# taz.de -- Direktmandat für Linke in Magdeburg: „Wir haben es geschafft, einen roten Leuchtturm aufzubauen“
> Mustafa Groener hat für die Linke eins von drei Direktmandaten in
> Sachsen-Anhalt gewonnen. Er bezeichnet sie als „Schutzräume gegen die
> Faschisten“ der AfD.
(IMG) Bild: Linker Lichtblick: Mustafa Groener hat den Wahlkreis Magdeburg 2 gewonnen
taz: Herr Groener, Ihre Linke hat in Sachsen-Anhalt deutlich weniger
Stimmen bekommen als erwartet und ist sogar hinter den Grünen und der SPD
gelandet. Aber Sie haben in Ihrem Wahlkreis in Magdeburg am meisten
Erststimmen bekommen und das Direktmandat gewonnen. Wie geht es Ihnen nach
dem Wahltag?
Mustafa Groener: Auf der einen Seite freue ich mich sehr, weil wir es durch
den Wahlkampf in Magdeburg geschafft haben, einen roten Leuchtturm
aufzubauen. Wir haben an 30.000 Türen geklingelt, mit 10.000 Menschen
gesprochen und so auch ihr Vertrauen gewonnen. Auf der anderen Seite ist
das Wahlergebnis bekannt: Der Rest der Landkarte ist blau. Die AfD hat rund
44 Prozent bekommen, das BSW ist auch im Landtag. Das macht Sorgen, das
macht mir Angst.
taz: Was hat Ihre Partei in Sachsen-Anhalt falsch gemacht?
Groener: Die Gründe dafür, dass wir als Landespartei so viele Stimmen
verloren haben, müssen wir auf jeden Fall gemeinsam auswerten. Aber es ist
wichtig zu sehen, dass wir drei Direktmandate gewinnen konnten, zwei in
Halle und eins bei uns in Magdeburg. Wir müssen die nun konsequent als
Schutzräume nutzen gegen das, was die Faschisten vorhaben. Aber auch gegen
den Sozialkahlschlag der CDU. Die ist am Ende dafür verantwortlich, dass es
hier so aussieht, wie es aussieht.
taz: Sie machen die CDU direkt dafür verantwortlich, dass die AfD so hoch
gewonnen hat?
Groener: Die CDU und Friedrich Merz kürzen unseren Sozialstaat und sparen
beim Gesundheitssystem. Die Infrastruktur ist marode. Das macht die Leute
hier verdammt sauer. Die CDU hat in den letzten Jahren der AfD so viel
Futter geboten und den Rechtskurs auch noch mitgetragen. Das hat die AfD
stärker und stärker gemacht.
taz: Wie haben Sie es in Magdeburg geschafft, die Menschen von der Linken
zu überzeugen?
Groener: Wir haben den Leuten keine leeren Versprechungen gemacht. Das
fängt beim Geld an. Wenn Politiker zu viel verdienen, dann wird auch ihre
Politik abgehoben. Ich werde im Landtag [1][mein Gehalt auf 2.800 Euro
netto deckeln]. Wir haben den Leuten klargemacht, dass wir hier einen
Nachbarschaftsladen eröffnen. Das wird ein Ort der Gemeinschaft, in dem wir
Sozialsprechstunden anbieten und uns gemeinsam gegen die Kahlschläge der
CDU und der AfD wehren wollen.
taz: Sie sind im Plattenbau in Magdeburg aufgewachsen, waren bislang
Schichtarbeiter. Waren Sie schon mal im Landtag?
Groener: Ich war noch nicht bei einer Plenarsitzung dabei. In den nächsten
Tagen stehen jetzt die ersten Termine mit der alten und der neuen Fraktion
an. Aber für uns steht die Arbeit hier vor Ort im Wahlkreis im Vordergrund.
Wir wollen ansprechbar bleiben und die Menschen organisieren. Die AfD,
sollte sie regieren, wird eine Gefahr für Migrant:innen, für Queere, für
Linke und für arbeitende Menschen sein. Und die CDU wird weiter kürzen.
taz: Jetzt haben Sie schon wieder die CDU erwähnt. Verblasst das nicht
hinter den Sorgen vor einer [2][AfD-BSW-Regierung?]
Groener: Doch, die Sorgen sind auf jeden Fall da. Wir organisieren uns, ja.
Sollte es zu dieser Regierung kommen, dann leisten wir Widerstand – nicht
nur mit unserem Mandat, nicht nur mit der Fraktion, sondern aus der Basis
heraus. Aber wir müssen auch klar benennen, wieso die AfD so stark ist. Das
liegt daran, dass die CDU hier seit 24 Jahren Politik gegen die Interessen
der Menschen macht. Die AfD ist ein Symptom der neoliberalen Politik der
letzten Jahrzehnte.
taz: Im Wahlkampf hatte die Linke in Sachsen-Anhalt eine Regierung mit der
CDU nicht ausgeschlossen. War das ein Fehler?
Groener: Für uns als Team hier im Wahlkreis war eine Koalition mit der CDU
nie eine Option. Die CDU hätte ihre Politik doch nicht um 180 Grad gedreht,
wenn wir mit denen regieren. Bei den Haustürgesprächen haben uns viele
Menschen von ihrer Sorge vor einer AfD-Regierung erzählt. Aber genauso
viele waren sauer auf die CDU.
taz: Sollte die Linke eine CDU-Minderheitsregierung unterstützen?
Groener: Wir wollen keine AfD-Regierung und werden uns mit all unseren
Kräften dafür einsetzen, diese abzuwehren. Eine Koalition, Tolerierung oder
jegliches Vertragsverhältnis mit der CDU kann ich mir jedoch nicht
vorstellen. Ihrem Sozialraub, den Rentenkürzungen und dem Klassenkampf von
oben werden wir uns gemeinsam mit den Nachbar:innen in unserem Wahlkreis
entschieden entgegenstellen.
8 Sep 2026
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(DIR) David Muschenich
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