# taz.de -- Reiches Energiereformen: Ein Gesetz für den Stillstand
> Die Wirtschaftsministerin legt Pläne zur Reform des
> Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor. Mit ihnen sind die deutschen
> Klimaschutzziele nicht erreichbar.
(IMG) Bild: Windräder stehen still, obwohl der Wind weht, weil es an Übertragungskapazitäten fehlt
Bei Windkraftwerken ist das ähnlich wie beim Fließband: Stehen sie still,
gibt es keine Wertschöpfung. Anders als beispielsweise in der deutschen
Autoindustrie mangelt es den Windrädern in Deutschland aber nicht an
Nachfrage: Immer mehr Wärmepumpen, immer mehr E-Autos und insgesamt immer
mehr Industrieprozesse, die auf Strom umgestellt werden, lassen die
Nachfrage nach Elektrizität steigen. Und weil die Bundesrepublik
[1][gesetzlich verpflichtet ist, ihre Treibhausgase ab 2030 um 65 Prozent
gegenüber 1990 zu reduzieren], besitzen die erneuerbaren Energien einen
Einspeisevorrang ins deutsche Stromnetz.
Freilich stehen Windräder dennoch überall sichtbar immer häufiger still –
trotz steifer Brise und Vorfahrt ins Netz: Es fehlt an
Übertragungskapazitäten, um die Erneuerbaren in die großen
Verbrauchszentren im Westen und Süden der Republik zu transportieren. Bläst
im Norden beispielsweise viel Wind, geht der Strompreis an der Börse gegen
null.
Kaufen dann bayerische Mittelständler Strom ein, müssen die Gaskraftwerke
im Süden ran, weil es zu wenig Leitungskapazität aus dem Norden gibt. Dort
aber müssen dann die Windräder vom Netz, das jetzt mit fossilem Gasstrom
geflutet wird. [2][Für diesen unverschuldeten Stillstand werden die
Erzeuger erneuerbarer Energien, also Windparkbetreiber oder die großen
Sonnenstromer, dann entschädigt.]
Statt nun aber den Netzausbau zu beschleunigen, will
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) das Netzrisiko umdrehen:
An diesem Donnerstag brachte sie ihren Entwurf zur Aktualisierung des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes in den Bundestag ein, der die Entschädigungen
beim erzwungenen Stillstand stark zusammenstreicht.
Reiche will, dass sich der Ausbau der Erneuerbaren an den Netzausbau
anpasst und nicht umgekehrt. Damit schont sie die Besitzer der deutschen
Übertragungsnetze, etwa den niederländischen Pensionsinvestor APG, die
Finanzinvestoren von M31 oder Staatsfonds aus Norwegen und Singapur.
Trotzdem hält das neue EEG ausdrücklich am Ziel fest, im Jahr 2030
wenigstens 80 Prozent unseres Stroms aus regenerativen Quellen zu
produzieren.
Mit diesem Gesetzentwurf aber ist das nicht zu schaffen: Statt den
Netzausbau zu forcieren, legt Reiche Investoren neue Steine in den Weg. Wir
sind erst bei 58 Prozent und es sind nur noch drei Jahre Zeit bis 2030. Das
Tempo müsste stark erhöht, statt abgebremst werden.
Immerhin gibt es eine Besonderheit beim EEG: Erarbeitet wurde es Ende der
1990er nicht von einem Ministerium, sondern von einer Parlamentariergruppe
um den [3][Vordenker Hermann Scheer]. Der holte auch Stimmen der damaligen
Oppositionspartei CDU an Bord – eine Sternstunde des Parlamentarismus im
geeinten Deutschland. Zwar sind die Zeiten rauer geworden – die AfD brachte
einen Gesetzentwurf im Parlament ein, der die Abschaffung des kompletten
EEG zum Ziel hat. Warum aber sollte man nicht davon träumen, dass das
Parlament mit vereinten Kräften Reiches schreckliches Gesetz repariert?
24 Sep 2026
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## AUTOREN
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