# taz.de -- Konzert von Rechtsrocker Thompson: Wo der Kampf gegen den Faschismus endet
       
       > Im Herbst will der kroatische Rechtsrocker Thompson in Frankfurt
       > auftreten. Die dortige CDU windet sich um eine klare Haltung. Das hat
       > seine Gründe.
       
 (IMG) Bild: Marko Perkovic alias Thompson, ein Rechtsrocker bei dem die CDU scheinbar keine Brandmauer hat
       
       Das Gastspiel wirft seine Schatten voraus. Mitte November soll [1][der
       populäre kroatische Rechtsextremist Marko Perković, besser bekannt unter
       seinem Künstlernamen „Thompson“], in Frankfurt am Main in der
       Jahrhunderthalle auftreten. Diese fasst knapp 5.000 Besucher, die Karten
       waren nach Ankündigung des Konzerts innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
       Kaum wurde der Termin bekannt, protestierten aber auch Linke, Grüne, Volt
       und SPD im Frankfurter Römer gegen den geplanten Auftritt des Sängers, dem
       sie Geschichtsklitterung vorwerfen.
       
       Zunächst schloss sich auch [2][die lokale CDU] der Forderung nach einer
       Absage des Konzerts an. Am 21. August erklärte ihr Stadtverordneter
       Christian Becker, angesichts „nationalistischer und faschistischer
       Symbolik“ bei Thompsons Auftritten sei das Konzert ein „völlig falsches
       Signal“. Die Jahrhunderthalle dürfe kein Ort werden, an dem extremistische
       Ideologien „verharmlost oder salonfähig gemacht werden“, sagte er und
       forderte „alle rechtlich möglichen Schritte gegen diesen Auftritt“.
       
       Perkovićs Künstlername geht auf die gleichnamige Maschinenpistole zurück,
       die er als Soldat getragen haben soll. Sein bekanntester Song „Bojna
       Čavoglave“ beginnt mit dem Ruf „Za dom spremni“ („Für die Heimat bereit“).
       Das war einst der offizielle Gruß der faschistischen Ustascha im von Hitler
       gestützten „Unabhängigen Staat Kroatien“ und ist das kroatische Pendant zum
       deutschen „Sieg Heil“. [3][[Link auf Beitrag 3448839]]
       
       [4][Das von Thompson verherrlichte Regime des Diktators Ante Pavelić
       beteiligte sich am Holocaust] und ermordete neben Juden auch Serben, Roma
       und Oppositionelle systematisch. Den umstrittenen Gruß verwendet Thompson
       dennoch bis heute. Erst kürzlich schrie er bei einem Konzert im kroatischen
       Vukovar „Za dom“, worauf Tausende „spremni“ antworteten. Im Publikum waren
       offen Ustascha-Symbole zu sehen, auf Fahnen, auf Kleidung und als
       Tätowierungen. In Österreich sind diese Symbolen verboten, in Deutschland
       immer noch nicht.
       
       ## Rechtsextreme Kontinuität
       
       Die Frankfurter CDU hat ihre Meinung zum geplanten Auftritt des kroatischen
       Musikers inzwischen geändert. Nur drei Tage nach den klaren Worten ihres
       Stadtverordneten Christian Becker vollzog sie eine Kehrtwende. Die
       CDU-Stadtverordnete Anita Akmadža erklärte, nach einem Gespräch mit dem
       Veranstalter sehe sie „keinen tragfähigen Grund für eine Absage des
       Konzerts“. Der Veranstalter habe ihr zugesichert, dass umstrittene „Lieder
       aus der Kriegszeit der 1990er-Jahre“ nicht Teil des Konzertprogramms sein
       würden. Das Problem an dieser Begründung: Thompsons
       geschichtsrevisionistische Inhalte lassen sich weder auf einzelne Lieder
       noch auf die Zeit des Kroatienkriegs zwischen 1991 und 1995 reduzieren.
       
       Die Ustascha-Verherrlichung zieht sich bis heute durch Thompsons Werk. In
       seinem kurz nach dem Kroatienkrieg erschienenen Song „Geni Kameni“ („Gene
       aus Stein“) bezeichnet er das Jahr 1945, das Jahr der Niederlage Hitlers
       und seiner kroatischen Kollaborateure, als „schlechtes Jahr“: „Schlecht war
       das Jahr 45. Sie verstreuten uns über die Welt. Doch nun wächst ein neues
       Geschlecht. Die Schwalben sind heimgekehrt“, heißt es darin schwülstig, bis
       heute gehört es zu Thompsons Standardrepertoire. Nur sieben Jahre nach dem
       Ende des Kroatienkriegs sang er außerdem „Jasenovac i Gradiška Stara“ – ein
       Ustascha-Lied, das die Massaker an Juden, Serben und Roma [5][in dem
       Lagerkomplex Jasenovac] sowie den dafür verantwortlichen Kommandanten
       Vjekoslav „Maks“ Luburić verherrlicht. Auch auf seinem neuesten Album von
       2025, „Hodočasnik“, findet sich ein Lied, in dem er sich positiv auf die
       Ustascha bezieht.
       
       Umso erklärungsbedürftiger ist die Kehrtwende der Frankfurter CDU. Sie
       könnte darauf zurückzuführen sein, dass sie eng mit der konservativen
       kroatischen Diaspora verbandelt ist. Organisiert wird der Frankfurter
       Thompson-Auftritt von der Konzertagentur Martinović, hinter der die Firma
       Rokaru Numen steht. Diese veranstaltet in Frankfurt seit Jahren die
       „Hrvatska Noć“ (Kroatische Nacht), ein großes Musik- und Kulturevent für
       die kroatische Diaspora. 2017 waren dort mehrere prominente CDU-Politiker
       zu Gast, darunter Manfred Pentz, damals Generalsekretär der hessischen CDU
       und heute Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in Hessen, sowie
       der damalige Frankfurter CDU-Bürgermeister Uwe Becker, der das Publikum
       sogar auf Kroatisch begrüßte.
       
       ## Die Gründe für die Kehrtwende
       
       Becker ist heute Antisemitismusbeauftragter der hessischen Landesregierung.
       Auf Anfrage der taz bestätigt er seine Teilnahme und erklärt, er könne bei
       Thompson „Anklänge“ von „Extremismus“ und der „Verherrlichung des
       Faschismus“ erkennen. Zugleich aber werde „in der kroatischen Community ein
       differenziertes Bild seiner Person mit Blick auf die Zeit des
       Jugoslawienkrieges gezeichnet“, betont er, „was eine eindeutige Einordnung
       erschwere.“ Er erwarte, dass Thompson sich bei seinem Konzert klar vom
       Faschismus distanziere und antisemitische und rassistische Verbrechen
       verurteile, so Becker.
       
       Besonders brisant sind die persönlichen Verbindungen in dieser
       Angelegenheit. Die CDU-Stadträtin Anita Akmadža, die die Kehrtwende ihrer
       Partei verkündete, ist in ihrer Fraktion „Sprecherin für Diversität,
       Zusammenhalt, Beteiligung und Europa“. Die 44-jährige Lokalpolitikerin ist
       mit Franjo Akmadža verheiratet, der ebenfalls Mitglied der CDU sowie deren
       kroatischer Schwesternpartei ist, der Regierungspartei HDZ. Als
       langjähriger Vorsitzender des „Kroatischen Weltkongresses in Deutschland“,
       dem großen Dachverband der kroatischen Diaspora, ist er zudem bestens in
       der kroatischen Community vernetzt.
       
       Haben diese engen Kontakte der Frankfurter CDU zu konservativen kroatischen
       Kreisen etwas damit zu tun, dass sich die Bewertung von Thompsons Konzert
       innerhalb kürzester Zeit änderte? Die Frankfurter CDU-Fraktion erklärt der
       taz, dass sie keine weiteren Stellungnahmen zu dem Thema abgeben wolle.
       
       14 Sep 2026
       
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