       Homrighausen: Es lässt sich in vielen Filmen finden. Queeres Leben ist oft
       ein Leben im Widerstand. Ich möchte eine Veranstaltungsreihe hervorheben,
       die in der Gedenkstätte am Bullenhuser Damm stattfinden wird. Wir haben
       dort einen Tag der queeren Erinnerungskultur organisiert. Zum Beginn gibt
       es eine Keynote von Monika Treut, einer lesbischen Regisseurin aus Hamburg.
       In ihrem Film „Cooking Up Democracy“ geht es um demokratischen Widerstand
       in Taiwan. Bei dem folgenden Panel reden wir darüber, wie Erinnerungsarbeit
       genutzt werden kann, um sich dem Rechtsruck entgegenzustellen. Als Letztes
       zeigen wir „Refuge“, einen Film über den antifaschistischen Widerstand
       während des Zweiten Weltkriegs in einem Dorf in Frankreich. Also das, was
       wir den ganzen Tag besprechen, wird dann praktisch in diesem Film gezeigt.
       
       taz: Es gibt auf dem Festival ein Schulprogramm für Schulklassen. Warum
       sind queere Bildungsangebote speziell für Schulen so wichtig? 
       
       Homrighausen: Wir finden es wichtig, dass queere Themen in der Schule
       vorkommen und dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, andere
       Perspektiven kennenzulernen. Auf dem Festival sollen sie kostenlos die
       Möglichkeit haben, in einem geschützten Rahmen, außerhalb des Klassenraums,
       darüber zu sprechen.
       
       taz: Welche Rolle spielt da das Filmfestival als Mittel von Empowerment? 
       
       Homrighausen: Wir hören immer wieder Geschichten von Personen, die sowas
       sagen wie: „Damals, als ich bei eurem Festival diesen Film gesehen hab –
       der hat mein Leben verändert. Der hat mir gezeigt, dass meine Geschichte
       kein Einzelschicksal ist.“ Genau darin liegt eine wichtige Form von
       Empowerment: [3][Das Festival schafft einen Raum, in dem Menschen sich
       wiedererkennen], andere queere Lebensrealitäten kennenlernen und erfahren,
       dass sie nicht allein sind. Und: Bei uns arbeitet ein Großteil der Menschen
       ehrenamtlich. Das ist eine Stärke der queeren Szene – mit viel Engagement
       und vergleichsweise wenig Ressourcen Kultur und Aktivismus möglich zu
       machen. Gleichzeitig darf dieses Ehrenamt nicht darüber hinwegtäuschen, wie
       wichtig verlässliche Förderstrukturen für die langfristige Arbeit sind.
       
       taz: Was möchten Sie den Besucher:innen des Festivals mit auf den Weg
       geben? 
       
       Homrighausen: Einer meiner Lieblingsfilme ist „Fantasy“. Da scheint auch
       das [4][Motto des Festivals] durch – der Widerstand als queere Person in
       einer nicht besonders queerfreundlichen Umgebung. Ich finde, es ist ein
       tiefgründiger, aber leichter Film, mit tollen Bildern. Das wäre meine
       persönliche Empfehlung. Ans Publikum: Kommt vorbei. Bringt euch ein. Habt
       eine schöne Zeit. Damit wir danach mit Kraft für unsere Rechte
       weiterkämpfen können.
       
       8 Oct 2026
       
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